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06.06.2011

16:57 Uhr

Massiver Sozialbetrug

Koalition empört über Rentenzahlung an tote Griechen

VonDietmar Neuerer

ExklusivDass Griechenland weiterhin Renten an tausende verstorbene Pensionäre zahlt, sorgt für große Empörung in Deutschland. Koalitionspolitiker sprechen von einem Skandal, die Grünen vermuten Betrug auch in anderen EU-Ländern.

Das Akademiegebäude in Athen. Quelle: dapd

Das Akademiegebäude in Athen.

DüsseldorfDer von der griechischen Regierung eingeräumte massive Betrug an den Rentenkassen des hoch verschuldeten Landes sorgt für großen Unmut in Deutschland. "Die Tatsache der Rentenzahlung an über 4.500 verstorbene Bedienstete ist ein neues Detail des unglaublichen Skandals griechischer Regegierungspolitik und Misswirtschaft", sagte der Präsident des CDU-Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, Handelsblatt Online. "Und sie ist ein überzeugender Beweis dafür, wie dringend es ist, die griechischen Finanzen bis in jeden Winkel auf den Prüfstand zu stellen, bevor auch nur ein Cent bereitgestellt wird." Ankündigungen Athens reichten nicht, betonte der CDU-Politiker. Die Ergebnisse wie die Maßnahmen müssten "glaubhaft" belegt werden. "Die europäischen Finanzminister wären gut beraten, den Hellenen die Prüfungen nicht allein zu überlassen" verlangte Lauk. "Schließlich gilt es, nach dem Desaster neues Vertrauen aufzubauen."

Für den Finanzexperten der FDP-Bundestagsfraktion, Frank Schäffler, zeigt der Renten-Skandal, dass Griechenland vor tiefgreifenden Änderungen steht. "Haftung und Verantwortung müssen in Europa wieder zusammengehören", sagte Schäffler Handelsblatt Online. Wer seinen Sozialstaat massiv ausbaue, müsse auch für die Folgen gerade stehen. "Eine weitere Sozialisierung von Verantwortung in der EU muss verhindert werden", betonte Schäffler und fügte hinzu: "Dies zerstört sonst Europa."

Zuvor hatte die griechische Regierung eingeräumt, dass für Tausende tote Griechen Rente gezahlt werde. So erhielten allein 4.500 inzwischen verstorbene Angestellte im öffentlichen Dienst noch Geld, was die Steuerzahler jährlich mehr als 16 Millionen Euro koste, sagte Arbeitsministerin Louka Katseli in einem Interview. Nun richte das Ministerium den Blick auf die etwa 9000 Über-Hundertjährigen. "Wir überprüfen gerade, wie viele von ihnen noch leben", sagte die Ministerin.

Das Problem ist der chaotischen Verwaltung des hochverschuldeten Landes schon seit fast einem Jahr bekannt - in den Griff bekommen hat sie es bisher aber nicht. Bereits im August 2010 hatte der Vizeminister für Arbeit und Soziales, Giorgos Koutroumanis, der Athener Presse versichert, der Staat werde juristisch gegen alle vorgehen, die "vergessen hätten", den Tod ihrer Verwandten zu melden.

Eine genauere Untersuchung ergab damals immerhin schon: In mindestens 320 Fällen wurde die Rente an Bankkonten gezahlt, auf denen gar keine Transaktionen mehr stattfinden, oder die seit Jahren nur noch von Kindern oder anderen Bevollmächtigten genutzt wurden.

Kommentare (17)

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Hellas

06.06.2011, 17:30 Uhr


Rein ökonomisch betrachtet, kostet es nun mal ziemlich viel Geld in Griechenland tot zu sein. Abgesehen von den recht hohen Beerdigungskosten für die Angehörigen, sind die Grabmieten auch in die Höhe geschossen. Nach dem dritten Jahr kommt noch eine Sonderabgabe hinzu, sonst wird man sofort ausgegraben. Das kostet für die lebenden Verwandten so manches. Wenn diese auch arm sind, dauert es mehrere Jahre um die ganzen Erbsteuern zu zahlen, damit ein Familiengrundstück auch bei der Familie bleibt. Deswegen vergessen manche den Tod zu melden, gehen damit aber auch ein hohes Risiko ein, erwischt zu werden. So können sie illegal für ein paar Jahre von den Rentenansprüchen des Verstorbenen kassieren. Geht auch in Deutschland, kommt in Sachsen auch oft vor.

Liebe Grüsse aus Griechenland!

Petra

06.06.2011, 17:45 Uhr

Mein Gott!

Dieses Volk unterstütze ich mit MEINEN Steuerzahlungen!

Wie xxxx sind unsere Politiker nur, das zuzulassen!

Schwachsinn

06.06.2011, 17:48 Uhr

Dieser Bericht ist nichts als Polemik pur. Was ist das schon, wenn der Staat 4500 angeblich Toten ehemaligen Staatsbediensteten noch 16 Millionen an "Sonderleistungen" zahlt? Und 9000 hundertjährige bei einer Bevölkerungszahl von über 11,2 Mio. ist auch nichts besonderes, dieser Wert entspricht gerade mal 0,07% der Gesamtbevölkerung u. ist durchaus als normal einzustufen. Was soll diese Polemik also? Warum bringt man solch eine Scheiße hier an? Liebes Handelsblatt, habt ihr nichts anderes mehr zum Berichten? Unsere Politiker sollten zuerst einmal vor der eigenen Haustüre Kehren, bevor sie anderen vorschreiben was zu tun ist.

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