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17.01.2004

18:21 Uhr

Massive Mobilisierung an Moscheen

Kopftuch-Kundgebung in Berlin

In Berlin haben rund 1000 Menschen gegen ein Kopftuch-Verbot demonstriert. Dagegen protestierten auch in Paris und London Tausende von Personen.

HB BERLIN. Etwa 1000 Menschen haben nach Angaben der Polizei am Samstag in Berlin gegen ein Kopftuchverbot für muslimische Lehrerinnen an staatlichen Schulen demonstriert. Die Protestierer, unter denen die meisten Frauen waren, forderten in Sprechchören «Gleichberechtigung für alle Religionen».

Außerdem trugen sie Transparente mit Aufschriften wie «Mein Kopf gehört mir» und «Es gibt keinen Zwang im Glauben». Zu der Aktion hatte die Initiative Berliner Muslime aufgerufen. Die Veranstalter sprachen von 5000 Teilnehmern der Kundgebung.

Nach Informationen des Verfassungsschutzes war im Vorfeld in Berliner Moscheen für die Teilnahme an der Demonstration unter dem Motto «Religionsfreiheit für alle - gegen jede staatlich reglementierte Kleiderordnung» massiv geworben worden. Zahlreiche islamistische Organisationen unterstützten den Aufruf. Viele türkische Verbände hatten sich jedoch von der Aktion distanziert, hieß es.

Während der Demonstration verlasen die Veranstalter eine Liste mit prominenten Gegnerinnen eines Kopftuchverbotes. Sie zählten die Namen der beiden evangelischen Bischöfinnen von Hamburg und Lübeck, Maria Jepsen und Bärbel Wartenberg-Potter auf. Überdies hätten sich die Schauspielerinnen Katja Riemann und Renan Demirkan sowie die Grünen-Politikerinnen Renate Künast, Claudia Roth und Krista Sager gegen ein Verbot ausgesprochen.

Auch in Paris und anderen französischen Städten gingen am Samstag Tausende von Demonstranten auf die Straße. Sie protestierten gegen eine Gesetzesinitiative des französischen Bildungsminister Luc Ferry, der zufolge in öffentlichen Schulen das Tragen von Kopftüchern verboten werden soll.

Die radikale Gruppe Partei der Moslems Frankreichs (PMF) hatte zu der Demonstration aufgerufen; die wenig

bekannte Gruppe zählt etwa 2000 Anhänger. In Paris zählte die Polizei rund 3000 Kundgebungsteilnehmer, in Straßburg etwa 1000 und in Marseille knapp 2000 Demonstranten.

In London zogen etwa 3000 Menschen vor die französische Botschaft und warfen der Regierung in Paris vor, eine «neue Front im Krieg gegen den Islam» zu eröffnen. In Ankara, Istanbul und der jordanischen Hauptstadt Amman kam es zu kleineren Kundgebungen mit jeweils wenigen hundert Teilnehmern.

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