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18.01.2006

09:19 Uhr

Medizinerprotest erreicht Höhepunkt

Viele Arztpraxen bleiben zu

VonPeter Thelen und Simone Wermelskirchen

Die Protestwoche der Ärzte gegen die Gesundheitspolitik der Bundesregierung erreicht am Mittwoch ihren Höhepunkt. In einer Demonstration wollen 5000 Mediziner aus dem gesamten Bundesgebiet vor das Bundesgesundheitsministerium in Berlin ziehen.

BERLIN. Gleichzeitig sollen trotz der Kritik von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) bundesweit Arztpraxen geschlossen bleiben. Die Verbände rechnen damit, dass jede zweite Praxis dem Aufruf folgen wird.

Den so genannten Tag des Arztes am 18. Januar hatten einige wenige freie Berufsverbände der Mediziner bereits vor Monaten angekündigt. Inzwischen sind insgesamt 40 Medizinerverbände dabei. Auch die Bundesärztekammer und die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unterstützen den Protesttag. Sie wollen sich aber wegen ihrer Neutralitätspflicht als Körperschaften des öffentlichen Rechts nicht aktiv beteiligen.

Der Protest richtet sich gegen die angeblich schlechte Bezahlung der Ärzte, eine überbordende Bürokratie und unattraktive Arbeitsbedingungen. Alle drei Faktoren hätten den Arztberuf unattraktiv gemacht. Die Folge sei, dass immer weniger Medizinstudenten sich für den Arztberuf entscheiden. Damit drohe eine Überalterung der Ärzteschaft und ein wachsender Ärztemangel vor allem in den ländlichen Regionen und am Ende eine massive Verschlechterung der Versorgung „Eine hemmungslose Rotstift-Politik hat mit dazu beigetragen, dass der Beruf des Arztes vom Traumjob zum Jobtrauma wurde“, sagte der Chef des Marburger Bundes, Frank Ulrich Montgomery. Das geplante Arzneimittel-Sparpaket der Koalition habe „das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagte Bundesärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe.

Bei den Patienten stoßen die Proteste offenbar auf Sympathie. Der Ärzteverband NAV-Virchow-Bund legte am Dienstag eine Umfrage vor, nach der 81 Prozent der Deutschen Verständnis für die Anliegen der Ärzte haben. Es sei gelungen, den Bürgern die „Gefährdung der medizinischen Versorgung“ deutlich zu machen, sagte der Vorsitzende des Virchow-Bundes, Maximilian Zollner.

Dagegen wiesen Ulla Schmidt und die Kassen die Vorwürfe der Mediziner zurück. Beide Seiten warteten mit umfänglichem Zahlenmaterial auf. Es soll belegen, dass die Kassenärzte weit besser bezahlt werden als andere freie Berufe und im internationalen Vergleich im Mittelfeld liegen. Ein Durchschnittsarzt kommt danach auf 137 000 Euro im Jahr Praxisüberschuss vor Steuern, allerdings inklusive der Honorare von Privatpatienten.

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