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13.01.2012

02:37 Uhr

Medien

Zeitungen legen Fragen und Antworten zur Wulff-Affäre offen

Wieder eine neue Entwicklung in der Kredit- und Medienaffäre von Bundespräsident Christian Wulff. Einige Zeitungen veröffentlichen nun selbst ihren Fragenkatalog an das Staatsoberhaupt und die Antworten.

Bundespräsident Christian Wulff. dpa

Bundespräsident Christian Wulff.

BerlinIm Streit um die Offenlegung von Medienanfragen an den in der Kritik stehenden Bundespräsidenten Christian Wulff sind erste Zeitungen mit umfangreichen Veröffentlichungen vorgeprescht. Die Springer-Blätter „Die Welt“ und „Welt am Sonntag“ stellten am Donnerstagabend ihren umfangreichen Fragenkatalog sowie die Antworten von Wulffs Anwälten und der BW-Bank, die Wulff bei seiner umstrittenen Hausfinanzierung half, in das Internet.

In einer Erklärung hieß es, die Zeitungen machten von ihrem Recht am eigenen Wort Gebrauch. Wulff steht wegen eines Privatkredits für sein Eigenheim, kostenloser Urlaube bei Freunden aus der Wirtschaft und seines Umgangs mit den Medien seit einem Monat in der Kritik. Zuletzt konzentrierten sich die Vorwürfe darauf, dass Wulff vor gut einer Woche in seinem Fernsehinterview Transparenz angekündigt und gesagt hatte: „Morgen früh werden meine Anwälte alles ins Internet einstellen. Dann kann jede Bürgerin, jeder Bürger jedes Detail zu diesen Abläufen sehen und bewertet sehen, auch rechtlich.“

Wulffs Anwalt Gernot Lehr hatte die Veröffentlichung aller Informationen aber abgelehnt. Eine Offenlegung der Antworten auf die Anfragen von Journalisten verletze deren Recht am eigenen Wort und am Schutz ihrer Rechercheergebnisse oder -ziele, hatte der Jurist argumentiert. Der Kölner Medienrechtsprofessor Rolf Schwartmann teilte in einem dpa-Gespräch diese Auffassung.

Die nun auf „Welt Online“ veröffentlichte umfangreiche Abhandlung enthält weitgehend bekannte Angaben über das Zustandekommen von Wulffs Privatkredit bei Edith Geerkens. Wulff hatte 2008, als er noch Ministerpräsident war, bei der befreundeten Unternehmergattin 500 000 Euro geliehen und den Privatkredit später mit Hilfe der BW-Bank abgelöst. Auf die Frage, was der Präsident über die Herkunft des Geldes von Geerkens wisse, antworte Anwalt Lehr der „Welt“ zufolge: „Herr Wulff wusste, dass Frau Edith Geerkens vermögend ist.“

Vier goldene Regeln im Umgang mit Affären

Rasch reagieren

„Man muss schnell reagieren, um handlungsfähig zu bleiben. Eine Salamitaktik, das scheibchenweise Einräumen von Fehlern, hat noch nie funktioniert", sagt Bernhard Pörksen, Professor für Medienwissenschaft an der Universität Tübingen. Er forscht zu Medienskandalen und Medienethik.

Medienwandel begreifen

Der Professor sagt auch: „Die Salamitaktik funktioniert ganz besonders schlecht unter den gegenwärtigen Bedingungen digitaler Kommunikation, denn bei einem möglichen, eventuell dann wieder fehlerhaften Teilgeständnis ist der Gegenbeweis blitzschnell sichtbar.“

Maximale Transparenz

Ein weiterer Tipp des Experten: „Man muss die Vorfälle schonungslos aufklären und dann mit einer möglichst ernsten, überzeugenden Geste um Verzeihung bitten.“

Image und Inhalt

Ebenfalls sei die Übereinstimmung von Institution und Inhalt laut dem Medienexperten Pörksen sehr wichtig: „Die Art und Weise des Skandalmanagements darf dem eigenen Image und vor allem dem Repräsentationskorsett des Amts, das man ausübt, nicht widersprechen."

