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02.01.2012

13:46 Uhr

Mehr Stellenangebote

Arbeitskräftenachfrage steigt auf Rekordhoch

Der deutsche Arbeitsmarkt boomt. Noch nie hatten in der Bundesrepublik so viele Menschen eine Erwerbsarbeit wie 2011. Nahezu alle Branchen bieten mehr Stellen an.

Werbung eines Arbeitsvermitllers. dapd

Werbung eines Arbeitsvermitllers.

Berlin/NürnbergDie Nachfrage nach Arbeitskräften in Deutschland hat zum Jahresende ein Rekordhoch erreicht. Der Stellenindex der Bundesagentur für Arbeit (BA) stieg im Dezember um einen Punkt auf 180 Punkte. Dies ist nach Angaben der Behörde vom Montag der höchste Wert seit Einführung des Indexes im Jahr 2004.

Ursache dafür sei zum einen die gute wirtschaftliche Entwicklung; die gut gefüllten Auftragsbücher zwängen vielen Unternehmen dazu, ihre Belegschaften aufzustocken. Etwas verzerrt werde der Index allerdings durch die große Fluktuation in den Betrieben: Beschäftigte seien derzeit eher bereit, den Job zu wechseln. Nicht immer fänden Betriebe dann gleich eine passende neue Kraft; manche Stellen blieben so länger unbesetzt, was sich in der Statistik entsprechend niederschlage. Zudem meldeten inzwischen mehr Unternehmen als früher ihre freien Stellen der Bundesagentur.

In nahezu allen Branchen zeige sich ein Plus beim Stellenangebot. Großen Bedarf signalisiere die Zeitarbeit. Gut jede dritte offene Arbeitsstelle werde aus dieser Branche gemeldet. Auch im Groß- und Einzelhandel, in der Bauvorbereitung, in der Gastronomie sowie im Gesundheits- und Sozialwesen bestehe Bedarf an zahlreichen neuen Mitarbeitern.

Die hohe Arbeitskräftenachfrage könnte sich auch in den Arbeitslosenzahlen niederschlagen, die am Dienstag von der BA veröffentlicht werden. Im Dezember steigt die Erwerbslosigkeit winterbedingt regelmäßig an, im Durchschnitt der vergangenen drei Jahre um 86.000.

Die hohe Arbeitskräftenachfrage und die in weiten Teilen Deutschland relativ milde Winterwitterung könnten den Anstieg in diesem Jahr geringer ausfallen lassen. Banken-Volkswirte erwarten einen Anstieg der unbereinigten Arbeitslosenzahl auf 2,8 Millionen. Saisonbereinigt rechnen sie mit einer Abnahme um 10.000. Im November hatte die BA 2,713 Millionen Arbeitslose registriert.

Von der Höhe der Dezemberzahlen hängt ab, ob im vergangenen Jahr im Durchschnitt die geringste Arbeitslosigkeit seit 19 oder seit 20 Jahren verzeichnet wurde. Bei einem geringen Dezemberanstieg würde der Jahresdurchschnitt von 2,979 Millionen im Jahr 1992 voraussichtlich noch unterboten.

Bei der Erwerbstätigkeit preschte das Statistische Bundesamt vor und vermeldete bereits am Montag für 2011 das Allzeithoch von 41,04 Millionen Erwerbstätigen mit Wohnort in Deutschland. Das seien 535.000 mehr gewesen als im Jahresschnitt 2010.

Uneinig sind sich die verschiedenen Ökonomen der Banken beim Blick nach vorn: während einige mit einer leichten Konjunkturdelle mit vorübergehend steigenden Arbeitslosenzahlen in der ersten Jahreshälfte 2012 rechnen, sehen andere bereits eine deutliche Auflockerung am Konjunkturhimmel. Zu den Optimisten gehört Allianz-Volkswirt Rolf Schneider. Der Experte rechnet für das Jahr 2012 mit einem Wirtschaftswachstum von einem Prozent - und ist damit deutlich optimistischer als die meisten seiner Kollegen. Er geht davon aus, dass es nach einer kurzen Stagnationsphase 2012 mit dem Arbeitsmarkt schon bald wieder bergauf geht.

Kommentare (21)

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Account gelöscht!

02.01.2012, 11:58 Uhr

Preis = Nachfrage/Angebot.

Die Löhne(Preis) müssten steigen bei erhöhter Nachfrage.

Tun sie aber nicht. Deshalb KANN es keine erhöhte Nachfrage geben.

Geschätze 6-8Mio tatsächliche Arbeitslose;
Die Masse der Stellenangebote von Leiharbeitsfirmen zu Dumpinglöhnen, Stundenlöhne von < 5€ keine Seltenheit.

Wo ist da die Nachfrage?

Thomas-Melber-Stuttgart

02.01.2012, 12:17 Uhr

Nachfrage gibt es doch, bloß eben kein Angebot zu den ausgelegten Konditionen. Die Preisuntergrenze (Entlohnung für den Lebensunterhalt) wurde ja schon durch das "Aufstocken" abgesenkt.

Account gelöscht!

02.01.2012, 12:23 Uhr

Ja, das mit dem Aufstocken ist üblich. Der Arbeitgeber zahlt, das er brilliant leben kann, und die Arbeitnhemer schickt er aufs Amt, um sich dort die Differenz zum H4 zu holen.
Somit subventioniert der Steuerzahler auch hier den Reichtum vieler "Unternehmer".

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