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19.07.2011

07:54 Uhr

Medienbericht

Starke Lohneinbußen bei Geringverdienern

Geringverdiener haben in den vergangenen zehn Jahren trotz Wirtschaftswachstums einen immensen Rückgang der Nettolöhne hinnehmen müssen. Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger wirft der Bundesregierung Untätigkeit vor.

Eine Reinigungskraft bei der Arbeit im Foyer eines Firmengebäudes. Quelle: ap

Eine Reinigungskraft bei der Arbeit im Foyer eines Firmengebäudes.

BerlinDie realen Nettolöhne von Geringverdienern sind seit der Jahrtausendwende stark gesunken. Bei Beschäftigten in den unteren Einkommensgruppen hätten die Einbußen 16 bis 22 Prozent betragen, berichtete die „Berliner Zeitung“ unter Berufung auf das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW).

Im Durchschnitt aller Beschäftigten seien die Nettogehälter zwischen 2000 und 2010 preisbereinigt um 2,5 Prozent zurückgegangen. Beschäftigte in der höchsten Einkommensgruppe verbuchten ein leichtes Plus von knapp einem Prozent. Das geht den Angaben zufolge aus neuen Umfrageergebnissen des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) hervor.

„Die Wirtschaft ist seit der Jahrtausendwende ordentlich gewachsen“, sagte DIW-Verteilungsforscher Markus Grabka der Zeitung. Die Gewinne und Vermögenseinkommen seien „insgesamt sogar kräftig gestiegen“. Doch bei den meisten Erwerbstätigen sei vom Wirtschaftswachstum nichts angekommen.

Der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warf der Bundesregierung Untätigkeit vor. „Es gibt Möglichkeiten, die Löhne zu stabilisieren. Doch die Politik interessiert sich nicht dafür“, sagte er der „Berliner Zeitung“. Bofinger plädierte dafür, Arbeitnehmer bei den Sozialabgaben zu entlasten. So sollten die Arbeitgeber künftig wieder die Hälfte der Beiträge für die gesetzliche Krankenversicherung übernehmen. „Eine solche Rückkehr zur Parität würde den Staat keinen Cent kosten“, betonte der Professor an der Universität Würzburg.

Das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit sprach sich für einen Mindestlohn aus. Im Niedriglohnsektor gebe es inzwischen Auswüchse, „die man beschäftigungspolitisch nicht rechtfertigen kann“, erklärte der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), Joachim Möller.

Kommentare (7)

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19.07.2011, 08:41 Uhr

Genau die Gruppe, die relativ am stärksten zum inländischen Konsum beitragen könnte, wenn man sie nur ließe. Ein Plus von 25% beim Einkommen würde eine ehnlich große Steigerung der Konsumgüternachfrage bedeuten. Darum Mindestlöhne sofort und zwar besser 10 als 9 Euro die Stunde. Das Geschwätz, das Mindestlöhne arbeitlos machen ist unredlich, da nicht bewiesen.

trottellumme

19.07.2011, 09:29 Uhr

Den letzten beissen die Hunde....willkommen im neoliberalen Kapitalismus. Das Konzept der sozialen Marktwirtschaft- steht immerhin im Grundgesetz- verkommt zum Papiertiger..

Autonomos

19.07.2011, 09:31 Uhr

Die SPD mit Gabriel, Steinbrück und Steinmeier hat gestern der Regierung ihre Unterstützung dabei angeboten, wie - vor allem - ihre eigene Klientel, die mit den unteren Einkommen, auf weitere Lasten für das marode Schulden-Europa vorbereitet werden kann. Und Trittin setzt sich mit seinen Grünen sogar für die Einführung von Eurobonds ein, Anleihen, die der gestern in Hellas wieder einmal in seinem touristischen Kerngeschäft streikende EU-Süden (diesmal die Taxifahrer) begeben kann, für die dann aber die kleinen Malocher in Deutschland dank linker Sozialfürsorge mit weiteren Einkommensverlusten haften dürfen. - Diese linken Menschenfreunde werden am Ende trotzdem gewählt werden. Deutschlands (auch geistige) Zerrüttung schreitet unaufhaltsam voran.

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