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04.09.2012

10:44 Uhr

Medienbericht

Privatversicherte bei Organabgabe womöglich bevorzugt

Nach Berechnungen des Grünen-Gesundheitsexperten Terpe könnten Privatpatienten bei der Vergabe von Spenderorgane bevorzugt worden sein. Bei dem Vergleich zwischen Warteliste und Operationen gebe es Auffälligkeiten.

Eine Mitarbeiterin der Deutschen Stiftung für Organtransplantation mit einer spezielle Kühlbox für Spenderorgane. dpa

Eine Mitarbeiterin der Deutschen Stiftung für Organtransplantation mit einer spezielle Kühlbox für Spenderorgane.

FrankfurtEntgegen den Beteuerungen von Ärzten und Bundesregierung werden Privatversicherte bei der Vergabe von Spenderorganen womöglich doch bevorzugt. Nach Berechnungen des Grünen-Gesundheitsexperten Harald Terpe, die der "Frankfurter Rundschau" am Dienstag vorlagen, liegt der Anteil der Privatversicherten an allen Transplantationen höher als ihr Anteil auf der Warteliste. Zuletzt seien 9,7 Prozent der auf eine Leber wartenden Patienten privat versichert gewesen. Der Anteil der Privatversicherten an allen Patienten, die 2011 eine neue Leber bekamen, habe aber 13,1 Prozent betragen.

Ähnliche Unterschiede gibt es den Berechnungen des Grünen-Politikers zufolge bei Herzen: Auf der Warteliste stehen 9,5 Prozent Privatversicherte, ihr Anteil bei den transplantierten Organen liegt bei elf Prozent. Bei Lungen-Transplantationen stehen 6,9 Prozent Privatversicherte auf der Warteliste, 9,5 Prozent Privatversicherte erhielten eine Transplantation.

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So soll der wirtschaftliche Druck bei Organverpflanzungen gesenkt werden.

Einen höheren Anteil von Privatversicherten entdeckte Terpe dem Bericht zufolge auch beim sogenannten beschleunigten Verfahren, bei dem die Transplantationszentren unabhängig von der Warteliste selbst Patienten auswählen dürfen, die ein neues Organ bekommen. Terpe forderte Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) auf, die Auffälligkeiten aufzuklären: "Die Menschen müssen dem Organspende-System vertrauen können und das Gefühl haben, dass es gerecht zugeht", sagte er der "Frankfurter Rundschau".

Die Transplantationsmedizin in Deutschland war wegen des Verdachts der Manipulation bei der Zuteilung von Organen an Patienten in den Unikliniken in Göttingen und Regensburg in die Kritik geraten. Gegen einen zu den jeweiligen Zeiträumen an den Kliniken arbeitenden Arzt laufen derzeit strafrechtliche Ermittlungen.

Als Konsequenz daraus sollen die Kontrollen bei den Organtransplantationen in Deutschland intensiviert werden. Unter anderem sollen die Wartelisten künftig von mindestens drei Personen geführt werden.

Von

afp

Kommentare (6)

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Rumpelstilzchen

04.09.2012, 11:01 Uhr

Es ist wie immer, für viel Geld gibt es Alles! Die Akzeptanz für die Organspende dürfte dahin sein. Wer garantiert, dass man nicht von einem geldgierigen Arzt wegen der Organentnahme für tot erklärt wird!?

Die sizilianische Mafia lässt in Nordafrika zwecks Organentnahme junge Menschen ermorden. Wer transplantiert diese Organe und wo?

Die Politik unternimmt nichts gegen diese Mißstände!

Euroaus

04.09.2012, 11:02 Uhr

Wer heute noch nicht glaubt, daß Privatpatienten bevorzugt werden, der soll lieber an den Osterhasen glauben!

peterpan

04.09.2012, 11:21 Uhr

Ein Versuch den Jeder unternommen habe sollte:
Bei einem Arzt (Psychologe, Orthopäde) anrufen und nach einem schnellen Termin fragen, weil man Schmerzen hat. Dazu erwähnen dass man zeitlich sehr flexibel ist. Oft bekommt man gesagt in x Wochen oder Monaten haben wir einen Termin. Daran die kurze Erklärung dass man Privatversichert sei und Sie können heute noch vorbeikommen.
Geahndet wird dieses in meinen Augen menschenverachtendes Verhalten wohl nie.

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