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30.10.2012

15:27 Uhr

Merkel versus Steinbrück

Welcher Kanzler kostet mehr?

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück macht keinen Hehl daraus, dass er Steuern erhöhen will. Amtsinhaberin Merkel hält sich bedeckt. Doch auch die CDU macht teure Versprechen. Welche Folgen die Wahl für Ihr Portemonnaie hat.

Peer Steinbrück und Angela Merkel.

Peer Steinbrück und Angela Merkel.

Berlin/DüsseldorfBeim Thema Steuern trennt Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) einiges - zumindest auf den ersten Blick. Der SPD-Kanzlerkandidat macht kein Geheimnis daraus, dass er Steuererhöhungen nicht scheut. Ganz konkret heißt das: Der Einkommensteuer-Spitzensatz soll steigen, die Vermögensteuer wieder eingeführt werden und der Abgeltungsteuersatz von 25 auf 32 Prozent steigen. Insgesamt will Steinbrück so 30 Milliarden Euro pro Jahr in die Kassen spülen. Das Geld soll in Bildung, Infrastruktur und eine bessere Finanzausstattung der Kommunen fließen.

Die Kanzlerin dagegen hält sich mit ihren Steuerplänen bedeckt. Das Wort "Steuererhöhungen" nimmt sie nicht in den Mund. Dennoch könnte auch sie die Bürger teuer zu stehen kommen. Grund dafür sind Projekte wie die Energiewende. Außerdem hat Merkels bayerischer Koalitionspartner CSU teure Pläne für die Familienpolitik in der Schublade. Sie reichen vom Betreuungsgeld bis hin zu einem Babyjahr bei der Rente.

Steinbrücks Programm: Steuern rauf, Renten rauf

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Würde Peer Steinbrück Kanzler, käme es zu einer stärkeren Besteuerung von hohen Einkommen und Vermögen. Das träfe vor allem den Mittelstand. Zudem klagen die Arbeitgeber über die kostspielige Rentenpolitik der SPD.

Wie massiv Steinbrücks Pläne die Wirtschaft treffen, zeigen Berechnungen des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) für das Handelsblatt. Der Modellrechnung zufolge stiege die Steuerbelastung für ein mittelgroßes Unternehmen mit einer Bilanzsumme von rund vier Millionen Euro um gut 14 Prozent. Statt 177 821 Euro müsste das Unternehmen 203 299 Euro Steuern zahlen. Die Steuerlast von größeren Unternehmen mit einer Bilanzsumme von 126 Millionen Euro erhöhte sich sogar um 19 Prozent. Statt 5,5 Millionen Euro müsste das Unternehmen 6,6 Millionen Euro in der Modellrechnung des ZEW an den Staat abführen.

Merkels Programm: Die fiskalpolitischen Probleme kommen durch die Hintertür

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Eine Fortsetzung der Merkel-Kanzlerschaft wirkt aus Sicht von Unternehmern im Vergleich zu Steinbrück als das kleinere Übel. Doch viele negative Auswirkungen der aktuellen Politik werden erst mit der Zeit spürbar.

Die Belastung der Unternehmen steigt vor allem wegen der von der SPD geplanten neuen, mindestens einprozentigen Vermögensteuer und der Anhebung des Spitzensteuersatzes von 42 auf 49 Prozent. Letzteres trifft neben Unternehmern auch Lohnsteuerpflichtige, die mehr als 100 000 Euro im Jahr verdienen. Ein Lediger, der im Monat Einkünfte von 15 000 Euro erzielt, müsste monatlich 554 Euro Steuern zusätzlich zahlen. Bei einem Jahreseinkommen von 600 000 Euro betrüge der Steinbrück-Aufschlag 26 865 Euro pro Jahr.

Kommentare (33)

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Account gelöscht!

30.10.2012, 15:32 Uhr

Sie kosten beide sämtliches Ersparnisse, Nerven, Freiheit und Demokratie....das ist sicher!!!

Account gelöscht!

30.10.2012, 15:37 Uhr

...kann es denn noch teurer werden als die finanziellen Atombomben der Merkelregierung (ESM+Target2) also 1.000.000.000.000 Euro?

Egal wie teuer es wird - wir werden es ohnehin nicht mehr bezahlen können.

Dubidu

30.10.2012, 15:44 Uhr

Beide sind teuer, aber die SPD hat mit "Merkelsteuer das wird teuer" bewiesen, wie flexibel sie bei Wahlversprechen ist. Trotzdem ist nicht zu erwarten, dass dieses Mal wieder das genaue Gegenteil der Versprechungen gemacht wird. Wenn die "Sozialdemokraten" dieses Mal Steuererhöhungen versprechen werden diese vermutlich nicht nach der Wahl gesenkt.
Frau Merkel wird das tun, was in der Staatsraison ist, und Finanz-Machiavelli Wolfgang Schäuble wird es vollstrecken und realpolitisch ausschmücken.

Die Mehrheit der Bevölkerung ist implizit für Steuererhöhungen, um den Transferkreislauf der post-postmodernen Gesellschaft am Laufen zu halten. Nur sollten halt vor allem die Steuern der Anderen erhöht werden und wenn möglich nicht, oder unterproportional, die Eigenen.

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