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15.12.2012

03:23 Uhr

Medienbericht

Aigner hat einen Anlageplan

Bestes Produkt oder beste Provision? Bankberater verkaufen ihren Kunden zu oft, was diese gar nicht wollen, findet Verbraucherschutzministerin Aigner. Mit einem neuen Gesetz will sie ihnen Konkurrenz schicken.

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisiert die Vertriebspolitik der Banken. dapd

Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) kritisiert die Vertriebspolitik der Banken.

MünchenBundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Vertriebspolitik von Banken kritisiert. "Es kommt noch immer vor, dass Banken und Sparkassen den Kunden nicht das Produkt verkaufen, das für sie am besten geeignet ist, sondern das, bei dem sie am meisten Provisionen kassieren", sagte Aigner der "Süddeutschen Zeitung".

Das liege allerdings nicht an den Mitarbeitern am Schalter, sondern an den Führungskräften in den Chefetagen. "Die machen von oben Druck", sagte Aigner.

Umsatzvorgaben würden "auf jeden einzelnen Mitarbeiter runtergerechnet", um ihnen zu "zeigen, wie viele Produkte er verkaufen muss", sagte Aigner. Das führe oft dazu, "dass den Kunden etwas angedreht wird, was sie gar nicht wollen".

Der Kampf um die Provisionen

Worüber streiten Vermittler und Verbraucherschützer?

Die Vergütung von Beratung steht im Fokus, da vermutet wird, dass die derzeit gängige Provisionsvergütung Interessenskonflikte und Fehlanreize auslöst. Dies wiederum kann für ungeeignete Produkte, überflüssige Umschichtung und eine suboptimale Diversifizierung in den Portfolien von Kleinanlegern sorgen.
Quelle: Deutsche Bank Research

Wie fließen Provisionen?

Bei der Provisionsvergütung zahlt der Anleger im Wesentlichen zwei Arten von Entgelten: einen einmaligen Ausgabeaufschlag und jährlich wiederkehrende Gebühren (Bestands-, Verwaltungs- oder Managementprovisionen). Den Ausgabeaufschlag erhält der Berater für seine Vertriebsleistung, die jährlich wiederkehrende Gebühr teilen sich der Produktanbieter und der Berater (bzw. dessen Arbeitgeber). Beide Entgelte fließen nur, wenn der Anleger sich entscheidet, der Anlageberatung zu folgen und das Produkt tatsächlich zu kaufen.

Was tun Honorarberater?

Honorarvergütung basiert entweder auf dem investierten Volumen (Prozentsatz p.a.), einer Gewinnbeteiligung, einem Festpreis oder einer Kombination dieser drei Varianten. Bei einer fixen Entlohnung auf Stundenbasis könnte ein Interesse des Beraters bestehen, sich mehr Zeit zu nehmen. Bei einer Entlohnung auf Basis des Depotvolumens könnte ein Interesse des Beraters bestehen, relativ mehr Zeit für größere Depotvolumen aufzuwenden als für kleinere.

Wie verbreitet sind Provisionen?

Provisionsvergütung ist nach wie vor die am weitesten verbreitete Vergütungsform von Beratung. Sie basiert auf Anzahl/Volumen der Produktverkäufe und ist unterschiedlich je nach Produkt und Anbieter. 46 Prozent der Anleger vermuten daher, dass der Berater seine eigenen Interessen (also die Provisionen) zumindest mit berücksichtigt.

Welches Problem kann ein Provisionsverbot lösen?

Ein Verbot der Annahme von Provisionen kann eine von mehreren Formen der Falschberatung lösen. Diese Form der Falschberatung besteht darin, dass die Bestands- oder Abschlussprovision, die der Berater vom Produktanbieter erhält, den entscheidenden Ausschlag für eine Produktempfehlung gibt. Bestands- und Abschlussprovisionen unterscheiden sich je nach Produkt und auch nach Anbieter.

Das Kabinett werde am kommenden Mittwoch ein Gesetz beschließen, in dem "erstmals das Berufsbild eines unabhängigen Honorarberaters" geregelt werde, kündigte Aigner an. "Dieser erhält keine Provision, sondern einen Lohn für seine Beratung oder Vermittlung."

Anlegerschutz: Koalition will Honorarberater an die Leine nehmen

Anlegerschutz

Koalition will Honorarberater an die Leine nehmen

Finanzberater, die auf Honorarbasis arbeiten, sollen gesetzlich kontrolliert werden. Das soll die Qualität der Anlageberatung verbessern. Kritikern geht der Entwurf der schwarz-gelben Koalition aber nicht weit genug.

Verbraucherschützer rechnen dem Bericht zufolge damit, dass Honorarberater etwa 150 Euro die Stunde verlangen werden.

Von

afp

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

15.12.2012, 06:25 Uhr

Ich glaube, die Gute hat den Markt nicht verstanden.

Wessen Lohn ich bekomme, dessen Produkt ich verkaufe.
Für das Eine darf ich so viel, für das Andere soundso viel abrechnen.

hg67

15.12.2012, 08:16 Uhr

Liebes Handelsblatt: berichtet doch mal bitte über das neue Versicherungsgesetz, welches Kunden gerade bei LV´s doch in Zukunft immens benachteiligt.

@@@

15.12.2012, 08:18 Uhr

Typisch CSU.

Blinder Aktionismus, der niemandem hilft. Wenn man sonst wenig vorzuweisen hat, dann kommt so etwas dabei heraus. Aber Hauptsache wir bekommen wieder ein neues Gesetz.

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