Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.08.2015

09:07 Uhr

Menschen bei Maischberger

Antifa-Til im deutschen Talkshow-Brei

VonSteffen Daniel Meyer

„Verfassung ändern“, „USA sind für den Scheiß verantwortlich“, Banken- statt Flüchtlingsrettung. Til Schweiger galoppierte bei „Menschen bei Maischberger” durch das linke Argumentationsspektrum. Niemand ging darauf ein.


„Sie gehen mir auf den Sack, echt!” raunzte Schauspieler Til Schweiger den CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer an. Der Politiker hatte zuvor Schweigers Vorschlag, den Soli für Flüchtlingshilfe zu nutzen, als „albern” bezeichnet. Später entschuldigte sich Schweiger dafür („Tschuldigung”). Der Ausfall geschah am Ende seiner langen Ausführungen zur Flüchtlingspolitik in der Sendung „Menschen bei Maischberger”. In ihrer Radikalität erreichten diese wohl selten ein so großes Fernsehpublikum: Es war eine Mischung aus antifaschistischer und antikapitalistischer Rhetorik im Schweiger-Slang.

So knöpfte sich der Filmstar zuerst die rechtsradikalen Demonstranten in Freital vor, die gegenüber eines Asylbewerberheims „Weg mit dem Dreck” skandiert hatten. „Es ist nicht tolerierbar, dass so ein Mob da steht, während da Menschen sind, die vor Krieg und Elend geflohen sind”, sagt Schweiger. Gegen diesen „Mob“ müsse die Politik vorgehen: „Es würde reichen, wenn die Politiker einfach zwei Hundertschaften da hinschicken, die Leute einkassieren und sagen ‘Heute Nacht bleibt Ihr mal im Knast und denkt mal ein bisschen drüber nach, was Ihr hier macht und morgen kommt Ihr nicht mehr hier her’.”

Der Schauspieler könne nicht verstehen, dass das nicht möglich sei. „Da kommt man immer mit Versammlungsrecht. Da muss man irgendwie die Verfassung ändern. Die Verfassung kann doch nicht die Leute beschützen, die nichts anderes vorhaben, als die Verfassung abzuschaffen und zu bekämpfen.”

So kommen die Flüchtlinge nach Europa

Lampedusa

Lampedusa ist ein beliebtes Ziel für Flüchtlingsboote. Die italienische Mittelmeerinsel liegt nahe der nordafrikanischen Küste. Doch es gibt noch andere Routen über die Flüchtlinge nach Europa gelangen.

Quelle: Frontex Annual Risk Analysis 2013

Osteuropäische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 407

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Ukraine: 330
Afghanistan: 52
Vietnam: 47

Balkan-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 5.634

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Afghanistan: 1.693
Syrien: 1.139
Kosovo: 979

Östliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 12.962

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 8.241
Afghanistan: 2.488
Somalia: 760

Albanien-Griechenland Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.515

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Albanien: 3.466
Mazedonien: 14
Georgien: 13

Apulien und Kalabrien

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 7.751

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Syrien: 3.040
Nigeria: 684
Eritrea: 475

Zentrale Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 56.446

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Eritrea: 17.829

Unbekannt: 9.494
Syrien: 8.588

Westliche Mittelmeer-Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 3.331

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Mali: 783
Kamerun: 730
Guinea: 294

Westafrikanische Route

Irreguläre Grenzübertritte 2014 (Januar-Juni): 146

Top 3-Herkunftsländer der Migranten:
Marokko: 30
Mali: 24
Guinea: 16

Schweiger trägt damit Argumente in eine deutsche Talkshow, die oft nur in Kreisen der Antifa zu hören sind, also in linksradikalen und autonomen Gruppen, die als Feindbild den Faschismus auserkoren haben. Deren Mitglieder blockieren häufiger Nazi-Aufmärsche und versuchen Demonstrationen rechter Gruppierungen aufzuhalten, teilweise mit Gewalt. Eine Beschneidung der Versammlungsfreiheit für rechtsradikale Gruppen würden Teile der Antifa-Bewegung sicherlich bejahen.

Genauso ist in Antifa-Kreisen harsche Kritik an der Außenpolitik der Vereinigten Staaten verbreitet. So wie auch bei Schweiger. Mit Hinblick auf die Flüchtenden aus dem Nahen Osten sagt er: „Die Amerikaner, unsere Hauptverbündeten, sind für den Scheiß verantwortlich, weil sie unter ‘ner Lüge in den Irak reingegangen sind, um konsequent ihre wirtschaftlichen Interessen zu verfolgen.”

Die USA hätten zudem die Terrormiliz IS „rummachen lassen”. US-Präsident Barack Obama habe die Terrormiliz “Islamischer Staat” unterschätzt, welche mittlerweile große Teile Iraks und Syriens kontrolliert. Obama habe sie als „Milchbubis” abgetan und nichts gegen sie unternommen.

Kommentare (49)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Frau Baur- Warendorf

19.08.2015, 09:30 Uhr

"Manta, Manta"

Herr Reinhard Rupsch

19.08.2015, 09:56 Uhr

Statt Til Schweiger mit seinen dumpfen linken Parolen hätte man lieber Frauke Petry, AfD, wieder einladen sollen.
Damit hätte die Sendung wesentlich an Substanz gewannen!

Account gelöscht!

19.08.2015, 10:00 Uhr

Dieser Till Schweiger knöpft sich da keinen vor....dieser Till Schweiger ist ein Stammler, der nichts auf die Reihe bekommt. Er hetzt gerade gegen das, was momentan im Mainstream angesagt ist uns macht auf dieser Welle seine Geschäfte....mit dem Strom zu schwimmen war schon immer einfacher für das Geschäfte machen bzw. für das Image anstatt gegen den Strom anzuschwimmen. Und wo man ganz eindeutig sieht, dass er das Thema Asyl für sein Image vereinnahmt, ist die Tatsache, dass er Grenzzäune, wie dieser in Ungarn...also geschlossene Grenzen, nicht einmal so kritisch gegenübersteht....dieser Schweiger hat keinen Plan und widerspricht sich in seiner Haltung. Reine PR macht Till Schweiger auf dem Rücken der Flüchtlinge und der deutschen Bevölkerung.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×