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04.07.2014

07:33 Uhr

Maybrit Illner zum Mindestlohn

Von Käse, Löchern und der riesengroßen Koalition

VonChristian Bartels

Heftig umkämpft, immer noch umstritten, doch bei Maybrit Illner herrschte eitel Sonnenschein zum Mindestlohn: In der Talkshow wurde eindrucksvoll deutlich, wie groß die Große Koalition in Deutschland tatsächlich ist.

„Die einen ärgern sich über die Löcher, die anderen über den Käse": Pointierter als das Statement von Maybrit Illner wurde es nicht in der Talkrunde. Carmen SauerbreiZDF/Carmen Sauerbrei

„Die einen ärgern sich über die Löcher, die anderen über den Käse": Pointierter als das Statement von Maybrit Illner wurde es nicht in der Talkrunde.

In „Die besten Frauen Deutschlands“, der besonders unsäglichen Johannes B. Kerner-Show am Donnerstagabend um 20.15 Uhr im ZDF, landete Maybrit Illner nur auf Platz 32 – weit hinter ihrer Konkurrentin Anne Will (und bei den „besten Männern" war ARD-Talker Günther Jauch am Mittwoch sogar vierter geworden).

In ihrer Talkshow gut zwei Stunden später zeigte sich Illner dennoch fröhlich und brachte den Diskussionsstand zum Mindestlohn, der am selben Tag im Bundestag beschlossen worden war, so auf den Punkt: „Die einen ärgern sich über die Löcher", also die Ausnahmen im Mindestlohn-Gesetz, „die anderen über den Käse", den das Gesetz in ihren Augen an sich darstelle. Eine pointierte Zusammenfassung, der ihre Diskussionsrunde in der folgenden Stunde allerdings nur sehr bedingt folgte.

Richtig ärgern wollte sich niemand. Die Runde bestand aus einem Vertreter der Unionsparteien und einem der SPD, dem Gewerkschaftsbund-Vorsitzenden und dem Arbeitgeber-Präsidenten, und zeigte sich über weite Strecken ausgesprochen einig. Es ging darum, die Diskussion vom Kopf auf die Füße stellen", wie der neue DGB-Chef Reiner Hoffmann sehr gerne sagt, ohne dabei aber „das Kind mit dem Bade auszuschütten", wie der auch noch recht neue BDA-Präsident Ingo Kramer sagte.

Alle waren sich einig, dass Arbeitnehmer von ihrer Arbeit leben können sollten, und daher der Mindestlohn an sich eine gute Sache, oder wie es der SPD-Fraktionsvorsitzende Thomas Oppermann formulierte, eine „historische Zäsur in der Entwicklung unserer sozialen Marktwirtschaft" sei.

Bloß gebe es „nicht unberechtigte Sorgen", ob die Preise am Markt tatsächlich allen betroffenen Berufsgruppen in allen Regionen den Mindestlohn ermöglichen könnten, betonte Kramer mehrfach: Nur „für diejenigen, die im System drin bleiben", sei der Mindestlohn ein Vorteil, es könne aber sein, „dass der eine oder andere nicht mitgenommen wird". Darin, dass nun die Entwicklung beobachtet und gegebenenfalls differenziert werden müsste, herrschte wiederum relative Einigkeit.

Um das mögliche Dilemma zu personifizieren, hatte Illner eine Berliner Friseurin und einen Rostocker Gastwirt eingeladen - eigentlich eine gute Idee, die allerdings das unmittelbar zuvor gesendete "heute-journal" in nahezu identischer Konstellation auch schon verwendet hatte.

Kommentare (1)

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Herr Tim Glaubitz

04.07.2014, 11:46 Uhr

Ich empfand das gestern als eine der langweiligsten Talkshows (obwohl auch WM Talkshow oder Einbrecher in letzter Zeit extrem schlimm waren)
Aber auch wie Frau Illner hier jedem Gast die selbe Frage gestellt hat bis sie genau die von ihr gewünschte Anwort bekam war extrem schwach
Stattdessen ist der Konflikt, gerade im Grenzgebiet der entstehen könnte nicht eingegangen
Und bei den Ausnahmen hat sie doch tatsächlich gefragt ob jetzt nur noch 17 jährige eingestellt werden
Was soll der Wirt denn da antworten ?

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