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12.03.2012

11:24 Uhr

Merkel in Afghanistan

Der Zeitplan für den Truppenabzug wackelt

Bundeskanzlerin Angela Merkel hat Zweifel daran geäußert, dass die Nato wie geplant bis 2014 aus Afghanistan abziehen kann. Der Wille sei da, betonte Merkel. Aber in dem Land gebe es noch zu viele Probleme.

Merkel skeptisch bei Afghanistan-Abzug

Video: Merkel skeptisch bei Afghanistan-Abzug

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Masar-i-Scharif/BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) stellt den Zeitplan zum Abzug der NATO-Kampftruppen aus Afghanistan im Jahr 2014 infrage. Der politische Versöhnungsprozess mit Aufständischen wie den Taliban habe zwar einige Fortschritte gemacht, er sei aber noch nicht auf einem Stand, bei dem man sagen könne, „wir können heute hier abziehen“, sagte Merkel am Montag in Masar-i-Scharif und fügte hinzu: „Und deshalb kann ich auch noch nicht sagen, schaffen wir das bis 2013/2014“. Die Kanzlerin betonte aber: „Der Wille ist da, wir wollen das schaffen, und daran wird gearbeitet.“

Die Schließung des deutschen zivil-militärischen Wiederaufbauteams in Feisabad im Oktober werde ein Test: „Dann werden die afghanischen Kräfte dort ganz alleine die Verantwortung haben. Und gleichzeitig wollen wir die zivile Aufbauarbeit dort natürlich fortsetzen.“ Es werde sich dann zeigen, „ob diese Übergabe in Verantwortung auch wirklich klappt“, sagte die Kanzlerin.

Der Bundeswehrverband begrüßte die Äußerungen der Kanzlerin. „Ich bin immer skeptisch gewesen, was das Datum 2014 betrifft“, sagte Verbandschef Ulrich Kirsch am Montag dem Sender N24. Der Abzugstermin müsse mit „besonders viel Augenmaß“ festgelegt werden. „Denn diejenigen, die heute sehr schnell bereit sind und sagen, raus aus Afghanistan, wären bei Menschenrechtsverletzungen die Ersten, die rufen würden, wieder rein nach Afghanistan. Und das wäre nun der genau falsche Ansatz“, fügte Kirsch hinzu. Er stimme deswegen der Kanzlerin zu.

Anschläge auf deutsche Soldaten

29. Mai 2003 - Mine am ISAF-Camp

Ein Geländewagen fährt in der Nähe des deutschen ISAF-Camps in Kabul auf eine Mine. Ein deutscher Soldat stirbt.

7. Juni 2003 - Sprengstoff im Taxi

In Kabul werden bei einem Selbstmordattentat vier Bundeswehrsoldaten getötet und 29 verletzt. Ein mit 150 Kilogramm Sprengstoff beladenes Taxi explodierte neben einem Bundeswehrbus.

25. Juni 2005 - Sprengfalle in Tachar

In der Provinz Tachar bei Kundus kommen bei einer Entwaffnungsaktion im Distrikt Rustak zwei deutsche Soldaten ums Leben. Die Soldaten waren in eine Sprengfalle geraten.

14. November 2005 - Selbstmordattentäter

In Kabul reißt ein Selbstmordattentäter einen Bundeswehrsoldaten mit in den Tod, zwei weitere werden verletzt.

19. Mai 2007 - Tod auf dem Markt

Bei einem Selbstmordanschlag eines Taliban- Terroristen auf einem Markt in Kundus werden drei Soldaten einer Fußpatrouille getötet, zwei weitere verletzt.

6. August 2008 - Selbstmordattentäter

Bei einem Selbstmordanschlag nahe Kundus werden drei Soldaten verletzt, zwei von ihnen schwer. Einer stirbt Anfang Oktober 2009 an den Spätfolgen.

27. August 2008 - Sprengfalle

Eine Patrouille der Bundeswehr gerät in der Nähe von Kundus in eine Sprengfalle. Ein Soldat stirbt, drei weitere werden verletzt.

20. Oktober 2008 - Selbstmordattentäter

Zwei deutsche Soldaten sterben bei einem Selbstmordanschlag nahe der Stadt Kundus. Die radikal-islamischen Taliban bekennen sich zu dem Anschlag.

29. April 2009 - Hinterhalt

In der Nähe der Stadt Kundus gerät eine Patrouille der Bundeswehr in einen Hinterhalt. Ein deutscher Soldat kommt ums Leben, vier weitere werden verletzt.

