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10.05.2011

22:21 Uhr

Medienbericht

Ethikkommission glaubt an Atomausstieg bis 2021

Böses Erwachen für die Energiekonzerne. Die Ethikkommission soll sich für einen deutschen Atomausstieg stark machen. Und einen Zeitplan, bis wann das geschehen könnte, soll es auch schon geben.

Atomkraftgegner fahren in Biblis mit Fahrrädern am Atomkraftwerk (AKW) vorbei. Quelle: dapd

Atomkraftgegner fahren in Biblis mit Fahrrädern am Atomkraftwerk (AKW) vorbei.

FrankfurtDie von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) eingesetzte Ethikkommission zur Atompolitik hält einen vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie in Deutschland nach Medienberichten bis 2021 für möglich. Die bereits vom Netz genommenen acht Atomkraftwerke sollten ausgeschaltet bleiben und der weitere Ausstieg schrittweise vollzogen werden. Das berichten die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und "Spiegel online" unter Berufung auf einen ersten Entwurf für den Abschlussbericht der Kommission. Dieser soll Ende Mai veröffentlicht werden.

Die abgeschalteten sieben ältesten deutschen Reaktoren und das Kraftwerk Krümmel könnten ohne Gefährdung der Versorgungssicherheit vom Stromnetz getrennt bleiben, zitiert die FAZ aus dem Bericht. Demnach sollen "die nach den Maßstäben der Reaktorsicherheit als "sicher" geltenden Anlagen schnellstmöglich in der Reihenfolge ihres verbleibenden Risikos und ihrer Bedeutung im Stromnetz abgeschaltet werden". Das Jahr 2021 sei ein Datum für den endgültigen Ausstieg aus der Kernenergie. Bestenfalls könne das letzte AKW "schon deutlich eher" abgeschaltet werden.

Das Papier wurde "Spiegel online" zufolge von den beiden Kommissionsvorsitzenden - dem früheren Bundesumweltminister Klaus Töpfer und dem Präsidenten der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Matthias Kleiner - verfasst. Der Kernsatz laute: "Die Ethik-Kommission empfiehlt einen vollständigen Ausstieg aus der Kernenergie. Der Ausstieg ist nötig, um Risiken grundsätzlich auszuschließen." Aus der Anhörung der Kommission am 28. April habe sich ergeben, dass 2021 ein machbares Enddatum sei.

Bei den ökonomischen Konsequenzen des Ausstiegs wagten Töpfer und Kleiner keine Prognose, wie stark der Strompreis steigen könnte. Die genannten Szenarien lägen zwischen 0,1 Cent und fünf Cent pro Kilowattstunde, berichtet "Spiegel online". Doch der Ausstieg aus der Kernenergie sei "ein Wachstumstreiber". Die Energiewende biete "enorme technische, ökonomische und gesellschaftliche Chancen für die weitere Profilierung Deutschlands als Exportnation im Hinblick auf nachhaltige Produkte und Dienstleistungen".

Bis zum 28. Mai will die Ethikkommission einen Bericht vorlegen. Dieser soll der Bundesregierung bei ihrer für Juni geplanten Entscheidung darüber helfen, wie viele Atomkraftwerke in Deutschland dauerhaft vom Netz gehen sollen und bis wann der letzte der 17 Meiler abgeschaltet wird. An diesem Wochenende ist eine Klausurtagung des Gremiums geplant.

Kommentare (9)

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leser

10.05.2011, 23:05 Uhr

beruhigend jedenfalls, daß der Töpferkurs überhaupt irgendwas für möglich hält.Normalerweise ist ja alles sowieso überhaupt vollkommen unmöglich.Das Freiheitsgeblubbere geht einem langsam aber sicher auf den Senkel.Noch ein Atomkraftwerk das hochgeht und dann werden wir alle zu Naturschützern.Aber so etwsas geschieht ja schließlich alle 25.000 Jahre - kein Grund zur Sorge also.
So eine Ethik-Kommission ist doch etwas recht Entsorgendes.

ManMussDasMalEthischSehen

10.05.2011, 23:25 Uhr

Plutonium 239 soll eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren haben.
Also 240.000 Jahre bis zum Zerfall.
Man bleibt erstaunt, daß Plutonium 239 nicht schon längst der technologische Prozeß gemacht wurde.
Sollte die Generation, die Plutonium 239 zu Brennstoff gemacht hatte das nicht bald lösen, wäre das eine ziemliche Pleite für jene Generation.
Bislang jedenfalls steht nichts von einer Generation in den Geschichtsbüchern, die 240.000 Jahre, lassen wir mal die paar Monate mehr oder weniger außen vor, vorauszublicken vermochte, um eine ganze Spezies Swimmingpools und einer gesicherten Alterversorgung zu überantworten.

Realist

10.05.2011, 23:25 Uhr

Die Überschrift ist ja sehr aussagekräftig. Das der Ausstieg machbar ist, war schon voher klar. Der Zeitplan ist die Gretchenfrage. Der Ausstieg ist sicher technisch auch bis 2021 möglich, die Frage ist ist zu welchem Preis.
Die Aussagen der Öko-Lobby, dass die erneuerbaren Energien massiv ausgebaut werden können und alle Atomkraftwerke bis 2030 ersetzen kann halte ich für sehr ambitioniert bis Träumerei.

Wenn der Ausstieg vorgezogen wird, also vor dem Ausstiegszeitpunkt der Rot-Grünen Regierung, dann muss man sich auch mit dem Thema neuer Kohle und Gaskraftwerke auseinandersetzen, bzw. diese müssen auch gebaut werden.

Egal wie man es dreht, der Ausstieg aus der Kernenergie kostet Geld und dies geht zu Lasten der Verbraucher. Die Verantwortung für diese Preiserhöhung muss dann die Politik tragen.

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