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25.12.2014

16:23 Uhr

Merkel, Wulff & Co.

Tränen und Triumphe 2014

Das Jahr 2014 bot nicht die großen Emotionen einer Bundestagswahl. Dafür kosteten die Politiker 2014 aber gerne vom WM-Triumph der deutschen Nationalmannschaft. Tränen gab es auch – beispielsweise in Berlin.

Angela Merkel und ihre Jungs: Stolz lässt sich die Bundeskanzlerin mit den Nationalspielern ablichten. dpa

Angela Merkel und ihre Jungs: Stolz lässt sich die Bundeskanzlerin mit den Nationalspielern ablichten.

BerlinNach dem Auszug aus dem Bundestag kommt die FDP aus dem Tal der Tränen nicht mehr raus. Immerhin: Bei der Europawahl gibt es keine Prozenthürde. Dank 3,4 Prozent dürfen drei Abgeordnete ins Parlament. Bei der Landtagswahl in Sachsen, und später auch in Thüringen und Brandenburg setzt es dann wieder vernichtende Niederlagen: In keinem Bundesland schafft die FDP den Einzug ins Parlament. Liberalen-Chef Christian Lindner hofft jetzt auf eine Trendwende bei der Wahl in Hamburg im Februar 2015. „Wir brauchen eine Eisbrecher-Wahl“, lautet seine Ansage. Eisbrecher haben mehrere 10 000 PS - ob die heillos zerstrittene FDP in der Hansestadt solche Kräfte entwickeln kann?

13.06.2014: Wulff kann aufatmen - Freispruch ist rechtskräftig
Dreieinhalb Monate muss der ehemalige Bundespräsident nach dem Urteil noch warten, dann kann Christian Wulff aufatmen: Sein Freispruch vom Vorwurf der Vorteilsnahme ist rechtskräftig. Dieser Triumph zum Ende des Prozesses verschafft vielleicht persönliche Genugtuung. Doch die Verbitterung ist dem ehemaligen CDU-Politiker anzuspüren, wenn er sagt: „Hätte die Staatsanwalt korrekt gehandelt in Hannover und die Aufhebung der Immunität nicht beantragt, wäre ich noch im Amt.“ Für Wulff steht fest: „Ich wäre auch heute der Richtige in dem Amt.“

16.06.2014: Selfie mit Merkel zum WM-Auftaktsieg gegen Portugal
Mit einem gemeinsamen Selfie landen Lukas „Poldi“ Podolski und Kanzlerin Angela Merkel einen Internet-Hit. Wie ein Virus verbreitet sich das Bild der Kanzlerin im Arm des Nationalspielers auf dessen Twitterseite. Ganz versonnen schauen beide in die Kamera. „4:0 Sieg! geiler Start !! Und hier das versprochene Selfie mit der Kanzlerin ! Poldi“, postet Podolski triumphierend. Im roten Blazer ist Merkel auch noch auf einem Gruppenfoto inmitten halbnackter Spieler zu sehen. Dieses Bild postet wiederum Regierungssprecher Steffen Seibert auf Twitter - und kommentiert gewohnt sachlich-nüchtern: „Glückwunsch - perfekter Einstieg ins Turnier!“.

Stärken und Schwächen von Angela Merkel

„Alternativlos“

Das ist eines der Lieblingswörter, wenn Kanzlerin Angela Merkel andere von ihrer Politik überzeugen möchte. Alternativlos ist derzeit für die CDU auch Merkels achte Wahl zur Parteichefin. Die Christdemokraten können sich momentan nicht vorstellen, wer außer der Physikerin aus der DDR die Partei führen sollte.

Ausdauer

Merkel schreibt sich selbst „kamelartige Fähigkeiten“ zu: Reserven anlegen, dosiert einsetzen. Krank ist sie selten - wenn doch, erfährt man es in der Regel nicht. Anders am Montag. Da war ihr so unwohl, dass sie eine Interview-Aufzeichnung unterbrach. Noch am Abend präsentierte sie sich wieder munter. Wer nicht zäh ist, kann Kanzleramt und Parteivorsitz nicht machen.

Geduld

Merkel kann zuhören - und abwarten. Selten reagiert sie im Affekt. So dauerte es lang, bis sie Russlands Präsident Wladimir Putin offen attackierte.

Uneitel

Anhänger wie Gegner schätzen Merkels Bodenhaftung, ihre unaufgeregte Art. Keine Skandale, keine Eskapaden, keine Diva. Oder wie Wolfgang Schäuble sagt: „Die ist nicht so Hurra-mäßig wie bei Napoleon - aber erfolgreicher.“

Ideologiefrei

Merkel zeigt sich erst einmal für alles offen und denkt nicht in den Grenzen der Unionspolitik.

Kein Redetalent

Merkel kann ein Publikum nicht mitreißen. Öffentlich formuliert sie selten scharf und pointiert.

Erklärungsdefizit

Viele Menschen sagen auch, sie wüssten nicht, was Merkels Botschaft sei. Sie erkläre ihre Politik nicht.

Keine Nachwuchsförderung

Dass Merkel so unangefochten in der CDU ist, liegt auch daran, dass sie Konkurrenten kalt gestellt hat und keine Talente gezielt fördert.

Keine Vision

Kritiker beklagen, dass Merkel keine eigenen Ziele entwerfe, sondern Ideen anderer sammele und dann die Mehrheitsmeinung suche, um nicht zu unterliegen.

Nachtragend

Merkel vergisst nichts. Wer bei ihr einmal in Ungnade fällt, ist abgemeldet. Bei nächst passender Gelegenheit zieht sie Konsequenzen. Vor allem viele Männer sehen darin wieder eine Stärke. „Sie kann Rache kalt genießen“, sagt einer aus der Opposition.

13.07.2014: Jogis Jungs holen den Titel - und Merkel ist dabei
Angela Merkel fiebert als Edelfan mit einer schwarz-rot-goldenen Fußballtasche auf der Ehrentribüne des Maracanã in Rio de Janeiro beim Finale der Fußball-WM mit - zusammen mit Bundespräsident Joachim Gauck. „Angie, Angie, Angie“ und „Präsi, Präsi, Präsi“, rufen die Weltmeister nach dem 1:0-Sieg gegen Argentiniern. Danach stößt „Angie“ beim Kabinenbesuch mit Dosenbier an, von den Spielern gibt es sogar Wangenküsschen. Der Triumph ist zwar nicht der Verdienst der CDU-Vorsitzenden, mit Fußball-Nähe können Politiker aber immer Sympathiepunkte sammeln. Etliche Staatspräsidenten gratulieren.

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