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25.01.2013

07:35 Uhr

Medienbericht

Berlin will schnell Kampfdrohnen anschaffen

Mehr Sicherheit durch Abschreckung: Die Bundesregierung will für künftige Auslandseinsätze zügig Kampfdrohnen anschaffen. Doch die Waffensysteme sind umstritten.

Kampfdrohnen will die Bundesregierung schnellstmöglich anschaffen. dpa

Kampfdrohnen will die Bundesregierung schnellstmöglich anschaffen.

BerlinDie Bundesregierung hat sich erstmals klar für die zügige Anschaffung bewaffneter Drohnen ausgesprochen und ist damit entsprechenden Forderungen aus der Bundeswehr nachgekommen. Aus den Auslandseinsätzen der Bundeswehr werde deutlich, dass bewaffnete Aufklärung "als Schutz bei plötzlich auftretenden gravierenden Lageänderungen unbedingt erforderlich ist", heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine kleine Anfrage der Linksfraktion, aus der "Spiegel Online" am Freitag zitiert.

Im Gegensatz zu unbewaffneten Drohnen könnten scharfe Flugroboter erkannte Ziele "reaktionsschnell, präzise und skalierbar bekämpfen", heißt es. "Außerdem werden durch die Fähigkeit gegnerische Kräfte einer ständigen und für sie nicht prognostizierbaren Bedrohung ausgesetzt und in ihrem Handlungsspielraum eingeengt." Die Bewaffnung könne einen Sicherheitsgewinn durch "glaubhafte Abschreckung" bringen. Als mögliches Modell nennt die Bundesregierung demnach auch die "Predator"-Drohne, die vor allem von den USA eingesetzt wird.

Die Waffensysteme sind umstritten, weil sie zum Beispiel von den USA in Afghanistan, Pakistan und im Jemen zur Tötung mutmaßlicher Rebellen genutzt werden. Immer wieder werden bei diesen Einsätzen auch unbeteiligte Zivilisten getötet.

Kommentare (25)

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Torsten_Steinberg

25.01.2013, 09:19 Uhr

Seit die Amerikaner ihren Rachefeldzug für 9/11 gestartet haben, sind durch Drohnenangriffe mehr unschuldige und unbeteiligte Zivilisten, sozusagen aus heiterem Himmel, ums Leben gekommen als beim Anschlag auf die Zwillingstürme des World Trade Center. Dieser vielfache Kollateralschaden, der Tod dieser armen Menschen, wird nicht dadurch leichter erträglich und entschuldbar, weil er weitgehend ohne Zeugen und unbeachtet in fernen Weiten, die nur von einsamen Drohnen durchstreift werden, grausame Wirklichkeit wird. Es werden nicht nur "gegnerische Kräfte einer ständigen und für sie nicht prognostizierbaren Bedrohung ausgesetzt", sondern jeder, der in so einem Terrain lebt. So macht man sich Freunde!

Gerade eine Bundesregierung, die zu feige ist (vielleicht aus guten Grund, nur dass der geheim gehalten wird!) eine deutsche Beteiligung auch an solchen Kampfeinsätzen im Ausland zu verweigern, die von ihr selbst als legitim und wichtig anerkannt sind (Beispiel Mali), sollte wenigstens so klug und in Denken und Handeln konsquent genug sein, die Anschaffung von Kampfdrohnen rigoros ohne ohne weitere Diskussion über das Thema zuzulassen, abzulehnen!!!!

Was Syrien betrifft, verharrt die Medienöffentlichkeit ja auch nach 2 Jahren Bürgerkrieg in der armseligen Lage, dass alle Nachrichten von dort als "nicht nachprüfbar" ausgewiesen werden. Was heißt das anderes als "Grimms Märchenstunde" auf allen Nachrichtenkanälen? Wie soll erst eine Zukunft aussehen, in der allein Drohnen kalt, skrupellos ohne jegliche Emotion das Geschäft des Tötens erledigen? Und was soll dann die künstliche Aufregung über einen Prinzen Harry, den sein durch Erfahrung an Spielekonsolen geschulter, flinker Daumen gerade auf einen neuen Level katapultiert hat? Sieht doch gerade so aus, als würde die Bundeswehr genau das anstreben.

Hagbard_Celine

25.01.2013, 10:12 Uhr

Die Dronen dienen in erster Linie dazu die Hemmschwelle für Militäreinsätze zu reduzieren indem Verluste bei den eigenen Truppen und der eigenen Bevölkerung als Folgen des Militärkonflikts zunächst ausgeschlossen werden.

Allerdings muss man damit rechnen das der Gegner mit einem assymetrischen Gegenschlag antwortet, z.B. durch Angriffe auf die Zivilbevölkerung und Infrastruktur des angreifenden Landes (Fachjargon "Terroranschlag").

Insofern ist der militärische und politische Nutzen dieser Waffen äusserst fraglich.

beobachter

25.01.2013, 10:18 Uhr

die beschaffung von Kampfdrohnen ist doch nur ein teilsapekt, es geht doch vielmehr darum, die gesamte Armee zu "roboterisieren", und das bedeutet zugleich ein umsteuern bei der rüstungsplanung und beschaffung, weg von großen waffensystemen, die in manufakturen gefertigt werden und von denen einige in einstelliger höhe der truppe pro jahr zulaufen, zu kleineren systemen in wohl hoffentlich größerer zahl. es besteht hoffnung, dass es noch in diesem jahrhundert dazu kommt.

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