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07.11.2014

11:43 Uhr

Mauerfall-Gedenken im Bundestag

Wolf Biermann nennt Linkspartei „Drachenbrut“

Unbequeme Töne zur Feierstunde: Der ostdeutsche Liedermacher Wolf Biermann hat im Bundestag die Linkspartei verbal angegriffen. Die Feierlichkeiten in Berlin regen die Debatte um den Tag der Deutschen Einheit wieder an.

Biermann-Attacke auf Linkspartei

"Die Reste der Drachenbrut sind geschlagen"

Biermann-Attacke auf Linkspartei: "Die Reste der Drachenbrut sind geschlagen"

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BerlinScharfer Wortwechsel in der Feierstunde: Der 1976 aus der DDR ausgebürgerte Liedermacher Wolf Biermann hat die Linke in der Gedenksitzung des Bundestages zum Fall der Mauer vor 25 Jahren scharf attackiert. Die Linke sei „der elende Rest dessen, was zum Glück überwunden ist“, sagte Biermann am Freitag im Reichstag, in den er eigentlich zum Singen eingeladen worden war.

Mit Verweis auf seine Bezeichnung als „Drachentöter“ sagte der Liedermacher, er könne „nicht die Reste der Drachenbrut“ niederschlagen, „die sind geschlagen“. Auf Einwurf aus der Linksfraktion, sie seien gewählt, erwiderte Biermann, eine Wahl sei doch „kein Gottesurteil“. Die Linke sei in Wahrheit „reaktionär“. Im Anschluss an den Schlagabtausch trug Biermann sein Lied „Ermutigung“ vor, das vor allem bei den Oppositionellen in der damaligen DDR populär war. Biermann selbst nannte es „ein Stück Seelenbrot“ insbesondere für die Insassen von DDR-Gefängnissen.

Bundestagspräsident Lammert sagte zu Biermanns ungewöhnlichem Auftritt mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung: „Sobald Sie für den Bundestag kandidieren und gewählt werden, können Sie auch reden. Jetzt sind sie hier, um zu singen.“ Biermann entgegnete: „Das Reden habe ich mir in der DDR nicht abgewöhnt und werde das hier schon gar nicht tun.“ An die Adresse der Linken sagte er: „Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch.“

Von „Arschloch“ bis „Drachenbrut“: Pöbeleien im Bundestag

„Zuhälter“

„Zuhälter.“ - Michael Glos (CSU) zu Joschka Fischer (Grüne), 2004

„Wild gewordener Gartenzwerg“

„Wild gewordener Gartenzwerg.“ - Ottmar Schreiner (SPD) über Hansheinz Hauser (CDU), 1990

„Mini-Goebbels“

„Mini-Goebbels.“ - Dietmar Kansy (CDU) über Otto Schily (damals Grüne), 1983

„Christliche Dreckschleuder“

„Christliche Dreckschleuder.“ - Joschka Fischer (Grüne) zu Walter Althammer (CSU), 1983

„Sie Frühstücksverleumder“

„Sie Frühstücksverleumder.“ - Herbert Wehner (SPD) zu Friedrich Zimmermann (CSU), 1979

„Übelkrähe“

„Übelkrähe.“ - Herbert Wehner (SPD) zu Jürgen Wohlrabe (CDU), 1970

„Geistiges Eintopfgericht“

„Geistiges Eintopfgericht.“ - Herbert Wehner (SPD) über Georg Kliesing (CDU), 1956

„Schnauze, Iwan“

„Schnauze, Iwan!“ - Franz Josef Strauß (CSU) zu Heinz Renner (KPD), 1951

Biermanns Auftritt hatte schon vorher für Ärger gesorgt, weil sich die Linke als SED-Nachfolgepartei immer wieder von Biermann kritisiert fühlt und bei der Festlegung des Programms für die Gedenkstunde übergangen fühlte. Bundestagspräsident Lammert hatte nach Angaben der „Welt“ im Ältestenrat nur beiläufig erwähnt, dass er einen „Musikbeitrag“ für die Bundestagssitzung organisieren wolle. Danach seien, teilweise nur halbernst, unter anderem Biermann und der Erfurter Rapper Clueso vorgeschlagen worden. Dass Lammert tatsächlich Biermann für die Gedenksitzung anfragte, war erst Anfang der Woche durchgesickert – und hatte den Zorn der Linkspartei geweckt.

Kommentare (23)

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Herr Thomas Melber

07.11.2014, 10:44 Uhr

Demnächst dann auch Pussy Riot im Bundestag ...

Herr walter danielis

07.11.2014, 10:53 Uhr

Ich denke Herr Lammert hat durchaus gewußt, wen er einlädt und welchen Beitrag der Gast bringen wird.

Herr J.-Fr. Pella

07.11.2014, 12:09 Uhr

Warum hat H. Lammert nicht V-Männer des BND eingeladen?
Auch da gibt es singende Schwachköpfe.

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