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14.07.2014

06:24 Uhr

Merkel im ZDF-Sommerinterview

„Mir egal, Hauptsache gewonnen“

VonChristian Bartels

Angela Merkel zeigte sich im ZDF-Sommerinterview zuverlässiger denn je, sagte ganz ruhig das, was sie sich vorgenommen hatte. Und zeigte nebenbei, dass sie Fußballfloskeln fast schon Otto-Rehhagel-haft beherrscht.

Angela Merkel im Sommerinterview: Die Kanzlerin sagte ruhig und beharrlich das, was sie sich zu sagen vorgenommen hatte Screenshot ZDF

Angela Merkel im Sommerinterview: Die Kanzlerin sagte ruhig und beharrlich das, was sie sich zu sagen vorgenommen hatte

Womöglich hatte sich Angela Merkel gewünscht, dass statt der ARD das ZDF am Sonntagabend das Endspiel der Fußball-WM übertragen hätte. In den Programmfluss der stundenlangen WM-Vorabberichterstattung, mit der die ARD um 19 Uhr längst schon begonnen hatte, hätte sich ihr „Sommerinterview“ prächtig eingefügt. Doch auch wenn es stattdessen im ZDF lief: Wann hat eine Bundeskanzlerin oder ein Bundeskanzler schon mal Gelegenheit, sich in der umfassenden Vorfreude vor einem Fußballfinale, in das die deutsche Nationalmannschaft sogar als Favorit geht, an die Nation zu wenden?

Natürlich hatte Interviewerin Bettina Schausten, die Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, ein Füllhorn voller Fußball-Fragen mitgebracht. Und tatsächlich waren Merkels Antworten aufschlussreich: Schon die arg floskelhafte Einleitungsfrage, ob denn ihr Flug zum Spiel nach Brasilien (vor dem das Interview am Samstag aufgezeichnet worden war) Pflicht oder Vergnügen sei, beantwortete sie eher nicht. „Richtig“ sei es, wenn eine „so tolle Mannschaft“ das Finale erreicht hat, dorthin zu reisen und die Daumen zu drücken.

Die Biographie der Angela Merkel - Teil 1

Die Anfänge

Angela Dorothea Merkel (geb. Kasner) wurde am 17. Juli 1954 in Hamburg geboren. Sie war das erste Kind des evangelischen Theologen Horst Kasner und seiner Frau Herlind.

Die Eltern

Horst Kasner hatte ab 1948 an den Universitäten Heidelberg und Hamburg sowie an der Kirchlichen Hochschule Bethel in Bielefeld Theologie studiert. Seine Frau war Lehrerin für Latein und Englisch.

Umzug in die DDR

Noch 1954, einige Wochen nach der Geburt der Tochter, siedelte die Familie von Hamburg in die DDR über. Für die Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg trat Horst Kasner im Dorf Quitzow (heute ein Ortsteil von Perleberg) eine Pfarrstelle an. 1957 wechselte Kasner dauerhaft nach Templin, um sich am Aufbau einer innerkirchlichen Weiterbildungsstelle zu beteiligen. Angela Merkel wuchs im brandenburgischen Templin auf. Sie besuchte weder Kinderkrippe noch Hort, da ihrer Mutter die Tätigkeit im DDR-Schuldienst verwehrt wurde und sie deshalb Hausfrau war.

Polnische Wurzeln

In Polen erregte 2013 die Entdeckung polnischer Wurzeln von Angela Merkel erhebliche Aufmerksamkeit: Ihr Großvater, der Polizeibeamte Ludwig Kasner, hatte als Ludwig Kazmierczak in Posen gelebt und war später nach Berlin übergesiedelt.

Schulzeit

1961 wurde Angela Kasner an der Polytechnischen Oberschule (POS) in Templin eingeschult. Als Schulkind und Jugendliche wird sie von Lehrern und Mitschülern als eher unauffällig und als sozial gut integriert beschrieben. Auffallend waren ihre herausragenden schulischen Leistungen, insbesondere in Russisch und Mathematik. Sie gewann Russisch-Olympiaden auf verschiedenen Ebenen bis zur DDR-Ebene. In ihrer Schulzeit war sie Mitglied der Pionierorganisation Ernst Thälmann und später der Freien Deutschen Jugend (FDJ). 1973 legte sie an der Erweiterten Oberschule (EOS) in Templin mit einem Notendurchschnitt von 1,0 das Abitur ab.

Religion

Merkel nahm nicht an der in der DDR üblichen Jugendweihe ihres Jahrgangs teil, stattdessen wurde sie am 3. Mai 1970 in der St.-Maria-Magdalenen-Kirche in Templin konfirmiert.

Studium in Leipzig

Merkel hatte sich bereits während ihrer Schulzeit für das Studium der Physik an der damaligen Karl-Marx-Universität entschieden und begann 1973 ihr Studium in Leipzig. Merkels Diplomarbeit aus dem Juni 1978 mit dem Titel Der Einfluß der räumlichen Korrelation auf die Reaktionsgeschwindigkeit bei bimolekularen Elementarreaktionen in dichten Medien wurde mit „sehr gut“ bewertet. Die Arbeit war gleichzeitig auch ein Beitrag zum Forschungsthema Statistische und Chemische Physik von Systemen der Isotopen- und Strahlenforschung im Bereich statistische und physikalische Chemie am Zentralinstitut für Isotopen- und Strahlenforschung der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW).

Akademie der Wissenschaften

Nachdem 1978 eine Bewerbung an der Technischen Hochschule Ilmenau gescheitert war, ging Merkel mit ihrem Mann nach Ost-Berlin. Hier nahm sie eine Stelle am Zentralinstitut für physikalische Chemie (ZIPC) der Akademie der Wissenschaften der DDR in Berlin-Adlershof an. Am Zentralinstitut arbeiteten rund 650 Personen, davon etwa 350 Wissenschaftler. Merkel arbeitete in der Abteilung Theoretische Chemie.

