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18.08.2013

18:26 Uhr

Medienbericht

Millionen Patienten und Ärzte werden ausgespäht

Ein Rechenzentrum der Apotheken verkauft angeblich Daten, die nur unzureichend verschlüsselt sind. Die Krankheiten von Millionen Patienten lassen sich somit zurückverfolgen. Der betroffene US-Konzern dementiert.

Apotheken im Visier: Weil Daten eines Rechenzentrums unzureichend verschlüsselt wurden, soll der Krankheitsverlauf vieler Patienten zurückverfolgt werden können. dapd

Apotheken im Visier: Weil Daten eines Rechenzentrums unzureichend verschlüsselt wurden, soll der Krankheitsverlauf vieler Patienten zurückverfolgt werden können.

HamburgIn Deutschland werden laut einem "Spiegel"-Bericht Millionen Ärzte und Patienten ausgespäht. Das süddeutsche Apothekenrechenzentrum VSA in München verkaufe Patientendaten in unzureichend verschlüsselter Form an Marktforschungsunternehmen wie den in mehr als hundert Ländern aktiven US-Konzern IMS Health, berichtete das Magazin am Sonntag vorab. Laut "Spiegel" verfolgt das Unternehmen nach eigenen Angaben die Krankheiten von mehr als 300 Millionen Patienten - darunter auch "42 Millionen verschiedene gesetzlich Versicherte" in Deutschland.

"Viele Patientenkarrieren sind bis 1992 zurück verfolgbar", zitierte das Magazin aus einem internen Papier. Dem "Spiegel" liegt nach eigenen Angaben ein Angebot von IMS an den französischen Pharmakonzern Sanofi-Aventis vom April 2012 vor. Darin biete IMS die Informationen aus Insulinrezepten für 86.400 Euro an - "patientenindividuell" und mit "zwölf Monats-Updates".

Bei der Lieferung von Rezeptdaten an IMS werde die Identität der Patienten lediglich durch einen 64-stelligen Code verschleiert, berichtete das Magazin. Der Code lasse sich jedoch leicht zurückrechnen auf die tatsächliche Versichertennummer, wie vertrauliche Dokumente belegten. Zusätzlich würden auch Alter und Geschlecht der Patienten an die Marktforscher weitergegeben.

Die Volkskrankheiten der Deutschen

Wirtschaftlicher Schaden

Volkskrankheiten haben nicht nur gesundheitliche sondern auch wirtschaftliche Auswirkungen. Allein im Jahre 2010 waren die Bundesbürger 17,6 Tage im Durchschnitt krankgeschrieben.

Todesursachen

Volkskrankheiten führen nicht zwangsläufig zum Tode. Deshalb ist es wichtig, zwischen Krankheiten und Todesursachen zu unterscheiden. Zu den häufigsten Todesursachen zählen in Deutschland der Herzinfarkt und der Schlaganfall. 42 Prozent der Bundesbürger waren hiervon betroffen.

Krebs

Zu den zweithäufigsten Todesursachen zählt das Krebsleiden mit 35 Prozent. Frauen versterben neben Krebserkrankungen der Verdauungsorgane nicht selten an Brustkrebs. der Darm-und Lungenkrebs ist die häufigste Todesursache bei den männlichen Bundesbürgern.

Depression

Zu den häufigsten Erkrankungen gehört die Depression. Sie belegt den vierten Platz in der Rangliste mit 9,4 Prozent. Unter Depressionen sind unterschiedliche Erkrankungen zu fassen wie beispielsweise Angstzustände.

Burn-out

Unter den Begriff der Depressionen fällt auch das Krankheitsbild des Burn-out Syndroms. Betroffene sind meist körperlich, geistig und emotional erschöpft. Grund für diesen Zustand sind Stress oder berufliche Überbelastung.

Eu-weit belaufen sich die volkswirtschaftlichen Folgekosten auf 20 Milliarden Euro jährlich.

