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19.04.2013

06:37 Uhr

Medienkritik

Austeilen ohne Einzustecken

VonLaura-Patricia Montorio

Die Causa Wulff, der Sturz des Plagiators Guttenberg, der Sexismus-Vorwurf gegen Brüderle: Kritische Berichterstattung kann Politiker-Karrieren beenden. Doch wie kritisch gehen deutsche Journalisten mit sich selbst um?

Das Buch "Affäre Wulff" dokumentiert die Skandale um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU), die Medien aufgedeckt haben. dpa

Das Buch "Affäre Wulff" dokumentiert die Skandale um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff (CDU), die Medien aufgedeckt haben.

BerlinDeutsche Journalisten gehen in ihrer Berichterstattung mit Politikern und Managern hart ins Gericht. Das ist auch ihre Aufgabe. Schließlich sollen sie als sogenannte vierte Instanz Versprechen von Politikern und Entscheidungen von Konzernchefs kritisch hinterfragen – und den Menschen damit ermöglichen, sich eine abgerundete Meinung zu bilden. Doch auch Selbstkritik wäre manchmal angesagt. Stellte sich doch nicht nur jüngst im Falle des zurückgetretenen Bundespräsidenten Christian Wulff heraus, dass die Medien es mit ihrer Schelte auch zu weit treiben können.

Deutsche Journalisten tun sich mit Selbstkritik aber schwer. Das zeigt die Studie „Zimperlieschen? Wie deutsche Journalisten mit Kritik umgehen“ des Erich-Brost-Institut für internationalen Journalismus an der TU Dortmund. Rund 1.800 Journalisten aus zwölf europäischen und zwei arabischen Ländern beantworteten Fragen zu Selbstkritik und Selbstkontrolle im eignen Berufsalltag.

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Redaktion als kritikfreie Zone

Dabei wissen Journalisten, dass sie eine hohe gesellschaftliche Verantwortung tragen. Die absolute Mehrheit von fast 90 Prozent bekennt sich dazu, dass Medien verantwortlich handeln müssen – auch als Voraussetzung für die Pressefreiheit. Doch in der alltäglichen Arbeit steht Selbstkritik nicht auf der Tagesordnung. So geben nur rund 6 Prozent der deutschen Journalisten an, dass sie regelmäßig Kritik an der Arbeit von Kollegen üben. Damit ist Deutschland absolutes Schlusslicht im internationalen Vergleich. In anderen Ländern dagegen wie etwa Finnland ist Kritik unter Kollegen bei fast 50 Prozent der Journalisten Norm. „In Finnland sind die hierarchischen Strukturen in den Redaktionen weniger stark. Das macht Kritik unter Kollegen leichter“, sagt Susanne Fengler, Leiterin des Erich-Brost-Institut. Auch eine verschwindend geringe Zahl der deutschen Journalisten muss häufig Kritik einstecken – weder intern von Kollegen oder Vorgesetzten, noch extern von ihren eigenen Lesern oder von Politikern.

Kommentare (14)

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twsan

19.04.2013, 07:35 Uhr

Warum gibt es den Ausdruck "Journaille"? Weil Journalisten wie im übrigen auch Politiker praktisch unangreifbar sind. Wenn Journalisten und ihre Redaktionen einmal mit Geld- und Freiheitsstrafen für vorsätzliche Bürgermanipulation, Rufmord u.a. zur Verantwortung gezogen werden würden, wäre Schluss mit dem Mißbrauchsspuk. Aber mit dem netten Deckmäntelchen der "Pressefreiheit" ist es wie mit jeder Freiheit: Man kann sie mißbrauchen.

HofmannM

19.04.2013, 07:53 Uhr

Sagen wir es mal so....WER keine Kritik zulässt, der wird auch NIE positiv dazu lernen können. Eine vernünftige und sachliche Kritik ist für ein allgemeinwissendes Leben unabdingbar. Erst durch eine sachliche Kritik werde ich als Mensch dazu befähigt, die Abläufe und Standpunkte der Welt bzw. anderer Menschen zu sehen/verstehen.
Und nur wenn ich verstanden habe, kann ich auch vernünftig mein Wissen erweitern und weitergeben.
Ein Vernunft und Verstand Mensch muss sachliche Kritik genauso gut (wenn nicht noch besser) einstecken können, als mit dem Verteilen seines egoistischen "Besserwissen" Belehrungen zu prahlen.

Account gelöscht!

19.04.2013, 08:23 Uhr

Es kommt immer darauf an, was rauskommen soll.
Will ich dem Chefredakteur (oder jedem anderen Chef) gefallen, rede und schreibe ich nach dessen "Maul".
Will ein Chef eine bestimmte Richtung, bestimmte Abläufe, oder auch bestimmte Dinge nicht, wird es genauso nicht laufen. Wir leben in einer hieraschisch aufgebauten Welt, eine Welt die autoritär im Sinne von "es wird gemacht was ich sage", aufgebaut ist. Das ist unsere viel gelobte Disziplin. Das ist im Journalismus genauso wie woanders auch. Dazu kommen die Anzeigenkunden, am besten große, die mit Sicherheit ihre Anzeigen woanders schalten, wenn man kritischer berichtet oder hinterfragt.
Zum Schluß bleibt einem demokratisch orientierten Bürger doch immer nur die Möglichkeit sich andere Quellen der Informationen anzusehen, zu besorgen und selbst zu hinterfragen. Was aber z. B. bei der PR-Kampagne für den Krieg gegen Saddam auch nichts genützt hat, die falschen Infos waren fast überall zu lesen, und zwar ohne groß zu hinterfragen, weil diese "Taten" doch so abscheulich waren. Eigentlich hätte jeder Journalist, der da mit gemacht hat, sein "Lehrgeld zurück geben" müssen. Das war Volkshetze pur, und so gut versteckt, das kaum jemand auf die Idee kam, es könnte tatsächlich Propaganda sein.

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