Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.03.2017

17:14 Uhr

Merkel und Leutheusser-Schnarrenberger

Haltung verbindet

VonAndreas Neuhaus

Die FDP-Politikerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat ein Buch geschrieben. Bei der Präsentation zeigt sich Kanzlerin Angela Merkel in bester Laune und erklärt, was sie mit der ehemaligen Justizministerin verbindet.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) mit der ehemaligen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger. dpa

Buchvorstellung Leutheusser-Schnarrenberger

Bundeskanzlerin Angela Merkel (r.) mit der ehemaligen Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

BerlinSchon zu Bonner Zeiten saßen Angela Merkel und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gemeinsam im Kabinett von Helmut Kohl. Als der CDU-Kanzler einst während einer Sitzung die Umweltministerin Merkel in den Senkel stellte, soll es die FDP-Justizministerin Leutheusser-Schnarrenberger gewesen sein, die ihrer Kollegin zur Seite sprang. Merkel hat es ihr, so wird berichtet, nie vergessen.

Diese Anekdote würde erklären, warum ausgerechnet Angela Merkel sich Zeit dafür nimmt, das neue Buch von Sabine Leutheusser-Schnarrenberger vorzustellen. Morgens sprach die Kanzlerin noch das Grußwort zur Veranstaltung „Africa meets business“, abends bedient sie die Konservative Seite der CDU, indem sie sich beim Jahresempfang der Vertriebenen blicken lässt.

„Haltung ist Stärke“ heißt das Werk von Leutheusser-Schnarrenberger. Ein Titel, der ebenso gut zur aktuellen Situation der Kanzlerin passen würde. Sie ließ sich weder vom Schulz-Hype noch von der CSU dazu treiben, aggressiver in den Wahlkampf einzusteigen. Merkel behielt mit ihrem unaufgeregten Regierungsstil Recht, die Landtagswahl im Saarland hat die Machtverhältnisse vorerst wieder zurechtgerückt.

Dementsprechend entspannt zeigte sich die Kanzlerin bei der Buchvorstellung im Berliner Haus der Familienunternehmen. Als sie sich dort zunächst neben dem streitlustigen FDP-Politker Gerhart Baum setzt und stattdessen weiter nach links gebeten wird, scherzt sie: „Oh ja, bloß nicht zu nah an Herrn Baum.“ Und als sie in ihrer Buchvorstellung davon spricht, dass Leutheusser-Schnarrenberger einst Mitglied bei den Mindener Stichlingen war, und diese das älteste Amateurkabinett statt -kabarett nennt, lacht sich herzhaft über ihren Versprecher.

CSU-Vorsitzender: Seehofer fordert Ende der CSU-Debatte über Merkel

CSU-Vorsitzender

Seehofer fordert Ende der CSU-Debatte über Merkel

Trotz der tiefen Spaltung seiner Partei demonstriert CSU-Chef Horst Seehofer Einigkeit und ruft seine Anhänger dazu auf, sich im Wahlkampf hinter Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu stellen.

Die kritischen Töne, die Leutheusser-Schnarrenberger in ihrem Buch auch gegenüber Merkel anschlägt, stören jene nicht. Merkel sagt scherzhaft, sie habe von der ehemaligen Justizministerin nichts anderes erwartet. Leutheusser-Schnarrenberger schreibt in ihrem Buch, dass sie für die humanitäre Entscheidung zur vorübergehenden Aufnahme von Flüchtlingen Sympathie habe, benennt aber auch Fehler der Bundesregierung. „Es gab kein umfassendes Konzept zur Aufnahme der Flüchtlinge, zur Bewältigung der Asyl- und Aufenthaltsverfahren, zur Unterstützung der Kommunen und zu den vielen Aspekten der Integration“, schreibt die FDP-Politikerin.

Der unnachgiebige Streit mit der CSU nach der Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge sei ein weiteres Problem. Wobei sich Merkels Ausführungen zu politischen Haltungen dahingehend interpretieren lässt, dass es mit ihr weiterhin keine Flüchtlings-Obergrenze geben werde: „Wenn ich zu der Überzeugung komme, dass meine Persönlichkeit etwas verliert, das mir wichtig ist, dann lohnt es immer sich dafür einzusetzen.“

Kommentare (2)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Enrico Caruso

28.03.2017, 17:20 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Grutte Pier

28.03.2017, 17:33 Uhr

„Wenn ich zu der Überzeugung komme, dass meine Persönlichkeit etwas verliert, das mir wichtig ist, dann lohnt es immer sich dafür einzusetzen.“

Frau Merkel vergisst, dass es im Job als Kanzlerin nicht um "ihre Persönlichkeit geht".
Aber dann wissen ja endlich alle "Bescheid", was der Kanzlerin "wichtig" ist......

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×