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26.08.2015

16:58 Uhr

Merkel in Heidenau

Pfiffe für die Kanzlerin

VonAnja Stehle

Sigmar Gabriel hat es getan, nun auch die Kanzlerin: Angela Merkel besucht ein Flüchtlingsheim. In Heidenau empfangen Merkel wütende Demonstranten und verängstigte Flüchtlinge. Lösungen hat sie nicht im Gepäck.

Merkel besucht Flüchtlingsunterkunft

„Keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen in Frage stellen“

Merkel besucht Flüchtlingsunterkunft: „Keine Toleranz gegenüber denen, die die Würde anderer Menschen in Frage stellen“

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HeidenauEs ist heiß, laut, Schweißgeruch füllt den Raum. Feldbetten mit Schlafsäcken stehen auf dem Boden. Einige Flüchtlinge liegen darauf, es gibt so viel Zeit zu vertreiben. Nur Plastikplanen dienen den Menschen als Trennwände. Man hat die Flüchtlinge nach Herkunftsländern unterteilt, sonst gebe es Stress, sagt ein Flüchtling. Hier die Syrer, da die Iraker, dazwischen Afghanistan, und die Afrikaner. Dazwischen springen Kinder, Spielzeug haben sie kaum.

Privatsphäre gibt es hier nicht in dem Gebäude eines ehemaligen Baumarktes. In einem Nebenraum sind fünf Toiletten. Frauen waschen ihre Kinder am Waschbecken. Duschen gibt es nur wenige. Hunderte verzweifelte Seelen wollen heute der Kanzlerin ihr Elend, ihre Angst, ihre Hoffnung zeigen. Was bleibt? Was ändert sich wenn sie wieder geht?

Laute Buhrufe und Pfiffe von draußen kündigen Angela Merkel an. Rechte Demonstranten rufen von der gegenüberliegenden Straßenseite „Volksverräter“, „dem Deutschen Volke“ und „Wir sind das Pack“. Die Polizei hat das Gelände abgesperrt. Die Rufe dringen trotzdem in die Unterkunft. Vizekanzler Sigmar Gabriel, der einen Tag zuvor die Unterkunft besuchte, hatte die Rechtsradikalen als „Pack“ bezeichnet.

Flüchtlinge in Deutschland: Was Angela Merkel in Heidenau erwartet

Flüchtlinge in Deutschland

Was Angela Merkel in Heidenau erwartet

Tagelang wüteten Rechtsextreme vor einer Notunterkunft für Flüchtlinge in Heidenau. Lange hat Angela Merkel dazu geschwiegen. Heute will die Kanzlerin den Ort des Geschehens besuchen. Wir haben uns schon mal umgehört.

Sie ist doch gekommen. In die Region reisen wollte sie sowieso. Die Eröffnung einer Uhrenmanufaktur in Glashütte stand schon lange im Kalender der Bundeskanzlerin. Doch nach den Ausschreitungen vom Wochenende vor der Flüchtlingsunterkunft hat Angela Merkel spontan ihre Pläne geändert, den Besuch in der Flüchtlingsunterkunft vorgezogen, um ein Zeichen zu setzen. Begleitet wird Merkel von dem sächsischen Ministerpräsidenten Stanislaw Tillich und dem Bürgermeister von Heidenau.

Als Merkel die Notunterkunft betritt, scharen sich die Menschen um sie. Einige der Flüchtlinge haben Smartphones, fotografieren. Fast jeder kennt die Kanzlerin. Merkels Bodyguards versuchen ihr den Weg zu bahnen. Merkel spricht auf Englisch mit den Menschen, fragt wie es ihnen gehe. Sie schüttelt Hände, hört zu. Überschwängliche Emotionen sind ihre Sache nicht. Als Merkel zuletzt mit dem Flüchtlingskind Reem sprach, endete das in einem PR-Desaster. Heute soll es anders werden.  Ein Jeside aus dem Irak erzählt, dass er durch das Verfahren in Deutschland von seiner Familie getrennt wurde. Ein Teil seiner Familie sei nun in Süddeutschland untergebracht. Merkel nickt, und sagt, sie wolle sich kümmern.

Kommentare (46)

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Herr Paul Oberste

26.08.2015, 17:07 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Nicht persönlich werden“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

Herr Sebastian Sportmann

26.08.2015, 17:20 Uhr

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Herr Sebastian Sportmann

26.08.2015, 17:22 Uhr

Liebes Handelsblatt.... ein Vorschlag: Kommentarfunktion nur für zahlende Abonnementen. Dann ist die Chance hoch, dass diejenigen die Posten auch die Artikel gelesen haben und nicht nur die Headlines im Netz. Würde der Qualität der Kommentare bestimmt gut tun.

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