Viele Fragen und Antworten drehen sich auch um die Ablösung des Privatdarlehens durch „ein rollierendes Geldmarktdarlehen“ bei der BW-Bank 2010 zu günstigeren Zinsen sowie die Umwandlung in ein langfristiges Darlehen Ende 2011. Wulffs Anwälte wie auch die Bank widersprachen Vorhaltungen, bei den Finanzgeschäften sei Wulff in den Genuss außergewöhnlicher günstiger Konditionen gekommen. Auch diese Details wurden bereits in Medien erörtert.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und andere Koalitionsspitzen hatten dem Bundespräsidenten in der Kredit- und Medienaffäre am Donnerstag den Rücken gestärkt. Der Druck auf Wulff, alle Details offenzulegen, nahm jedoch weiter zu. Mehrere Zeitungen entbanden Wulffs Anwalt von der Pflicht, ihre Rechercheergebnisse zu schützen - Fragen und Antworten zur Affäre könnten nun von ihm veröffentlicht werden.

Kommentare (7)

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heinerkrug

13.01.2012, 08:39 Uhr

Der BP hat leider eine ziemliche Politiker-Mittelmäßigkeit mit flacher Juristen-Mentalität und mangelndem persönlichen Format sichtbar gemacht, womit er aber nur in seiner Rolle als BP besonders auffällt. Aber die gottähnliche Selbstinszenierung und Aufführung vieler Medien (TV und Print) und deren aufgeblasene (vor allem TV-)Sprecherinnen und -Sprecher (mit Schwerpunkt bei den linken und notorischen SPD-Propaganda-Organen und -Taktschlägern, auch wenn sich SPD und GRÜNE selbst bisher erstaunlich zurückhielten) ist, wie auch bei anderen "antikonservativen" Themen (Beispiel Sarrazin und vor allem in der Causa Deutsche Kernenergie) unerträglich. Beschämend und entlarvend für die deutschen selbsternannten Demokratiehüter und Gehirnwäscher ist, dass in der Causa Schröder (Kanzlerschaft, Putin und GAZPROM) die "400 Fragen" noch immer nicht gestellt wurden. Woran das wohl liegt? Natürlich erweisen sich auch damit die entsprechenden Medien als genau das, was sie sind: Instrumente der antidemokratischen einseitigen Manipulation und Hetze gegenüber der wehrlosen (GEZ-Gebühren!) deutschen Bevölkerung, die das eigentliche Dauer-Opfer ist. Mancher totalitäre Staat der Vergangenheit hätte sich von und zu geschrieben, wenn er solche rund-um-die Uhr und bis in die letzten Ecken deutscher Stuben und Köpfe wirksame Manipulations-Instrumente gehabt hätte. Damit sollte sich der DJV einmal befassen.

Heiner Krug

PS.: Dennoch gibt es sie, die hervorragenden und verantwortungsvollen Journalistinnen und Journalisten, außerhalb des Mainstreams, die eine großartige und in vieler Hinsicht oftmals auch für sie selbst gefährliche Arbeit leisten.

Account gelöscht!

13.01.2012, 09:47 Uhr

Zum Thema „umfangreiche Veröffentlichungen“

Im Online-Leserforum der ZEIT hat eine Userin ein mysteriöses Engagement für Wulff entwickelt hat. Allein zum Artikel „Die Lehre aus der Wulff-Affäre“ liegen 64 Kommentare von ihr vor. Gleichzeitig postet diese Dame auch in der FAZ, wo sich die Zahl ihrer vehement vorgetragenen Beiträge mittlerweile auf 204 beläuft. Zudem ergibt sich aus den Uhrzeiten der eingestellten Beiträge, daß Lena - so der Name der Userin - offenbar rund um die Uhr arbeitet. Ein Leser der SZ will obendrein auch Beiträge auf „Welt Mobil“ und bei GMX von ihr festgestellt haben. Unter folgendem Link finden Sie zahlreiche detaillierte Kommentare zu diesem Fall.

http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/-idiot-pfeife-luegner-/v_detail_tab_comments,6050862.html?pageNumber=3&commentSort=debate&ajaxelementid=%23hcf-add-comment-id&commentSort=debate

Account gelöscht!

13.01.2012, 10:29 Uhr

Auch die Presse, insbesondere der Axel Springer Verlag, könnte sich durch diese Schlammschlacht Schaden zufügen.

Denn, wenn am Ende nichts vernünftiges dabei rauskommt, fragt sich der Bürger (bzw. das Medienopfer gem. Kommentar heinerkrug), was das denn nun war. Die ganze Sache dauert schon über einen Monat.

Dennoch: Amtsmissbrauch und Korruption müssen kompromisslos bekämpft werden. Hier spielt der Journalismus eine entscheidene Rolle.

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