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12.01.2013

13:57 Uhr

Medienbericht

Bonner Bombe hatte doch keinen Zünder

Zunächst hieß es, die Bombe am Bonner Hauptbahnhof konnte wegen eines Konstruktionsfehlers nicht explodieren, nun soll der Zünder gänzlich gefehlt haben. Das will eine Zeitung aus Sicherheitskreisen erfahren haben.

Mit ähnlichen Gegenständen wurde die am Bonner Hauptbahnhof gefundene Bombe gebaut. Ein Zünder fehlte offenbar. dpa

Mit ähnlichen Gegenständen wurde die am Bonner Hauptbahnhof gefundene Bombe gebaut. Ein Zünder fehlte offenbar.

Frankfurt/BonnDer beim versuchten Bonner Bombenanschlag verwendete Sprengsatz hatte einem Zeitungsbericht zufolge doch keinen Zünder. „Die Bombe war nicht sprengfähig, weil ein Zünder fehlte“, zitiert die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) einen hohen Sicherheitsbeamten. Bisher hatte es geheißen, der Zünder sei wahrscheinlich ausgelöst worden, aber wegen eines Baufehlers nicht explodiert.

Nach einem Bericht der Tageszeitung „Die Welt“ (Samstag) haben die Ermittler auch eine Spur: In der Reisetasche mit dem Sprengsatz sei ein Haar - mutmaßlich vom Bombenleger - gefunden worden. Es stamme von einem hellhäutigen Europäer oder Nordamerikaner. Ob eine DNA-Analyse möglich ist, ist demnach unklar.

Islamistischer Terror in Deutschland - Eine Chronologie

April 2002: Terrorgruppe Al-Tawhid

Der Polizei gehen mutmaßliche Anhänger der Al-Kaida-nahen Terrorgruppe Al-Tawhid ins Netz. Die Männer planten Angriffe auf das jüdische Gemeindezentrum in Berlin und jüdische Gaststätten in Düsseldorf. Sie müssen bis zu acht Jahre hinter Gitter.

März 2003: Terrorpläne gegen amerikanische Einrichtungen

Ein Tunesier wird verhaftet, der angeblich Attentate gegen amerikanische und jüdische Einrichtungen plante. Vor Gericht kann ihm das nicht bewiesen werden. Die Bundesanwaltschaft bleibt jedoch der Ansicht, dass ein Horrorszenario verhindert wurde.

März 2004: Islamistengruppe Ansar al Islam

Mitglieder der kurdisch-irakischen Islamistengruppe Ansar al-Islam planten, den damaligen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi während eines Deutschland-Besuches zu ermorden. Die Polizei hört ihre Telefongespräche ab und nimmt drei Männer fest. 2008 wird der Haupttäter zu zehn Jahren Haft verurteilt.

Juli 2006: Kofferbomber in Köln

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Regionalzügen Kofferbomben gefunden. Wegen Technikfehler explodierten sie nicht. Wenige Wochen später werden die Täter gefasst. Im Dezember 2008 wird der „Kofferbomber von Köln“ zu lebenslanger Haft verurteilt. Auslöser für die Tat waren laut Urteil Mohammed-Karikaturen in Zeitungen.

September 2007: Sauerland-Gruppe

Die islamistische Sauerland-Gruppe wird festgenommen. Vor Gericht müssen sich die vier Mitglieder wegen der Planung von Terroranschlägen auf Diskotheken, Flughäfen und US-Einrichtungen in Deutschland verantworten. 2010 werden sie zu Strafen bis zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt.

März 2011: Angriff auf US-Soldaten

Ein junger Kosovo-Albaner erschießt auf dem Flughafen in Frankfurt (Main) zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer. Er gilt als extremistischer Einzeltäter. Auslöser für seine Tat soll ein Internetvideo gewesen sein, in dem angeblich US-Soldaten ein Haus in Afghanistan plündern und ein Mädchen vergewaltigen.

Die Bombe war am 10. Dezember in einer blauen Sporttasche auf einem Bahnsteig des Bonner Hauptbahnhofs abgestellt worden. Die Bundesanwaltschaft geht von einem versuchten Sprengstoffanschlag einer terroristischen Vereinigung radikal-islamistischer Prägung aus. Sie hatte deshalb die Ermittlungen übernommen.

Medienbericht: Haarfund soll auf Bonner Bombenleger hinweisen

Medienbericht

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Fortschritte in Bonn: In der Tasche mit der Bombe wurde ein Haar des vermutlichen Täters gefunden

Die Bundesanwaltschaft sucht unter anderem nach einem bärtigen Mann, der auf der Videoaufnahme einer Überwachungskamera eines Schnellrestaurants am Hauptbahnhof mit einer solchen Tasche zu sehen ist. Auf einem Fahndungsplakat wird der Mann als Europäer beschrieben. Außerdem wird nach einem dunkelhäutigen Mann gesucht, der zuletzt im Besitz der Tasche gewesen sein soll.

Nach Bombenfund: Behörden suchen weiter nach Verdächtigem

Nach Bombenfund

Behörden suchen weiter nach Verdächtigem

Zwei zuvor festgenommene Verdächtige sind wieder auf freiem Fuß.

Bei der Suche nach den Tatverdächtigen gibt es der „FAS“ zufolge keine Fortschritte. Die Spuren in die Bonner Islamistenszene hätten nicht weitergeführt. Man gehe davon aus, dass die Bundesanwaltschaft den Fall in den kommenden Wochen wieder abgeben werde, schreibt das Blatt unter Berufung auf Sicherheitskreise.

In der blauen Tasche, die ein Tatverdächtiger unter anderem in einem Schnellrestaurant bei sich trug, fanden die Ermittler ein Haar. dapd

In der blauen Tasche, die ein Tatverdächtiger unter anderem in einem Schnellrestaurant bei sich trug, fanden die Ermittler ein Haar.

Bundesanwaltschaft und Bundeskriminalamt wollten sich zu den Berichten nicht äußern. „Zu Einzelheiten der Ermittlungen geben wir keine Auskunft“, sagte ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Beim Bundeskriminalamt hieß es, mittlerweile gebe es 586 Hinweise zu dem versuchten Anschlag.

Von

dpa

Kommentare (9)

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Account gelöscht!

12.01.2013, 14:38 Uhr

Wahrscheinlich hatten die eine Glühlampe in den Sprengstoff gesteckt und geglaubt, damit könne man ihn zünden. Technisch wäre damit ein untauglicher Zünder vorhanden, über den sich Sprengstoffexperten einen Ast ablachen

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12.01.2013, 18:23 Uhr

Hat man es in Deutschland nur noch mit Anfängern zu tun ?
Wie lange braucht man , um zu erkennen das eine "Bombe " in einer Tasche steckte , oder nur "Heimwerker material " ?
Wenn keine gefährlichen zusammengefügte Bestandteile in dieser Tasche waren, sollte es auch Konsequenzen gegen den geben , der von einer Bombe sprach .
Das heißt , auch Polizisten sollte man zur Verantwortung ziehen wenn sie das material von einem Rohrschlosser zur Bombe hoch redeten !!!

Account gelöscht!

12.01.2013, 21:05 Uhr

Wie viele verschiedene Versionen haben wir jetzt eigentlich schon gehört?
Vielleicht hat sich der Verfassungsschutz da einfach nur selbst aufgewertet. Mit kleinem Budget, da für Bonn sogar das Ticket des Verkehrsverbundes ausreicht. Meckenheim-Berlin war wohl zu teuer.

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