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21.11.2016

06:16 Uhr

Merkel bei Anne Will

„Man fragt sich, wer sich hinter Mutti versteckt“

VonJulia Rotenberger

Im Interview mit Anne Will gab sich Angela Merkel gewohnt vage. Wahlversprechen? Ansage des politischen Kurses? Fehlanzeige. Für die meisten Gäste der Talk-Show schien das kaum ein Problem zu sein.

Am Sonntag verkündete die Bundeskanzlerin eine weitere Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2017. HC Plambeck

Angela Merkel

Am Sonntag verkündete die Bundeskanzlerin eine weitere Spitzenkandidatur zur Bundestagswahl 2017.

DüsseldorfIm Studio von Anne Will gab sich Angela Merkel (CDU) bescheiden: „Kein Mensch ist alternativlos“, sagte die Kanzlerin im Interview zur Sendung mit dem Thema „Merkels Entscheidung – das richtige Signal in unsicheren Zeiten?“.

Den Alternativen den Weg freimachen möchte die Kanzlerin aber nicht – am Sonntagabend gab sie offiziell bekannt, bei der Wahl 2017 als Kandidatin antreten zu wollen. Zwar erinnere sie sich an ein Interview Ende der Neunziger, in dem sie sagte, mit Politik aufhören zu wollen, bevor sie als ein politisches Wrack enden müsse: „Aber ich habe in den Spiegel geguckt und festgestellt, dass ich das noch nicht bin.“

Die Gäste im Studio

Angela Merkel

Bundeskanzlerin seit 2005 und CDU-Parteivorsitzende

Klaus Wowereit (SPD)

Von 2009 bis 2014 Bürgermeister von Berlin

Giovanni di Lorenzo

Seit 2004 Chefredakteur der „Zeit“

Hans-Joachim Maaz

Psychoanalytiker und Autor. In seinen Büchern porträtiert Maaz die Gefühlswelt von Gesellschaften (etwa der DDR). In Gastbeiträgen und Interviews hat er sich wiederholt mit der Politik Angela Merkels auseinandergesetzt.

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU)

Ministerpräsidentin des Saarlandes

Auch die anderen Gäste im Studio schienen der Meinung zu sein, dass das Schiff „Merkel“ Deutschland noch eine Weile tragen könne. Allen voran Giovanni di Lorenzo. Der „Zeit“-Chefredakteur argumentierte – untypisch für sein Medium – aus einer Position der Angst heraus.  „Wir sollten uns fragen, wie wir heute diskutieren würden, wenn Merkel es nicht machen würde“, sagte er. In Europa krisele es schließlich, Rechte wie Marine Le Pen in Frankreich und Geert Wilders in den Niederlanden seien auf dem Vormarsch. Dass Merkel aber – zumindest im Interview – keine klare Antwort auf die Frage nannte, wie diesen Populisten zu begegnen sei, sah er ihr nach: „So macht sie eben Politik.“

In ihrem Gespräch mit Will blieb die Kanzlerin vage. Immer wieder betonte sie, wie lange sie über die erneute Kandidatur nachgedacht habe, wie sie sich fragte, was sie dem Land und ihrer Partei noch geben könne. Sie stelle sich auf eine schwierige Wahl ein. Und nein, sie werde nicht sagen, ob sie auch dann noch angetreten wäre, wenn Donald Trump die US-Präsidentschaftswahl nicht gewonnen hätte (obwohl Will sie das zweimal gefragt hat).

Eine „Politik von Maß und Mitte“, deren Ziel es sei, den „Zusammenhalt der Gesellschaft“ zu beschwören, wolle Merkel fortsetzen. Ein möglicher Rechtsruck, um AfD-Wähler abzufangen? Nicht doch. Nur einmal stockt Merkel, als die Moderatorin sie fragt, ob sie wirklich antreten wolle oder ob sie glaube antreten zu müssen. Die Pause ist minimal, dann findet die Kanzlerin in ihren gewohnten Ton zurück. Ja, sie wolle, lautet die Botschaft, vorhersehbar und einlullend.

Kanzlerkandidatur

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Kommentare (8)

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Herr Peter Kastner

21.11.2016, 08:28 Uhr

Anne Will als Merkels Hofdame. Erst Nora Illi und jetzt Merkels Monologe. Und dafür müssen wir GEZ bezahlen. Ganz schlimm.

Herr Holger Narrog

21.11.2016, 09:07 Uhr

Die Talkshows des Staatsfernsehens und der staatsnahen Privatsender erspare ich mir seit 30 Jahren weitestgehend.

Üblicherweise sind es sorgfältig ausgewählte Teilnehmer die im Sinne des Systems kommunizieren.
Ab und an lässt man dort eine interessante Person mit Ansichten abseits des Systems als Attraktion auftreten. Diese wird dann eingerahmt und durch die Regie soweit benachteiligt dass diese in einem negativem Licht erscheint.

Rainer von Horn

21.11.2016, 09:27 Uhr

Das mit den "Phrasen" sehe ich genauso wie Herr Maaz. Und die, die vor den "Populisten"warnen, sind doch selbst die allergrössten. Die sehen nur die Gefahr des eigenen Machtverlustes und der Demaskierung.

Zudem glaube ich, dass die Leute, die Merkel "wählen sie damit alles so schön bleibt wie es ist", genau das Gegenteil erreichen werden.

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