23. Juni 2009 - Feuergefecht

Nach einem Feuergefecht in der Region Kundus sterben drei Bundeswehrsoldaten. Sie waren bei einem Ausweichmanöver mit ihrem Transportpanzer umgekippt.

2. April 2010 - Schwere Gefechte

Bei schweren Gefechten im Unruhedistrikt Char Darah südwestlich von Kundus-Stadt werden drei Bundeswehrsoldaten getötet. Acht weitere Deutsche werden schwer verletzt.

15. April 2010 - Ferngezündete Sprengfalle

Bei zwei Anschlägen nahe Baghlan fallen vier Bundeswehrsoldaten. Drei sterben in ihrem gepanzerten Fahrzeug „Eagle IV“ bei der Detonation einer ferngezündeten Sprengfalle. Ein Oberstabsarzt kommt ums Leben, als sein gepanzertes Sanitätsfahrzeug von Aufständischen beschossen wird.

7. Oktober 2010 - Selbstmordanschlag

Ein Selbstmordanschlag der Taliban reißt einen Bundeswehrsoldaten in den Tod. Sechs Soldaten werden verletzt, davon zwei schwer.

18. Februar 2011 - Blutbad im Norden

Bei einem Blutbad im Bundeswehr-Außenposten „OP North“ in der Provinz Baghlan tötet ein afghanischer Soldat zwei deutsche Bundeswehr-Angehörige. Es gab mehrere Schwerverletzte.

25. Mai 2011 - Sprengstoffanschlag auf Patrouille

Bei einem Sprengstoffanschlag auf eine deutsche Patrouille in Afghanistan wird ein Bundeswehrsoldat getötet. Ein weiterer Soldat und ein afghanischer Übersetzer werden verletzt. Der Anschlag ereignete sich in der Unruheprovinz Kundus.

28. Mai 2011 - Anschlag in Tachar

Bei einem Anschlag auf ein Treffen des Gouverneurs der Provinz Tachar unter anderem mit Bundeswehr-Soldaten werden mindestens zwei Deutsche getötet, nach afghanischen Angaben sogar drei. Der deutsche Kommandeur der Internationalen Schutztruppe Isaf in Nordafghanistan, General Markus Kneip, wird demnach verletzt.

Die Kanzlerin war am Morgen zu einem unangekündigten Kurzbesuch nach Afghanistan gereist. In Masar-i-Scharif informierte sie sich über den Einsatz der Bundeswehr und gedachte am Ehrenhain der 52 bislang in Afghanistan getöteten deutschen Soldaten.

Von Masar-i-Scharif aus übermittelte Merkel auch dem afghanischen Präsidenten Hamid Karsai telefonisch ihr Beileid für das von einem US-Soldaten angerichtete Blutbad unter afghanischen Zivilisten mit 16 Toten am Sonntag.

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Camp Marmal in Masar-i-Scharif (Afghanistan). dapd

Bundeskanzlerin Angela Merkel im Camp Marmal in Masar-i-Scharif (Afghanistan).

Kommentare (14)

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Na_wo_ist_ein_Leckerli

12.03.2012, 11:47 Uhr

Was? Noch mehr Tote noch mehr Kosten für den Steuerzahler? Haben die USA jetzt doch "sitz" befohlen?

Account gelöscht!

12.03.2012, 11:51 Uhr



Was soll das? Merkel soll jeden Afghanen eine Heckler und Koch schenken und die BW abziehen.

VonBeknacktenUmzingelt

12.03.2012, 11:58 Uhr

Genau,
für unsere Vollpfosten in der Politik dürfen sich noch ein paar deutsche Soldaten abschlachten lassen.
Wenn ich etwas zu sagen hätte, würden alle Politiker, die deutsche Soldaten nach Afghanistan geschickt haben wegen Beihilfe zum Mord hinter Gittern landen!
Warum?

Weil Neuzeit-Menschen und Steinzeit-Menschen nicht konformgehen können.

Wie bescheuert muss ein Mensch sein,
einer Kuh das Schlittschuhlaufen bei zu bringen?

Oder Demokratie in ein islamisches Land zu bringen…

Da ist er wieder, der Unterschied zwischen Hirn und Verstand…

Man muss in Deutschland kerngesund oder dauerbekifft sein,
um diesen ganzen Schwachsinn ertragen zu können…

Kann mir irgendein Deutscher plausibel vermitteln,
was deutsche Politiker für das deutsche Volk in 40 Jahren
„VORTEILHAFTES“ für das deutsche Volk oder die Bundesrepublik geleistet haben?

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