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03.09.2012

17:30 Uhr

Merkel baut auf Schäuble

Stabilitätsanker einer zerrissenen Koalition

VonDietmar Neuerer

Dass Angela Merkel so beliebt ist bei den Bürgern, hat vermutlich damit zu tun, dass sie als Kanzlerin nicht marktschreierisch zu Werke geht. Ihre Koalition bietet dagegen ein Bild der Zerstrittenheit. Woran liegt das?

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Vizekanzler und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP).

DüsseldorfIrgendwann nach ihrem Aufstieg zur Kanzlerin vor sieben Jahren wurde Angela Merkel der Spitzname „Mutti“ verpasst. Ein Charakteristikum, das bis heute nicht zu der nüchternen Naturwissenschaftlerin passt. Weder gibt sich die 58-Jährige besonders mütterlich noch tritt sie auf wie ein tüdeliges Muttchen. Damals belächelten führende Christdemokraten die Frau aus dem Osten und sahen in ihr immer noch eine Übergangslösung. Inzwischen ist von ihnen so gut wie keiner mehr im Amt. Heute wird „Mutti“ eher gefürchtet.

Heute ist Merkel eher die „eiserne Kanzlerin“, die nicht marktschreierisch auftritt, sondern sich konsequent an den Sachthemen abarbeitet und dabei ihre Positionen durchdrückt. Aufkeimende Kritik, ob aus den eigenen Reihen oder der Opposition, lässt sie meist unkommentiert stehen – mit dem Effekt, dass Attacken gegen ihre Politik schnell wieder zum Erliegen kommen.

Merkels Wackelkandidaten, Merkels Konstanten

Sollten folgende Minister auch 2013 im Amt bleiben?

Die schwarz-gelbe Koalition hangelt sich von einem Streit zum nächsten. Ob die Regierung von Angela Merkel (CDU) nach der Bundestagswahl 2013 noch Bestand haben wird, ist ungewiss. Welche Minister die Bevölkerung auch weiterhin im Amt sehen will, hat das Meinungsforschungsinstitut Emnid für die „Bild am Sonntag“ ermittelt. Befragt wurden am 19. Juli insgesamt 500 repräsentative ausgewählte Personen.

Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU)

Ja: 62

Nein: 22

Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU)

Ja: 59

Nein: 32

Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU)

Ja: 57

Nein: 25

Umweltminister Peter Altmaier (CDU)

Ja: 55

Nein: 23

Bildungsministerin Annette Schavan (CDU)

Ja: 52

Nein: 33

Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU)

Ja: 52

Nein: 35

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP)

Ja: 51

Nein: 32

Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU)

Ja: 50

Nein: 40

Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU)

Ja: 49

Nein: 32

Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP)

Ja: 45

Nein: 36

Familienministerin Kristina Schröder (CDU)

Ja: 42

Nein: 47

Außenminister Guido Westerwelle (FDP)

Ja: 37

Nein: 55

Entwicklungsminister Dirk Niebel (FDP)

Ja: 32

Nein: 37

Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP)

Ja: 25

Nein: 62

Dass sie mit dem, was sie tut, goldrichtig liegt,  belegen alle Umfragen der jüngeren Zeit: Sie bescheinigen Merkel beste Beliebtheitswerte in der Bevölkerung und der Union den Platz eins der Parteien - trotz Euro-Krise und dem zum Teil desaströsen Auftreten ihrer schwarz-gelben Koalition. Doch es ist nicht alles eitel Sonnenschein. Merkels Regierung erscheint nicht wie ein Bündnis aus einem Guss. Nicht alle Minister ziehen mit ihr an einem Strang. Und auch in der Koalition rumort es gewaltig. Wer sind die Unruhestifter – und wer die Leisetreter in Merkels „Wunschkoalition“? Ein Überblick.

Kommentare (7)

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Vatti

23.08.2012, 15:52 Uhr

"Heute ist Merkel [...] sich konsequent an den Sachthemen abarbeitet und dabei ihre Positionen durchdrückt."
Au weia, in welchem Parallel-Universum leben denn die HB-Redakteure? Welche "Positionen"? Hat Mutti denn eigene? "Positionen" in Form von "Überzeugungen" gibt es ja wohl gar keine und abgearbeitet wird so, wie es sich die demoskopische (Wähler-)Mehrheit gerade wünscht.
Ansonsten wird dem großen Vorbild Helmut Kohl nachgeeifert und ausgesessen. Merkels "Stärke" ist wohl eher die Schwäche der Opposition, wie schon zu Kohls Zeiten. Dazu kommt, dass die Neigung der Deutschen, den Kanzler zu wechseln, gering ist, solange es ihnen wirtschaftlich gut geht. Mutti im Glück ...

DERRichter

23.08.2012, 19:16 Uhr

Merkel ist nicht beliebt, aber der Mehrheit der Bürger schwant, dss es mit Rot-Grün im Hinblick auf Wirtschaftspolitik, Europa und Eurokrise noch schlimmer kommen würde. Da ist das halbe Übel willkommener als das ganze Übel.

Matthes

03.09.2012, 18:04 Uhr

Sie hat doch niemand mehr. Schäuble, Altmeier, v.d.Leyen, de Maiziere. Lauter Typen, die nur Einäugige unter Blinden sind. Und mit denen eiert sie durch die Politik. Von Stabilität kann da keine Rede sein. Und Deutschland wird vom EU-Ausland an die Wand gedrückt und ausgenommen. Und sie merken es wahrscheinlich nicht einmal.

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