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17.10.2014

13:20 Uhr

Mehr Geld ab 2015

Erste Stufe der Pflegereform verabschiedet

Pflegebedürftige und ihre Angehörigen erhalten ab 2015mehr Geld und bessere Betreuungsangebote. Das ist Inhalt der vom Bundestag verabschiedeten Pflegereform. Die Opposition kritisiert die Maßnahme als unzureichend.

Eine Frau wird in einem Seniorenpflegeheim von einer Pflegerin betreut: Ab 2015 gibt es mehr Geld für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen. dpa

Eine Frau wird in einem Seniorenpflegeheim von einer Pflegerin betreut: Ab 2015 gibt es mehr Geld für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen.

BerlinDer Bundestag hat die erste Stufe der Pflegereform der großen Koalition verabschiedet. Mit dem Gesetz erhalten die 2,6 Millionen Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen ab dem kommenden Jahr höhere finanzielle Leistungen und verbesserte Betreuungsangebote.

Um die Maßnahmen zu finanzieren, steigt der je zur Hälfte von Arbeitnehmern und Arbeitgebern zu finanzierende Beitragssatz um 0,3 Prozentpunkte. Das erbringt 3,6 Milliarden Euro.

Mit dem zusätzlichen Geld werden die finanziellen Leistungen an die Pflegebedürftigen um vier Prozent erhöht. Zudem steigt die Zahl der Betreuungskräfte in Heimen von 25.000 auf 45.000. Die Möglichkeiten zur Inanspruchnahme von Tages-, Kurzzeit- und Nachtpflege werden ausgebaut, um Angehörige zu entlasten. Mit einem Vorsorgefonds sollen zudem 1,2 Milliarden Euro pro Jahr für die Zeit nach 2035 angespart werden, wenn die geburtenstarken Jahrgänge ins Pflegealter kommen.

Die Pflegepläne der Regierung

Reform in zwei Schritten

Die Bundesregierung will die Pflege in Deutschland in zwei Schritten reformieren. Hier die wesentlichen Kernpunkte kurz zusammengefasst:

Anpassung an Preisentwicklung

Die gut 2,5 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland sollen ab 2015 um bis zu vier Prozent erhöhte Leistungen bekommen.

Betreuung

Mehr Menschen sollen sich mit Demenzkranken, Behinderten oder psychisch Kranken beschäftigen. In Heimen sind neben Fachkräften dafür etwa 24 000 nachqualifizierte Kräfte im Einsatz. Künftig sollen es 45.000 sein.

Kurzzeit- und Verhinderungspflege

Flexibler und großzügiger sollen Hilfen gewährt werden für bis zu vier Wochen Heimaufenthalt eines zu Hause gepflegten Menschen pro Jahr sowie für vier Wochen ambulante Pflege etwa durch einen Dienst, wenn Angehörige Urlaub machen.

Rechtsanspruch auf Familienpflegezeit

Angehörige können sich für eine Pflegezeit bereits bis zu sechs Monate unbezahlt von der Arbeit freistellen lassen. Die Familienpflegezeit aber, in der man auf bis zu 15 Stunden reduzieren kann, ist für die Unternehmen freiwillig. Auch hier soll ein Rechtsanspruch her.

Lohnersatz bei Pflegeorganisation

Wer Pflege daheim organisieren muss, hat Recht auf zehn Tage Auszeit - künftig soll es dafür Lohnersatz ähnlich wie Kinderkrankengeld geben.

Vorsorgefonds

Von 2015 bis 2033 sollen steigende Milliardensummen in einen Fonds fließen. Wenn die Babyboomerjahrgänge 1959 bis 1967 verstärkt pflegebedürftig werden, sollen mit dem Geld Beitragssprünge vermieden werden.

Aisbildung

Die Ausbildung zu Alten- und Krankenpflegern soll einheitlich werden, so dass Altenpfleger später besser wechseln können und der Beruf attraktiver wird. Schulgeld soll entfallen.

Demenz

In Reformstufe 2 soll mit einer Großreform die Versicherung besser auf die zahlreicheren Demenzkranken eingestellt werden. Die heutigen drei Pflegestufen soll durch fünf weiter gefasste Pflegegrade ersetzt werden. Auch Einschränkungen im Wahrnehmen und Bewusstsein, die heute bei der Einstufung nach körperlicher Beeinträchtigung im Hintergrund sind, sollen stärker zählen.

Finanzen

Der Pflegebeitragssatz soll von 2,05 Prozent (Kinderlose: 2,3 Prozent) 2015 um 0,3 Punkte steigen. 0,2 sollen später für die geplante Großreform dazukommen. Unter Strich soll das sechs Milliarden Euro pro Jahr mehr bringen.

Gesundheitsminister Hermann Gröhe sagte, die Reform helfe Pflegebedürftigen und ihren Angehörigen, die Pflege zu Hause zugeschnitten auf ihren Bedarf zu organisieren. So könnten sie etwa auch Haushaltshilfen oder Begleiter im Alltag in Anspruch nehmen. Die Opposition kritisierte die Maßnahmen als unzureichend.

Von

rtr

Kommentare (1)

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Frau Margrit Steer

17.10.2014, 14:34 Uhr

Zuerst einmal müßte mal ein bißchen genauer geprüft werden, wer denn wirkliche pflegebedürftig ist
Nur weil Oma Diabetikerin ist und die Tochter einmal am Tag zu ihr in dei Wohung geht um ihr die Spritze zu geben, weil Oma da nicht mehr so gut alleine kann, da Diabetiker Probleme mit den Augen haben, kann es nicht sein, dass die Tochter gleich Pflegegeld bekommt. Dafür würde ich mich schämen.
So läuft es aber, ich weiß dies aus eigener beruflicher Erfahrung

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