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06.01.2012

07:50 Uhr

Max-Josef Strauß

„Der politische Betrieb ist wie ein Pudding“

VonOliver Stock, Dietmar Neuerer

ExklusivLange hat der Sohn von CSU-Übervater Franz Josef Strauß wegen seiner „schwierigen Vorgeschichte“ geschwiegen. Doch angesichts des Euro-Krisenmanagements der Kanzlerin und der CSU platzt Max Josef Strauß der Kragen.

Max Josef Strauß.

Max Josef Strauß.

Handelsblatt Online: Herr Strauß, Sie posten neuerdings Ihre Sicht auf die Eurokrise via Facebook in die Öffentlichkeit. Ist das für Sie die zeitgemäße Form  politischer Betätigung?

Es ist auf jeden Fall authentischer als alles andere. Sie bekommen doch heute ansonsten nur noch eine gedrechselte Form der Wahrheit serviert. Sie kriegen den Schönsprech. Niemand mehr analysiert das Problem, sondern jeder betont die Vorteile seiner Lösung im Politmarketing-Deutsch der schönen Sprüche unter vollständiger Weglassung der Nachteile und Probleme. Damit gibt es keine ehrliche Diskussion mehr. Kommunikation verliert ihre Funktion. Wir reden aneinander vorbei.

Indem wir Journalisten ihre Facebook-Einträge scannen, müssen Sie aber auch da aufpassen, was Sie sagen …

… ich habe im Gegensatz zu Politikern einen großen Vorteil: Ich muss ja nicht gewählt werden. Für mich gibt es keinen D-Day. Ich kann farbiger formulieren, ohne dass ich gleich ganz furchtbare Bestrafungen fürchten müsste.

Dann sagen Sie doch mal ein farbiges Wort zum Euro-Problem und Griechenland!

Meine Kritik ist, dass unsere Form der Rettung in Griechenland ganz offensichtlich nicht funktioniert. Ich gehe heute davon aus, dass vielleicht nicht Ministerpräsident Papademos, aber der seit Jahrzehnten regierende Sumpf unterstützt von den Reichen und von den Steuerhinterziehern ganz gezielt auf die Wiedereinführung der Drachme hinarbeitet.

Wie kommen Sie darauf?

Am 20. Oktober 2009 gestand die neue sozialistische Regierung ein, dass jahrelang die Zahlen gefälscht und somit Europa wie die Anleihegläubiger massiv getäuscht wurden. Seitdem ist de facto herzlich wenig passiert. Alle Kürzungen und Sparmaßnahmen betreffen die kleinen Leute und den Normalbürger. Die Reichen haben ihr Geld ins Ausland gebracht, die fehlenden Einlagen der griechischen Banken wurden durch die EZB und europäische Zentralbanken ersetzt. Die Schulden in Griechenland wachsen, die Wirtschaft schmiert ab, Mittelschicht und kleine Leute werden finanziell fast abgewürgt.

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Was ist eigentlich aus den drei Kindern von Franz Josef Strauß und seiner Frau Marianne, Max Josef, Franz Georg und Monika geworden? Um Max und Monika ranken sich einige Affären.

Und dann wird vielleicht auch noch die Drachme eingeführt . . .

. . . dann verlieren Mittel- und Unterschicht nochmals massiv an Vermögen und Erspartem, der Grieche bekommt eine drittklassige Währung und die Auslandsgläubiger erhalten Drachmen statt Euro. Sie bezahlen damit das ganze Desaster in der Höhe von Hunderten von Milliarden Euro, was zum allergrößten Teil zu Lasten der Staatskasse geht. Wenn man versuchen sollte, die Auslandsforderungen weiter auf Euro lauten zu lassen, bricht das griechische Bankwesen sofort zusammen, was zum selben Abschreibungsbedarf der Ausländer führt. Ein paar Jahre nach einer Währungsumstellung  investieren die Griechen mit Auslandsvermögen wieder in Griechenland, wenn es schön billig ist. Das ist eine massive Umverteilung von unten nach oben, von den weniger Vermögenden an die Reichen und Steuerhinterzieher.

Kommentare (68)

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Account gelöscht!

06.01.2012, 08:34 Uhr

Sehr gut! Einer mit objektivem Blick

Pro-D

06.01.2012, 08:39 Uhr

Sehr gut

fast wie in der demokratischen Republik Nordkorea und den USA.

Auch da herrschen die Familien-Clans.

Shadhajuuhpioky

06.01.2012, 08:52 Uhr

Der Mensch ist ein Wesen, das in einer Zelle beginnt und normalerweise auch in einer enden würde, wenn der Gerechtigkeit wirklich genüge geschähe.

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