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30.01.2015

07:46 Uhr

Maybrit Illner in der TV-Kritik

„Hähnchenkampf“ statt Debatte

VonChristian Bartels

EU-Kommissar Oettinger, Linken-Fraktionschef Gysi und Euro-Kritiker Schäffler plaudern bei Illner munter über die griechische Regierung – am liebsten gleichzeitig. Erst beim Thema EZB-Geldpolitik wird es kontrovers.

Alexis Tsipras ist das Thema bei Maybrit Illner, doch dann geht es um die EZB.

Maybrit Illner und ihre Gäste talken zu Griechenland

Alexis Tsipras ist das Thema bei Maybrit Illner, doch dann geht es um die EZB.

Normalerweise gastieren einflussreiche Politiker am liebsten bei Günther Jauch, der in seiner Sonntags-Talkshow im Anschluss an den „Tatort“ die höchsten Einschaltquoten hat. Günther Oettinger, der deutsche EU-Kommissar, war am Donnerstag bei Maybrit Illner zu Gast. Dass es in der Sendung weder um sein aktuelles Ressort ging, die digitale Wirtschaft, noch um sein vorheriges, die Energie, verdross ihn nicht. Oettinger vertrat zum Sendungs-Thema „Aufstand in Athen – scheitert Merkel, scheitert der Euro?“, wacker die schwierige CDU-/ Merkel-Position.

Am Anfang war der neue griechische Ministerpräsident im Hintergrund überlebensgroß jubelnd eingeblendet. Und im Vordergrund rätselten Gäste einer deutschen Talkshow, was genau Alexis Tsipras plant und ob er nach der schnellen Regierungsbildung (zumal im Vergleich mit der der amtierenden deutschen) alle Wahlkampf-Ankündigungen in die Tat umsetzen will. Was man Illners Redaktion lassen muss: Dazu vertraten die eingeladenen Gäste konträre Ansichten.

Die Hilfsprogramme für Griechenland

Zwei Hilfspakete

Um eine Staatspleite abzuwenden, unterstützen die internationalen Geldgeber Griechenland seit Mai 2010. Dabei helfen die EU und der Internationale Währungsfonds (IWF) mit zwei Hilfspaketen von zusammen rund 240 Milliarden Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) überwacht gemeinsam mit IWF und EU die Hilfen.

Das erste Hilfsprogramm

Beim ersten Hilfsprogramm erhielt Athen Kredite direkt von den Euro-Partnern. 73 Milliarden Euro sind ausgezahlt worden, der deutsche Anteil liegt bei 15,17 Milliarden Euro.

Schuldenschnitt

Außerdem gab es einen Schuldenschnitt: Dabei mussten Griechenlands private Gläubiger mehr als die Hälfte ihrer Forderungen abschreiben. Dieser Schritt vom März 2012 verringerte den Schuldenberg Griechenlands auf einen Schlag um 100 Milliarden Euro.

Das zweite Hilfsprogramm

Aus dem zweiten Hilfsprogramm sind bislang rund 153 Milliarden Euro nach Griechenland geflossen. Sie kommen aus dem gemeinsamen Euro-Rettungsschirm EFSF und vom IWF.

Gregor Gysi, Bundestags-Fraktionsvorsitzender der Linken, durfte am Anfang ausmalen, was er täte, falls er Bundeskanzler werden würde, und äußerte anschließend erwartungsgemäß viel Verständnis für den linken Griechen. Schließlich sei Griechenlands Wirtschaft um ein Viertel zurückgegangen.

Nein, Griechenlands Wirtschaft würde wächst. Bloß würde die Gesundung etwa zehn Jahre dauern, hielt Oettinger dagegen. Die beiden, nebeneinander platziert, ergänzten sich mit häufig gegensätzlichen Gesichtsausdrücken gut. Ihnen gegenüber saß mit Frank Schäffler ein Vertreter der in Talkshows selten gewordenen Spezies FDP-Mitglied. Der „Euro-Rebell“ glaubte, bei seinem Konfrontationskurs mit der EU habe Tsipras gute Chancen. Schließlich habe die EU nicht einmal das kleine Zypern aus dem Euro „rauslassen“ wollen. Dabei sei ein „Grexit“ durchaus vorstellbar, denn „der Euro ist eine ökonomische Größe, mehr nicht“.

Zwei Expertinnen umrahmten Schäffler im Studio. Silvia Wadhwa, früher für das Handelsblatt und den Sender CNBC aktive Wirtschaftsjournalistin tätig, hielt einen Kompromiss für möglich: „Der reine Sparkurs ist auch in Brüssel ideologisch gescheitert.“

Kommentare (14)

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Herr Daniel Huber

30.01.2015, 08:28 Uhr

Es war erschreckend zu sehen, wie blauäugig und völlig ahnungslos Öttinger argumentierte! Gut fand ich auch, dass das Publikum nicht ständig applaudierte, wodurch erstmals die Politiker ein Gefühl dafür bekamen, was wirklich “im Volk“. Als dann noch Schäffler erwähnte, dass die deustche Renten und Spareinlagen für die Rettung des Euros entwertet und vernichtet werden, da herrschte erstmals sowas wie Panik- und Angststimmung in den Publikumsgesichtern. Ich glaube so langsam begreift auch der dümste Deutsche, was hier für ein mieses Spiel auf seine Kosten gespielt wird. Der Euro ist nicht alternativlos, genausowenig wie die EU alternativlos ist. Die Politik hat jegliche Kontrolle über die Eurokrise verloren, Öttinger war dafür ein gutes Beispiel. Aussitzen geht diesmal nicht mehr. Sollte wirklichein Schuldenschmitt oder dergleichen kommen, stehen wir vor Neuwahlen in D. Ich kann einfach nicht glauben, dass die Deutschen dann nicht auf die Barrikaden gehen werden! Auch die BLÖD-Zeitung hält immer noch still. Keine Abstimmung zu Griechenland. [...]

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich. 

Herr Günther Schemutat

30.01.2015, 08:30 Uhr

Als erstes muss man festellen , auch zu Jauch kommen immer weniger Schwergewichte. Zu unbeliebt sind Deutsche Politiker im Moment und
darum sieht man immer öfter Bosbach der als einziger Politiker glaubwürdig ist. Bei Illner konnte man nach 30 Minuten abschalten und kann sich die Wiederholung am Wochenende um 16:00 Uhr ansehen. Zu langweilig und meist kommt auch nichts dabei raus. Das mit den zwei Autos die auf einander zurasen ist ja Deutsche Politik wie man mit Russland sieht, warum nicht auch mit Griechenland.

Das die Griechen nicht so gerne privatisieren wollen , liegt doch auf der Hand. In wenigen Monaten wäre Griechnland Deutsch/Türkisch und
die Steuern daraus, gehen nach Junkers zu seinen Briefkästenfirmen in Luxenburg.

Herr Daniel Huber

30.01.2015, 08:53 Uhr

Sorry für die Tippfehler, habe den obigen Text noch eben schnell über's Handy eingetippt.
Hier heute im HB die Bestätigung von Schäfflers Aussage bei Illner zwecks LV und Spareinlagen:
http://www.handelsblatt.com/finanzen/vorsorge/altersvorsorge-sparen/lebensversicherung-und-altersvorsorge-schwere-vorwuerfe-gegen-die-lebensversicherer/11297574.html

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