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24.10.2013

14:57 Uhr

Medienberichte

Merkels Handynummer in Snowden-Dokumenten

Die Handynummer von Kanzlerin Merkel soll in Dokumenten des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Snowden enthalten gewesen sein. Bei dem abgehörten Mobiltelefon handelt es sich aber wohl nicht um ihr Diensthandy.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Sprecher Stefen Seibert. dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr Sprecher Stefen Seibert.

BerlinEine frühere Handynummer von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ist nach einem Bericht der Zeitung "Die Welt" in Dokumenten des früheren US-Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden enthalten. Diese Information sei Auslöser für den aktuellen Skandal gewesen, hieß es am Donnerstag unter Berufung auf Angaben aus Sicherheitskreisen. Die Rede sei von einem "verdichteten Verdacht" auf eine Spionageattacke gegen Merkel. Bei dem Gerät handelt es sich demnach um ein Nokia-Handy, das Merkel von Oktober 2009 bis Juli 2013 benutzt habe.

Nach Informationen von Faz.net soll es sich bei dem abgehörten Mobiltelefon nicht um Merkels Kanzler-Diensthandy gehandelt haben, sondern das Mobiltelefon, das sie als CDU-Vorsitzende nutzt. Nach Erkenntnissen deutscher Behörden sei dies zumindest zeitweilig vom amerikanischen Geheimdienst gezielt überwacht  worden. Das mobile Telefon der Kanzlerin, das sie in Parteiangelegenheiten nutzt, sei nicht so gut abgesichert wie ihr Smartphone, das sie als Regierungschefin nutze. Es werde allerdings ständig von ihr genutzt, auch für nicht parteigebundene Kommunikation. Viel spreche dafür, dass es sich bei den abgehörten Daten um Telefonate und möglicherweise auch um Kurzmitteilungen handelt.

Das Handy von Kanzlerin Angela Merkel (CDU), das mutmaßlich vom US-Geheimdienst NSA angezapft wurde, war nicht als abhörsicher eingestuft. Das sagte ein Sprecher des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) laut einem Bericht des Nachrichtenportals „Süddeutsche.de“. Das Medium zieht daraus den Schluss, dass das Handy gar nicht für den Gebrauch am Arbeitsplatz zugelassen gewesen sei. Die Nutzung privater Geräte am Arbeitsplatz sei laut VS-Anweisung für Personen, die Zugang zu Verschlusssachen haben, grundsätzlich untersagt.

Wo die NSA im Ausland spioniert hat

Frankreich

Für Empörung sorgt diese Woche ein Bericht der französischen Tageszeitung „Le Monde“, wonach die NSA allein innerhalb eines Monats – zwischen dem 10. Dezember 2012 und dem 8. Januar 2013 – 70,3 Millionen Telefonverbindungen in Frankreich überwachte. Bereits Anfang Juli hatte der britische „Guardian“ berichtet, der Geheimdienst habe unter anderem Frankreichs diplomatischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen in New York ausgespäht. Im September berichtete der „Spiegel“ auch von Spähangriffen gegen das französische Außenministerium in Paris.

USA

Die „Washington Post“ und der „Guardian“ berichten Anfang Juni, die NSA und die US-Bundespolizei FBI würden auf Serverdaten der großen Internetkonzerne wie Yahoo, Facebook, Google und Microsoft zugreifen. Der Name des geheimen Überwachungsprogramms: Prism.

Großbritannien

Der „Guardian“ berichtet Mitte Juni unter Berufung auf die Snowden-Dokumente, der britische Geheimdienst habe vor vier Jahren Delegierte von zwei in London stattfindenden G-20-Treffen ausgespäht. Ziele waren demnach die Delegationen Südafrikas und der Türkei. Die NSA soll bei der Gelegenheit versucht haben, ein Satelliten-Telefongespräch des damaligen russischen Präsidenten Dmitri Medwedew nach Moskau abzuhören.

EU und Uno

In seiner Ausgabe vom 1. Juli berichtet der „Spiegel“, die NSA habe in EU-Vertretungen in Washington, New York und Brüssel unter anderem Wanzen installiert. Auch sollen interne Computernetzwerke infiltriert worden sein. Ende August berichtet der „Spiegel“, die NSA habe auch die Zentrale der Vereinten Nationen in New York ausspioniert. Dem Geheimdienst gelang es demnach, in die interne Videokonferenzanlage der Uno einzudringen.

Brasilien

Der brasilianische Sender „Globo“ berichtet Anfang September, die NSA habe Telefonate und Internetkommunikation von Staatschefin Dilma Rousseff und ihren Mitarbeitern überwacht. Auch Unternehmen wie der Ölkonzern Petrobras und Millionen brasilianischer Bürger sollen ausgespäht worden sein. Verärgert verschiebt Rousseff einen für Oktober geplanten Staatsbesuch in den USA auf unbestimmte Zeit.

Mexiko

Der „Spiegel“ berichtet diese Woche, schon 2010 sei es einer NSA-Spezialabteilung gelungen, in das E-Mail-Konto des damaligen mexikanischen Präsidenten Felipe Calderón einzudringen. Calderóns Nachfolger Enrique Peña Nieto forderte Anfang September Erklärungen von den USA, nachdem Globo berichtet hatte, die NSA habe ihn während des Wahlkampfs 2012 ausgespäht.

China

In einem Interview mit der Zeitung „South China Morning Post“ aus Hongkong gibt Snowden an, die NSA hätten chinesische Mobilfunk-Konzerne gehackt und Millionen von SMS ausgespäht. Demnach verübte die NSA auch Cyber-Attacken auf die Tsinghua-Universität in Peking. Dort sind sechs zentrale Netzwerk-Schaltstellen untergebracht, über die Chinas gesamter Internetverkehr läuft.

Von der Aktion der Amerikaner soll die Kanzlerin durch eine Recherche des „Spiegel“ erfahren haben. Die amerikanischen Dienste sollen demnach ein Telefon der deutschen Bundeskanzlerin mit einem Vodafone-Vertrag ins Visier genommen haben. Die Nummer weise auf das Parteihandy. Dabei seien womöglich sensible Informationen abgezapft worden.

Vodafone soll in Berlin für das mobile Netz meisten Funkwege nutzen. Diese Funkkommunikation könnten die Amerikaner, so der Verdacht, angezapft haben.

Kommentare (2)

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Oesterreicher

24.10.2013, 16:05 Uhr

Wo ist eigentlich die um die es geht?
Muss man sich Sorgen machen und eine Vermissten Anzeige aufgeben? Oder ist Merkel wie üblich wieder einmal nur abgetaucht?

Account gelöscht!

24.10.2013, 16:21 Uhr

Die sogenannte "Stasi" war ein Witz verglichen mit dem was wir aktuell gewahr werden !

Und unsere Volksvertretung hat nichts anderes zu tun als den Vorfall runterzuspielen und kleinzureden.

Ich schäme mich für diese Einstellung gegenüber der Bevölkerung.

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