Dissertation

Am 8. Januar 1986 reichte sie ihre Dissertation Untersuchung des Mechanismus von Zerfallsreaktionen mit einfachem Bindungsbruch und Berechnung ihrer Geschwindigkeitskonstanten auf der Grundlage quantenchemischer und statistischer Methoden ein. Die Arbeit wurde mit „sehr gut“ (magna cum laude) bewertet. Nach der damaligen Promotionsordnung musste dem Antrag auf Promotion der Nachweis beigefügt werden, dass die während des Studiums erworbenen Kenntnisse des Marxismus-Leninismus („ML“) wesentlich vertieft und erweitert worden waren. Merkel fertigte zum Nachweis eine schriftliche Arbeit mit dem Titel „Was ist sozialistische Lebensweise?“ an, die mit „genügend“ (rite) bewertet wurde. Doktorvater war der Leiter der Abteilung Theoretische Chemie am ZIPC Lutz Zülicke. Nach der Promotion zum Doktor der Naturwissenschaften (Dr. rer. nat.) wechselte Merkel innerhalb des Instituts in den Bereich Analytische Chemie, in dem Klaus Ulbricht ihr Abteilungsleiter wurde.

Jede Nachfrage, ob Daumendrücken in Berlin nicht genau so viel hilft wie in Rio de Janeiro, hätte bedeutet, Fußballgerede viel zu ernst zu nehmen. Außerdem aufschlussreich: Das Endspiel-Ergebnis wollte Merkel ebenso wenig vorhersagen („Mir ist es egal, Hauptsache gewonnen“) wenig wie kurz darauf ausdrücklich, ob sich durch die Ausreiseaufforderung der Bundesregierung an den obersten Geheimdienstrepräsentanten etwas am US-amerikanischen Verhalten ändern werde. „Wir müssen sehr sehr ruhig und beharrlich sprechen“, lautete der Kern ihrer Antwort auf Schaustens Nachfrage.

Kurzum: Merkel sagte ruhig und beharrlich das, was sie sich zu sagen vorgenommen hatte und auch schon zuvor betont hatte, statt sich im Geringsten zu Spekulationen verleiten zu lassen. Zur aktuellen deutsch-amerikanischen Krise, zu der Bundespräsident Gauck in der Vorwoche im ZDF seine breit zitierte Aussage „Jetzt reicht's auch einmal“ gemacht hatte und zu dem Schausten sich per Fußballüberleitung (deutscher Vorrundensieg gegen die USA) vorgearbeitet hatte, waren das erstens, dass die Geheimdienste sich „auf das Wesentliche konzentrieren“ sollten statt Freunde auszuspionieren, und zweitens, dass über unterschiedliche Auffassungen eben „intensiv“ gesprochen werden müsste.

Kommentare (3)

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Herr Günther Schemutat

14.07.2014, 13:36 Uhr

Angela Merkel steht mit anderen Ostgrössen in einer Reihe wenn es um Wahrheiten geht.

Ob nun : Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen...oder.. mit mir wird es keine Maut geben.. oder...ich bin Freiheitskämpfer gewesen .. Man hat Jahrzehnte Erfahrung im Lügen.

Auch am Sonntag kam nichts aussagendes zu Tage. Nicht einmal ein Tipp zum Spiel sondern nur eine schwammige nichtssagende Aussage. Man müsste die NSE oder CIA befragen können, die kennen sicher die Wahrheiten.

Herr Helmut Paulsen

14.07.2014, 16:01 Uhr

ZDF - GEZ-TV aus der Mülltonne. Abschaffen !!

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Frau Merkels Vater als "Pfarrer im Sozialismus" war gut befreundet mit Pfarrer Gauck aus Rostock. Merkels Vater hatte zu DDR-Zeiten die Aufgabe, die (überwachte) "Kirche im Sozialismus" aufzubauen, wie man lesen konnte. Also innerhalb der Kirche IM's zu werben und politisch zu überzeugen, denn von da ging der innere Widerstand gegen das SED-Regime los (Schwerte zu Pflugscharen, Ausreiseanträge, Familienzusammenführungen usw). Das war Honnecker ein Dorn im Auge und er liess die Kirche unterwandern und überwachen.

Auch der DDR-Widerstandler und KPD-Mitglied Havemann wurde von der Stasi damals belagert und bekam Ausgangsverbot, aber Frau Merkel durfte als Freundin der Familie Havemann ungehindert zu ihm. Warum eigentlich ?

Lothar de Maizaire (IM Cherny) holte Frau Merkel in die Partei "Demokratischer Aufbruch", von wo sie direkt an die Seite von Kohl wechselte als "Kohls Mädchen" oder Abrissbirne-Deutschland, sozusagen.

Lesenswert dazu

http://www.chronik-berlin.de/news/merkel_02.htm

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Die Stasi wurde nach der DDR doch vom NSA übernommen - damit die Deutschen weiter überwacht werden können. Die wurde NIE aufgelöst ... darum lief auch alles so ruhig ab 1989.

Jetzt sind Merkel, De Maizaire, Gauck (IM's und ex-Stasi) an der Macht um uns zu "beherrschen". Die DDR-Unterdrückung wurde auf ganz Deutschland ausgeweitet.

Frau Margrit Steer

14.07.2014, 18:26 Uhr

Volle Zustimmung
IM Erika war doch ihr Name
Nur selstsam, dass unsere gesamte Presse schweigt

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