Atemwege

Platz 3 belegen die Atemwegserkrankungen mit 18 Prozent. Mediziner unterscheiden zwischen den oberen und unteren Atemwegen. Zu den Erkrankungen der oberen Atemwege gehören Krankheiten der Nasennebenhöhlen und Kieferhöhlenentzündungen. Die Bronchitis hingegen wird zu den Krankheiten der unteren Atemwege gezählt.

Übergewicht

Gemeinsam mit den Atemwegserkrankungen ist die Fettstoffwechselstörung die dritthäufigste Krankheitsursache in Deutschland. Eine Störung des Stoffwechsels ist das Übergewicht, das auf falsche Ernährung und Bewegungsmangel zurückzuführen ist. Laut des Europäischen Statistikamts sind 60 Prozent der Deutschen übergewichtig.

Diabetes

Eine weitere Fettstoffwechselstörung ist die Zuckerkrankheit Diabetes mellitus. Dabei wird zwischen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. Typ 2 ist auf das Übergewicht zurückzuführen.

Rückenschmerzen

Mit 24,1 Prozent sind die Rückenschmerzen das zweithäufigste Volksleiden der Deutschen. Diese Zahl schlägt sich auch in den Krankheitstagen nieder. 13 Tage lässt sich der Bundesbürger wegen dieser Erkrankung krankschreiben.

Bluthochdruck

25,7 Prozent der deutschen Bundesbürger leiden an Bluthochdruck. Damit belegt diese Erkrankung den ersten Platz. Die Ursachen sind vielfältiger Natur. Außer der genetischen Veranlagung spielen Stress, Bewegungsmangel und ein überhöhter Alkoholkonsum eine wesentliche Rolle. Wird die Erkrankung nicht behandelt, drohen Herzinfarkt und Schlaganfall.

Pro Rezeptdatensatz von deutschen Versicherten zahle der amerikanische IMS-Konzern teils unter 1,5 Cent an Apothekenrechenzentren, heißt es weiter in dem Bericht. Der Handel mit Rezeptinformationen sei "einer der größten Datenskandale der Nachkriegszeit", kritisierte der Leiter des Unabhängigen Landeszentrums für Datenschutz Schleswig-Holstein, Thilo Weichert. "Es wäre traurig, wenn die Dienstleister des Vertrauensberufs Apotheker erst durch Gerichtsprozesse zur Vertraulichkeit zu veranlassen wären."

Der US-Konzern IMS Health hat den Bericht zurückgewiesen. Der Konzern erhalte von Apothekenrechenzentren in Deutschland "keine personenbezogenen Daten und benötigt diese auch nicht", erklärte das Marktforschungsunternehmen am Sonntagabend. Die "Spiegel"-Behauptung, "es würden millionenfach Patienten- und Arztdaten ausgespäht, ist falsch". Zudem sei es "unzutreffend, dass Patientenidentitäten nur verschleiert werden oder rückrechenbar seien".

Von

afp

Kommentare (16)

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Account gelöscht!

18.08.2013, 12:38 Uhr

Es gibt offenbar keinen Bereich mehr, wo nicht ausspioniert wird.
Wo um Gottes Willen, sind wir gelandet?

Account gelöscht!

18.08.2013, 12:48 Uhr

Auch dieses Thema wird Merkel und Co. ignorieren und aussitzen mit dem sinnlosen Spruch, dass auf deutschen Boden sich jeder an Recht und Ordnung zu halten hat. Man kann glauben dass Merkel im Osten aufgewachsen für das Thema Ausspähung und Schnüffeln keinen Sinn hat weil dies ja im Osten Alltag war. Schlimm für unser demokratisches Land.

Account gelöscht!

18.08.2013, 13:30 Uhr

@ margrit117888,
wo wir gelandet sind?
In einer Republik in der "Strafunmündige" das Sagen haben (Verbrecher sind strafmündig).

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