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14.01.2015

15:21 Uhr

Merkel und Hollande in Paris

„Merkel macht Dinge immer bewusst“

VonLaura Waßermann

Angela Merkel lehnt Kopf an Kopf mit Francois Hollande: politische Inszenierung oder wahre Anteilnahme? Im Interview sagt Bildanalytiker Michael Klemm, warum sich die Kanzlerin neuerdings als „Frau“ darstellt.

Angela Merkel und Francois Hollande: Ein „Bild“ für die deutsch-französische Freundschaft. AP

Angela Merkel und Francois Hollande: Ein „Bild“ für die deutsch-französische Freundschaft.

DüsseldorfEin Foto von Angela Merkel und Francois Hollande geht seit dem Solidaritätsmarsch in Paris um die Welt: Die deutsche Kanzlerin lehnt ihren Kopf an die Schulter von Frankreichs Präsidenten. Doch was bedeutet die so vertraut wirkende Geste? Im Interview mit Handelsblatt Online analysiert der Medienwissenschaftler und Merkel-Experten Michael Klemm das Bild und erklärt, was die Darstellung der deutschen Politiker bedeutet.

Herr Klemm, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit dem Auftreten der Kanzlerin. Was sehen Sie auf dem Foto von ihr und Francois Hollande?
Michael Klemm: Angenommen, ich kenne weder die beiden Menschen noch den Kontext, in dem das Bild entstanden ist: Ich würde eine Geste einer sehr persönlichen Beziehung sehen, eine Vertrautheit.

Und was sehen Sie, wenn Sie den Kontext nicht außer Acht lassen?
Ich sehe Trauer und Angela Merkel in ihrer Verwandlung: Früher war sie darum bemüht, sich nicht als Frau darzustellen, sondern als Kanzler. Heute versucht sie, femininer zu wirken, geradezu mütterlich. Deshalb gilt sie mittlerweile ja als „Mutter der Nation“. Ich sehe das Bild also als Höhepunkt ihrer Feminisierung; vor allem, weil die Bundeskanzlerin nichts aus einer Laune heraus macht.

Wie meinen Sie das?
Merkel macht Dinge immer bewusst. Sie ist alles andere als nicht-kontrolliert. Also ist dieses Foto eine weitere Inszenierung ihrer Selbstdarstellung. Mit der geradezu intimen Pose zeigt sie Ergriffenheit und Emotionalität in so einer schweren Krisensituation.

Michael Klemm, Medienwissenschaftler. privat

Michael Klemm, Medienwissenschaftler.

Hat es solche bildlichen Momente schon mal gegeben?
Ja, ein wichtiges Beispiel ist das Foto von Helmut Kohl und Francois Mitterrand aus dem Jahr 1984, auf dem die damaligen Staatschefs in Verdun „Händchen halten“. Das hat Versöhnung und Zusammenhalt beider Staaten gezeigt, die deutsch-französische Freundschaft symbolisiert. Genau das gleiche, wie das aktuelle Foto von Merkel und Hollande zeigen soll.

Und was bedeutet das für die Politik Europas, genauer gesagt für die von Deutschland und Frankreich?
Eine Krise ist immer eine Chance für Staatsleute, Größe zu zeigen. Das tun die beiden Chefs hier, auf eine andere Art als sonst. Politiker werden in Deutschland eher als Manager geschätzt, sie räumen Probleme aus dem Weg und gehen selten auf Kuschelkurs. Merkel zum Beispiel hatte es in ihren frühen Kanzlerjahren eher vermieden, körperliche Berührungen mit anderen Politikern auf Fotos zu zeigen. Das hat sich geändert, sie agiert körperlicher und emotionaler.

Das ist untypisch für Deutschland. Wo ist Emotionalität von Politikern denn üblich?
In den USA und Südamerika vor allem. Barack Obama hat von Anfang an die Menschen umarmt – auch auf Fotos. Die Staatschefs von südamerikanischen Ländern zeigen regelmäßig körperliche Nähe mit Politiker-Freunden und dem Volk. Das Merkel-Hollande-Bild symbolisiert also auch eine kleine Annäherung an die amerikanische Politiker-Art.

Wie erklären Sie sich diese Verwandlung, speziell von der Bundeskanzlerin?
Die sozialen Netzwerke dürften einen erheblichen Anteil daran haben. Dort setzt man auf persönliche Geschichten, auf starke Bilder. Also inszeniert sich Merkel in diese Richtung. Das Foto ist nicht umsonst so berühmt geworden in den vergangenen Tagen. Es dürfte noch oft zu sehen sein, beispielsweise bei Jahresrückblicken.

Und was denken Sie, wenn sie den Moment betrachten, in dem das Bild zustande gekommen ist? Es ist schließlich nur eine Momentaufnahme von zwei bis drei Sekunden Realität.
Die Entstehung eines Fotos muss man immer mit in seine Betrachtung einbeziehen. Dennoch: Merkel hat die Augen geschlossen, das ist eine Geste der Empathie. Auf dem Foto und in der Wirklichkeit. Und für die deutsch-französische Beziehung bedeutet das: „Ich stehe an deiner Seite“. Dermaßen vertraute Aufnahmen – beispielsweise mit Ehemann Joachim Sauer gibt es von ihr eben nicht.

Michael Klemm ist Professor für Medienwissenschaft an der Universität Koblenz-Landau.

Kommentare (15)

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Frau Bärbel Meier

14.01.2015, 15:29 Uhr

Dermaßen vertraute Aufnahmen – beispielsweise mit Ehemann Joachim Sauer gibt es von ihr eben nicht.
Ne wird man auch nie bekommen, wenn man bedenkt das die Frau lesbisch ist

Herr Woifi Fischer

14.01.2015, 15:31 Uhr

Merkel und Hollande: ein Bild der Inszenierung?„ Merkel macht Dinge immer bewusst“!

Dieses Bild ist erschreckend für den Michel, Erika hat sich in den Herrn Hollande verliebt?

Was sagt nun seine Freundin zu diesem Auftritt?

Ich bin der festen Meinung, jetzt hat Erika wirklich den Bogen des Anstandes überspannt.

Erika, bitte tretet sofort zurück, es reicht mir mit dir, du hast die deutschen Interessen verraten, und Politik hast du noch nie für unser Land gemacht.

EIN BILD DER SCHANDE DIESE ERIKA:
Alternativlos.

Account gelöscht!

14.01.2015, 15:39 Uhr

Man könnte glatt meinen, da steht ein verliebtes Paar in der Gegend herum und träumt naiv von einer rosaroten Welt.
Ist halt nur unsere "Image-Pflegerin" Machterhaltung Merkel und dieser Sozialistische "nichtsnutz-Frauenheld" Hollande.

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