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26.06.2013

16:34 Uhr

Meck-Pomm

Ölreserven vor Merkels Tür sorgen für Knatsch

Der Wahlbezirk von Kanzlerin Angela Merkel sitzt auf Ölvorkommen. Einst war das Öl streng geheim - nun versprechen Probebohrungen einem der ärmsten Bundesländer einen warmen Regen von 13,5 Milliarden Euro.

Deutschland importierte 2012 Öl im Wert von fast 60 Milliarden Euro, so Daten des Statistischen Bundesamts. dpa

Deutschland importierte 2012 Öl im Wert von fast 60 Milliarden Euro, so Daten des Statistischen Bundesamts.

FrankfurtCentral European Petroleum GmbH (CEP), ein deutsch-kanadisches Gemeinschaftsunternehmen, verfügt über acht Lizenzen für die Öl-Erkundung in einem Gebiet von mehr als 14.000 Quadratkilometern in Mecklenburg-Vorpommern, wo sich Merkels Wahlbezirk befindet, und in Brandenburg, wo die Kanzlerin ein Wochenendhaus besitzt. Goldman Sachs Group Inc. gehört zu den Investoren, die das Projekt unterstützen.

„Wir haben vier Probebohrungen gemacht und bei allen Öl gefunden“, sagte CEP-Geschäftsführer Thomas Schröter am 10. Juni bei einem Interview in Berlin. „Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass Teile von Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg auf Öl schwimmen.“

Die Aussicht auf einen Ölrausch in Merkels Heimatregion rührt an dem Konflikt zwischen der von der Kanzlerin propagierten Energiewende und Klagen der Industrie, dass die Kosten für erneuerbare Energien in Zeiten billigen Schieferöls aus den USA ihre Wettbewerbsfähigkeit verschlechtern. Deutschland importierte 2012 Öl im Wert von fast 60 Milliarden Euro, so Daten des Statistischen Bundesamts.

Auch wenn das Öl Deutschland nicht zu einem zweiten Saudi-Arabien machen dürfte, bedeutet das Best-Case-Szenario von CEP von jährlich rund 500 Millionen Euro für Mecklenburg-Vorpommern Einnahmen von etwa sieben Prozent des Landeshaushalts.

Mit Blick auf die Bundestagswahlen am 22. September heben CDU-Politiker die Beschäftigungseffekte für die Region hervor, die die zweithöchste Arbeitslosenquote und das niedrigste Pro-Kopf-Einkommen in Deutschland hat. Umweltschützer reagieren dagegen ablehnend auf die Ölförderpläne und verweisen auf die Gefahren für die Tourismusbranche an der Ostseeküste.

„Manche Leute in der Regierung sorgen sich, dass das Öl Mecklenburg-Vorpommerns Tourismus-Image beschädigen könnte, dabei sind wir ein Land mit zu vielen niedrigbezahlten Jobs im Tourismus“, sagt Benno Rüster, CDU-Bürgermeister von Grimmen, das rund 20 Kilometer von der Küste entfernt liegt. „Sehen Sie, wir werden hier keine Mercedes-Fabrik bekommen. Wir brauchen Öl.“

Die Energiewende ist eines der größten Wagnisse der Kanzlerin während ihrer inzwischen acht Jahre im Amt. Nun, da sie zum dritten Mal antreten will, werfen ihr politische Gegner und Branchenverbände vor, die Wende zu verpfuschen und die Stromkosten für Privathaushalte hochzutreiben. Die Strompreise für Verbraucher in Deutschland sind laut Eurostat die dritthöchsten in der EU, übertroffen nur von denen in Dänemark und Zypern.

Kommentare (24)

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Account gelöscht!

26.06.2013, 16:52 Uhr

FRACKING - EINE KONVENTIONELLE ÖL-FÖRDERMETHODE?

Es ist schon gut, dass im Artikel das Wort "Schieferöl" fällt. Sonst käme man nicht auf die Idee, dass es sich um das die Umwelt bedrohende Verfahren der Trinkwasserverseuchung durch Fracking geht.
Aber vielleicht klärt Fr. Merkel ihre Heimat mal auf, was es heißt, den Wasserhahn aufzudrehen, um anschließend mittels explosiver Verpuffung keine Haare mehr auf dem Kopf zu haben. - Und dies auf ewig und immer.
SIE IST DOCH PHYSIKERIN UND KANNS ERKLÄREN.

Observer

26.06.2013, 16:54 Uhr

"Kanzlerin ein Wochenendhaus besitzt. Goldman Sachs Group Inc. gehört zu den Investoren....."
Ach so, verstehe!

vandale

26.06.2013, 16:57 Uhr

Eine Oelförderung gibt es in Niedersachsen und Schleswig Holstein seit über 100 bzw. 80 Jahren. Gefrackt wird in Niedersachsen seit Jahrzehnten. Das hat dem Tourismus nicht geschadet.

Allerdings wird die Oekoreligion immer aggressiver. Nachdem man sich zunächst auf wirklich neue und revolutionäre Techniken wie die umweltfreundliche Kernenergie und Gentechnik konzentriert hat soll jetzt das ganze Leben diesem destruktiven Aberglaube untergeordnet werden.

So richtet man die Propagandamaschine auf das Erdgas Fracking und kreiert entsprechende Horrorszenarien mit "verseuchtem Wasser", "brennenden Wasserhähnen". Je primitiver die Parolen desto eingängiger. Da Erdoel und Erdgasförderung ähnlich sind, liegt es nahe die Propaganda auf die Erdölförderung auszudehnen.

Die Klimakanzlerin verhält sich absolut opportunistisch und wird sich kaum für eine Oelförderung in der Heimat engagieren.

Vandale

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