Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.02.2004

23:13 Uhr

Deutschland

Mehr Stasi-Spitzel in der DDR als angenommen

Im DDR-Inlandsnetz der Stasi-Spionageabteilung HVA sind zwei bis drei Mal so viele Agenten tätig gewesen als bislang gedacht. Das geht aus den so genannten Rosenholz-Dateien hervor.

HB BERLIN. Nach einer neuen Auswertung der Rosenholz-Dateien sind im so genannten Inlandsnetz der DDR-Spionageabteilung HVA, die vorrangig für das Ausland zuständig war, zwei bis drei Mal so viele Stasi-Agenten beschäftigt gewesen wie bislang angenommen. Das Inlandsnetz umfasste 20.000 bis 30.000 Inoffizielle Mitarbeiter (IM), berichtet das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel".

Das habe eine neue Auswertung einer Kopie der so genannten Rosenholz-Dateien über die DDR-Auslandsspionage ergeben, sagte der Zeitschrift die Bundesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen, Marianne Birthler. Daher sei das bisher angenommene Verhältnis von In- und Auslandsagenten falsch: "Wir werden voraussichtlich deutlich mehr Ost- als West-IM entdecken."

Eine große Aufdeckungswelle im Westen Deutschlands hält Birthler dagegen für ausgeschlossen. Zu Spekulationen, dass dort noch zahlreiche Ex-Agenten entdeckt würden, sagte sie dem Blatt: "Das ist Unsinn, völlig aus der Luft gegriffen, eine Legende."

Nach Berechnungen der Stasi-Experten seien 20.000 bis 30.000 Agenten für die HVA-Truppe in der DDR tätig gewesen, schreibt der "Spiegel". Sie hätten den Spionageapparat etwa als Kuriere unterstützt oder Besucher aus dem Westen ausgehorcht.

Zu den wenigen bislang identifizierten Ost-IM der HVA gehöre angeblich auch der heutige PDS-Chef Lothar Bisky, meldet das Magazin. Birthler hatte zuvor angekündigt, dass mit Hilfe der Rosenholz-Dateien ab April routinemäßig auch Bundestagsabgeordnete und Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes überprüft werden sollten.

Ihre Behörde hatte in den vergangenen Monaten mehrere Hunderttausend der aus den USA zurückgekehrten Datensätze überprüft. Die vom amerikanischen Geheimdienst CIA in der Wendezeit erbeuteten und im Sommer 2003 an die Bundesrepublik zurückgegebenen Rosenholz-Dateien enthalten die Namen von IM aus vier Jahrzehnten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×