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18.04.2015

15:04 Uhr

Medienberichte

Ungereimtheiten bei G36-Qualitätskontrolle

Die Debatte um das Sturmgewehr G36 geht weiter: Laut „Spiegel“ sind die Qualitätsmängel gravierender als bisher angenommen. Ein Austausch der Gewehre ist trotzdem unwahrscheinlich – aus einem praktischen Grund.

Das Verteidigungsministerium hat am Freitag einen Bericht zum Präzisionsproblem vorgestellt. dpa

Das Verteidigungsministerium hat am Freitag einen Bericht zum Präzisionsproblem vorgestellt.

BerlinTrotz der Präzisionsprobleme beim Sturmgewehr G36 wird die Bundeswehr in den nächsten Jahren wohl noch keine Ersatzwaffen bekommen. „Eine kurzfristige materielle Lösung ist aufgrund der Notwendigkeit einer umfangreichen Vergleichserprobung sowie der Regularien des Vergaberechts nicht erreichbar“, heiß es in einer Bewertung des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr.

Diese ist in dem am Freitag vorgelegten vertraulichen G36-Expertengutachten für das Verteidigungsministerium enthalten. „Insofern ist eine mehrjährige Übergangslösung unter Rückgriff auf die in der Bundeswehr eingeführten Waffen erforderlich“, heißt es darin weiter.

Sollten die rund 167.000 Gewehre vollständig ausgemustert werden müssen, „wird eine Zeitlinie von maximal 10 Jahren als realistisch angesehen“, heißt es in der Bewertung, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Das Bundesamt empfiehlt daher, die Nutzungsdauer für das G36 über 2016 hinaus zu verlängern und auch Geld in die Instandhaltung der Gewehre zu stecken. Um Defizite im Einsatz auszugleichen, sollten verstärkt andere Waffen verwendet werden.

G 36 - Das Standardgewehr der Bundeswehr

Fast 20 Jahre dabei

Das Sturmgewehr G36 gehört seit 1996 zur Standardausrüstung jedes Bundeswehrsoldaten.

Hersteller

Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 176 544 der Waffen bei dem baden-württembergischen Hersteller Heckler & Koch eingekauft, von denen noch 166 619 genutzt werden.

Material

Das Gewehr besteht zum großen Teil aus Kunststoff und ist deswegen mit einem Gewicht von dreieinhalb Kilogramm vergleichsweise leicht.

Kaliber

Es hat ein Kaliber von 5,56 mal 45 Millimetern und kann Einzelschüsse und Dauerfeuer abgegeben.

Geschenk an kurdische Armee

8000 G36-Gewehre hat die Bundeswehr an die kurdische Armee im Nordirak für ihren Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat abgegeben.

Bei der Qualitätskontrolle für das ungenau schießende Sturmgewehr G36 hat es nach einem „Spiegel“-Bericht Ungereimtheiten gegeben. Interne Dokumente des früheren Bundesamtes für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) legten den Verdacht nahe, dass BWB-Beamte und Mitarbeiter des Herstellers Heckler & Koch hierbei über Jahre hinweg Vorschriften missachtet haben, schreibt das Nachrichtenmagazin.

Im Dezember 2006 hat demnach ein Ingenieur des BWB-Bereichs „Qualitätssicherung Waffen“ der Behördenspitze berichtet, Heckler & Koch verfüge - gegen alle Vorschriften - über eine Lasersoftware mit dem amtlichen Prüfsiegel. Damit könne das Unternehmen seine Waffen selbst als amtlich geprüft markieren. Die Firma führe somit diese hoheitliche Maßnahme mit eigenen nachgemachten Siegeln aus. Die permanente Anwesenheit eines BWB-Mitarbeiters sei laut Güteprüfstelle der Bundeswehr in Oberndorf „aufgrund der vertrauensvollen Zusammenarbeit“ mit Heckler & Koch „entbehrlich“.

Im März 2007 habe die BWB-Dienstaufsicht nach eingehender Prüfung erklärt: Infolge der Beschwerde seien geeignete Maßnahmen eingeleitet worden, „die eine der geltenden Vorschriftenlage entsprechende Kennzeichnung von Waffen gewährleisten“. Der „Spiegel“ zieht daraus den Schluss, dass dies bis 2007 offenbar nicht der Fall gewesen sei.

Heckler & Koch wollte dem Bericht zufolge zu den Vorwürfen nicht konkret Stellung nehmen. Ein Sprecher des Verteidigungsministeriums erklärte, die externen Sachverständigenkommissionen würden den Fragen penibel nachgehen.

Das Planungsamt der Bundeswehr fordert laut „Spiegel Online“ eine alternative Waffe für die Bundeswehr. Die Probleme des G36 seien drastischer als bisher gedacht.

Nach monatelanger Prüfung hatte eine vom Verteidigungsministerium eingesetzte Expertengruppe dem Sturmgewehr G36 mangelnde Treffsicherheit bescheinigt.

Von

dpa

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