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29.02.2016

06:31 Uhr

Merkel bei Anne Will – ein Kommentar

Madame Zuversichtlich

VonThomas Sigmund

In einer Talkshow wendet sich Angela Merkel ans Volk. Sie verteidigt ihren Kurs in der Flüchtlingskrise – und verstört ihre Kritiker. Denn für Merkel ist klar: Es gibt nichts, was sie von ihrem Weg wird abbringen können.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) und die Moderatorin Anne Will vor Beginn einer Sendung mit dem Thema "Debatte über Flüchtlingspolitik in Deutschland". dpa

Merkel zu Gast bei Anne Will

Bundeskanzlerin Angela Merkel (rechts) und die Moderatorin Anne Will vor Beginn einer Sendung mit dem Thema "Debatte über Flüchtlingspolitik in Deutschland".

BerlinSollte man Angela Merkels Regierungsstil mit einem Wort beschreiben, wäre einem "Entschlossenheit" nie eingefallen. Wer die Kanzlerin am Sonntag Abend in der Talkshow „Anne Will“ erlebt hat, wird das nicht mehr sagen können. „Meine verdammte Pflicht und Schuldigkeit besteht darin, dass dieses Europa einen gemeinsamen Weg findet“. So kämpferisch hat man Merkel selten erlebt.

Neues gab es allerdings nicht. Schon bei ihrem ersten Auftritt im vergangenen Jahr bei „Anne Will“ verteidigte Merkel ihre Botschaft vom „Wir schaffen das“. Auch diesmal sah sie die Lösung in der Bekämpfung der Fluchtursachen in Syrien, sie setzt weiter auf Verhandlungen mit der Türkei und die Sicherung der Außengrenzen.

Das ist schon mutig, vielleicht auch naiv, angesichts des steigenden politischen Drucks auf sie und der Zahl von Flüchtlingen, die jeden Tag in Griechenland ankommen. Doch wer auch immer erwartet hatte, die Kanzlerin werde kurz vor den wichtigen Landtagswahlen im März umsteuern, muss sich auch nach diesem Abend weiter gedulden.

Merkel bei Anne Will: „Nein, ich habe keinen Plan B“

Merkel bei Anne Will

„Nein, ich habe keinen Plan B“

Innerhalb von nur fünf Monaten erklärt sich Angela Merkel zum zweiten Mal in einem Solo-Interview ihrem Volk. Sie zeigt sich von ihrer Linie überzeugt und macht auch klar: Es gebe nichts, was sie davon abbringen könne.

„Nein, ich steuere nicht um“, sagte sie, als sie gefragt wurde, ob es nicht Zeit sei einzulenken. Sie sprach sich erneut gegen die Einführung von Obergrenzen aus, wie sie die CSU seit Monaten fordert. Sie habe sich vorgenommen, in einer so ernsten Debatte nicht zu versprechen, „was drei Wochen hält und nachher nicht mehr“.

Sie habe keinen Plan B, sie glaube an Plan A. In Berlin kursieren zwar andere ernstzunehmende Szenarien. Zur Schließung der nationalen Grenzen im Fall der Fälle heißt es etwa im Bundesinnenministerium: „Über so etwas diskutiert man nicht, das macht man.“

Am Wochenende war auch bekannt geworden, dass sich die bayerische Polizei bereit halte, jederzeit ein robustes Grenzregime wie in Österreich einzuführen. Offiziell sagte Merkel auf die Frage, ob sie solche Überlegungen habe: „Nein, habe ich nicht.“

Kommentare (163)

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Frau ke Schludewig

29.02.2016, 09:00 Uhr

"Die schwarz-rote Koalition habe vieles für Kinder, Eltern, Rentner und Kranken getan"

Ja das stimmt, jetzt haben die Eltern und Rentner weniger Geld als noch vor 10 Jahren. Auch der Bildungsstand ist gesunken. Prima gemacht, da geht ja was...

Account gelöscht!

29.02.2016, 09:03 Uhr

Stur, unbelehrbar, beratungsresistent, realitätsfern und geradezu autistisch in sich selbst verrannt.

Wenn die Union jetzt nicht die Kraft aufbringt, diese Kanzlerin entfernen, werden sich die Wähler in hellen Scharen von der Union abwenden. Sie hat es dann auch nicht besser verdient. So geht Demokratie.

Herr Jordache Gehrli

29.02.2016, 09:03 Uhr

Also Frau Kanzlerin steuert unbeirrt auf die Katastrophe zu. Eine Frage: darf sie das? Wozu sitzt das Parlament eigentlich so rum? Um die Bundestags-Kantine zu bestücken? Demokratie sieht für mich anders aus - und ich denke auch für die Mehrheit in unserem Land. Eine Teilhabe des Volkes an solchen Entscheidungen wäre zwingend erforderlich. Da Merkel sich jedoch aufführt wie eine Diktatorin, zerreißt sie den inneren Frieden von Deutschland und Europa!

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