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13.05.2013

06:21 Uhr

Menschenversuche in der DDR

Unternehmen drohen Schadenersatzforderungen

Auf westdeutsche Pharmakonzerne, die Menschenversuche in der DDR betrieben haben sollen, kommen möglicherweise Klagen zu. Ein Experte rät den Unternehmen daher, Opfern Entschädigungsangebote zu machen.

Vorwürfe gegen westdeutsche Pharmaunternehmen: 50.000 Menschen dienten als Testpatienten. Nicht immer wussten sie das auch. dpa

Vorwürfe gegen westdeutsche Pharmaunternehmen: 50.000 Menschen dienten als Testpatienten. Nicht immer wussten sie das auch.

BerlinDer Direktor der Stasiopfer-Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen, Hubertus Knabe, geht davon aus, dass auf die an den Medikamentenversuchen in der ehemaligen DDR beteiligten Unternehmen Schadensersatzforderungen zukommen werden. „Es gibt eine Reihe von Anwälten, die nur darauf warten, die Ansprüche von Opfern zu vertreten. Da es sich meist um weltweit agierende Konzerne handelt, können diese auch in den USA geltend gemacht werden, wo sie leichter durchgesetzt werden können", sagte Knabe Handelsblatt Online. "Die Firmen wären daher gut beraten, eigene Vorschläge zur Schadensregulierung zu machen."

Hintergrund ist ein Bericht des "Spiegel". Demnach ist das Ausmaß der Arzneimitteltests westdeutscher Pharmaunternehmen in DDR-Kliniken offenbar größer als bisher bekannt. In mehr als 50 Kliniken sollen über 600 Medikamentenstudien in Auftrag gegeben worden sein. Mehr als 50.000 Menschen sollen - teils unwissentlich - als Testpatienten gedient haben. Für einzelne Studien seien viele hunderttausend D-Mark gezahlt worden.

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Berichte über Medikamententests in DDR-Krankenhäusern sind nicht neu. Bereits 1991 hatte eine Kommission in den Kliniken Ost-Berlins „Arzneimittelprüfungen am Menschen“ untersucht, wie das Bundesgesundheitsministerium auf dpa-Anfrage mitteilte. Ende 2012 war in Medienberichten von rund 165 Medikamentenstudien die Rede gewesen.

Der „Spiegel“ schreibt nun, dass mehrere Testreihen wegen Todesfällen abgebrochen werden mussten und beruft sich auf Akten des DDR-Gesundheitsministeriums, der Stasi und des Instituts für Arzneimittelwesen der DDR.

Knabe forderte eine umfassende Untersuchung der Vorgänge. "Wenn es stimmt, dass in Ostdeutschland mehr als 50.000 Menschen als Testpatienten missbraucht wurden, handelt es sich um einen der größten Medizinskandale der Nachkriegsgeschichte", sagte er. "Die Bundesregierung ist in der Pflicht, für Aufklärung zu sorgen und vor allem die Betroffenen zu informieren." Für die Durchführung der Untersuchung kämen der Forschungsverbund SED-Staat in Berlin und das Karl-Sudhoff-Institut für Geschichte der Medizin in Leipzig in Frage.

Kommentare (8)

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FraAu

13.05.2013, 07:33 Uhr

Nicht der Spiegel berichtete 1991 sondern in der Tagesschau vom 10.11.1989 und vom 15.01.1990 wurde über die Medikamententests an der Berliner Charite berichtet. Passiert ist danach gar nichts oder nicht sehr viel. Jetzt wird es mal wieder aufgewärmt und der schlafende und vergessene Ostbeauftragte ist nun mal wieder aufgewacht und fordert jetzt vehement was ein, als ob die Wiedervereinigung erst gestern stattgefunden hat. Frag mich nur, was die all die Jahre so gemacht haben. Aber immer schonungslos und absolut aufklären... Wir kennen ja bereits was darunter zu verstehen ist. Nichts Neues die ganze Geschichte.

maximilian@baehring.at

13.05.2013, 09:15 Uhr

Scheiß auf den Schadenersatz - stattdessen lebenslänglich in den Knast mit den Verantwortlichen. Erinnert sich jemand an die gezielet FEHLINFORMATIONSKAMPGNE des BR/report zum Thema Sterbehilfe aus Juni 2007.Damals war behauptet worden Sterbehilfe wäre in der Scheiz/den Niederlanden verboten. Das stimmt schlicht und egreifend nicht!

http://www.swr.de/report/presse/-/id=1197424/pim=true/pim=true/nid=1197424/did=2207382/1w752ia/index.html

http://www.spiegel.de/panorama/sterbehilfe-in-der-schweiz-dignitas-laesst-zwei-deutsche-im-auto-sterben-a-515854.html

Ich halte die ZUKCERerkrankungen die in Folge eines Eli-Lilly Medikaments auftreten ebenfalls für einen Hoax!

http://static.twoday.net/oraclesyndicate/files/Quellen.htm

Account gelöscht!

13.05.2013, 09:26 Uhr

Mal nachsehen: Strafrechtlich ist das Verjährt. Zivilrechlich kann man die Firmen nicht für das Fehlverhalten der DDR verantwortlich machen. Es hätte ja auch mit Zustimmung der einzelnen Personen gemacht werden können.

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