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08.11.2013

11:14 Uhr

Medizinische Versorgung

Union und SPD wollen Wartezeit beim Arzt verkürzen

Kassenärzte sehen den Vorstoß von Union und SPD für eine Vierwochenfrist bei der Terminvergabe kritisch. Die Ärzte seien häufig überlastet. Wird die Frist nicht eingehalten, wollen SPD und CDU Alternativen bieten.

Das Wartezimmer einer Arztpraxis. Viele Patienten müssen Wochen warten, bis sie überhaupt einen Termin bekommen. Union und SPD wollen das ändern. dpa

Das Wartezimmer einer Arztpraxis. Viele Patienten müssen Wochen warten, bis sie überhaupt einen Termin bekommen. Union und SPD wollen das ändern.

BerlinDie niedergelassenen Ärzte sehen den Vorstoß von Union und SPD für eine Vierwochenfrist bei der Terminvergabe in Facharztpraxen kritisch. Es sei fraglich, ob solch eine pauschale Frist ohne Prüfung der medizinisch notwendigen Behandlung sinnvoll sei, erklärte der Vorstandschef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Köhler, am Freitag in Berlin. Die KBV lehnt die Pläne nicht von vornherein ab. Wenn die Politik Fachärzte und Kassenärztliche Vereinigungen in die Pflicht nehme, dann müssten aber zugleich „die heute schon häufig überlasteten Praxen“ entlastet werden, forderte Köhler.

Er verwies auf eine Umfrage der KBV, wonach rund 80 Prozent der gesetzlich Versicherten keine Probleme mit der Wartezeit haben und Termine entweder sofort oder deutlich unterhalb von vier Wochen bekommen. Laut der im Sommer veröffentlichten Studie muss allerdings rund jeder zehnte Patient mehr als drei Wochen auf einen Termin warten. Besonders lange Wartezeiten gibt es demnach bei Kardiologen, Frauenärzten und Urologen. „Dort, wo es längere Wartezeiten gibt, müssen wir im Interesse der Patienten Lösungen finden“, erklärte Köhler.

Union und SPD wollen die oft sehr langen Wartezeiten für einen Arzttermin verkürzen. Bekommen gesetzlich Versicherte künftig innerhalb von vier Wochen keinen Facharzttermin, sollen sie zur Behandlung ins Krankenhaus gehen können. Das hatten die Vertreter von Union und SPD nach ihren Koalitionsgesprächen zur Gesundheitspolitik am Donnerstag mitgeteilt. Verantwortlich für die Terminvergabe innerhalb der Vierwochenfrist sollen die für die niedergelassenen Ärzte zuständigen Kassenärztlichen Vereinigungen sein. Geht der Patient ins Krankenhaus, soll dies aus dem Krankenkassen-Budget für die niedergelassenen Ärzte bezahlt werden.

Von

afp

Kommentare (7)

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Moika

08.11.2013, 11:24 Uhr

Wer weiß, wie überlaufen die Ambulanzen in der Krankenhäusern zumeist sind, kann über diese Schnapsidee nur verständnislos den Kopf schütteln.

Felix

08.11.2013, 12:00 Uhr

Was anderes als Schnapsideen werden in der Gesundheitspolitik doch schon seit Jahren nicht mehr vorgeschlagen und eingeführt. Wer hier etwas konstruktives erwartet, bringt eine riesen Portion Naivität mit

Patient

08.11.2013, 12:11 Uhr

Als Angehöriger, dessen Vater kürzlich kurz nach der Aufnahme im Krankenhaus verstorben ist, kann ich über diese Vorschläge nur verständnislos den Kopf schütteln.

Unsere sogenannten Gesundheitsexperten scheinen den Zynismus für sich entdeckt zu haben.

In welcher Welt leben diese Experten??? In welchem Elfenbeinturm hat der KBV seine Umfrage gemacht?

Ein Augenarzt hat in unserer Region eine Wartezeit von 1 Jahr, Hautarzt 7 Monate, Neurologe 2 Monate etc. Bei etlichen Praxen sind die Telefone auf "Besetzt" geschaltet. Beim Termin kommt als erstes der komplette IGEL-Katalog und der unmißverständliche Hinweis auf notwendige Vorsorgeuntersuchungen. Die Untersuchung muß natürlich privat bezahlt werden.

Wer um Gottes Willen soll im Krankenhaus die Versorgung übernehmen? Im Krankenhaus sieht es doch nicht besser aus. Ein Herr Lauterbach von der SPD hat kürzlich von einer Überversorgung mit Kliniken gesprochen. Man fragt sich wann Herr Lauterbach das letzte Mal in einem Krankenhaus war. Die Realität sieht anders aus: Die Zimmer sind überbelegt.

Am Wochenende sollte man schon gar nicht krank werden. Die Krankenhäuser sind unterbesetzt.Krankenschwestern übernehmen Arztaufgaben und arbeiten am Limit. Angehörige müssen die Versorgung der Patienten übernehmen. Und alle Bekannten, die man fragt, haben gleiche oder ähnliche Erfahrungen gemacht. So sieht die Wahrheit aus.

Lauterbach und Co. sollten sich einmal eine Woche inkognito mit als Kassenpatient in ein Krankenhaus legen.

Das Niveau dieser Diskussion ist eine Unverschämtheit gegenüber Patienten und Beschäftigten. Das ist so als würde Nordkorea jedem Bürger einen Rolls Royce versprechen. Willkommen in der DDR 3.0

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