Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

14.11.2015

13:29 Uhr

Merkel zu Anschlägen in Paris

„Wir weinen mit Ihnen“

Erschüttert von den Anschlägen in Paris hat sich Kanzlerin Angela Merkel am Morgen an die Franzosen gewandt und „jedwede Unterstützung“ zugesichert. Im Laufe des Tages will sie ihre wichtigsten Minister treffen.

„Wir wissen, dass unser freies Leben stärker ist als jeder Terror“. AFP

Merkel am Morgen in Berlin

„Wir wissen, dass unser freies Leben stärker ist als jeder Terror“.

BerlinBundeskanzlerin Angela Merkel hat Frankreich nach den Terroranschlägen von Paris „jedwede Unterstützung“ zugesichert, die Deutschland bieten könne. „Wir, die deutschen Freunde, wir fühlen uns Ihnen so nah. Wir weinen mit Ihnen“, sagte die CDU-Politikerin am Samstagmorgen im Kanzleramt in Richtung der Opfer. Dieser Angriff auf die Freiheit „meint uns alle“, sagte Merkel. Daher müssten auch alle gemeinsam den Kampf gegen den Terror führen. „Wir wissen, dass unser freies Leben stärker ist als jeder Terror.“

Die Kanzlerin sagte, sie stehe im engen Kontakt mit der Regierung in Paris. Sie werde in Berlin „im Laufe des Tages mit den zuständigen Ministern zusammenkommen“, um über die Konsequenzen für Deutschland zu beraten. Auch als Bürger gelte es nun „eine klare Antwort“ zu geben, betonte Merkel.

Islamistischer Terror in Europa

Seit dem 11. September 2001

Seit den Terroranschlägen in den USA vom 11. September 2001 gab es auch in Europa eine Reihe islamistischer Attentate. Manche Pläne konnten gerade noch vereitelt werden. Beispiele:

März 2004

Bei Sprengstoffanschlägen auf Pendlerzüge in Madrid sterben 191 Menschen, etwa 1500 werden verletzt.

2. November 2004

Der Filmregisseur, Publizist und Satiriker Theo van Gogh wird in Amsterdam auf offener Straße ermordet.

Juli 2005

Vier Muslime mit britischem Pass zünden in der Londoner U-Bahn und einem Bus Sprengsätze. 56 Menschen sterben, etwa 700 werden verletzt.

Juli 2006

Im Kölner Hauptbahnhof werden in zwei Zügen Bomben gefunden, die wegen eines technischen Fehlers nicht explodierten. Der „Kofferbomber von Köln“ wird zu lebenslanger Haft erurteilt.

Januar 2010

Gut vier Jahre nach der Veröffentlichung seiner Mohammed-Karikaturen in der Zeitung „Jyllands-Posten“ entkommt der dänische Zeichner Kurt Westergaard nur knapp einem Attentat.

9. März 2010

Selbstmordanschläge auf die Moskauer Metro mit 40 Toten und 84 Verletzten. Der tschetschenische Terrorist Doku Umarow bekennt sich.

Dezember 2010

Bei einem Sprengstoffanschlag in der Stockholmer Fußgängerzone stirbt der Attentäter. Hintergrund war vermutlich der Einsatz schwedischer Soldaten in Afghanistan.

März 2011

Ein Kosovo-Albaner erschießt am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten und verletzt zwei weitere schwer.

Januar 2011

Bei einem Selbstmordanschlag auf dem internationalen Moskauer Flughafen Domodedowo sterben mindestens 37 Menschen. Die Ermittler machen Islamisten aus dem Nordkaukasus verantwortlich.

Dezember 2013

Bei Selbstmordanschlägen in der russischen Stadt Wolgograd sterben 34 Menschen im Bahnhof und in einem Bus. Islamisten aus dem Nordkaukasus bekennen sich zu den Attentaten.

Mai 2014

Im Jüdischen Museum in Brüssel erschießt ein französischer Islamist vier Menschen. Kurz darauf wird der Mann festgenommen.

7. Januar 2015

Mordanschlag auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo in Paris. Zwölf Menschen fallen dem Anschlag zum Opfer.

13. November 2015

Bei mehreren Sprengstoffexplosionen im Pariser Stadtgebiet sterben 130 Menschen. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat bekennt sich zu dem Anschlag.

Deutsche Sicherheitsbehörden analysieren derweil die Gefährdungslage in der Bundesrepublik. „Deutschland steht unverändert im Fadenkreuz des internationalen Terrorismus“, erklärte das Bundesinnenministerium am frühen Samstagmorgen in Berlin. Die Sicherheitsbehörden stünden mit den französischen Sicherheitsbehörden im engen Austausch. Innenminister Thomas de Maizière habe seinem französischem Amtskollegen jegliche Unterstützung angeboten - darunter war auch Hilfe durch deutsche Spezialkräfte.

Am Samstag will de Maizière mit den Vertretern der Sicherheitsbehörden des Bundes in Berlin über Konsequenzen aus den Attentaten in Paris beraten. Er werde seinen Auftritt beim Landesparteitag der CDU in Sachsen stark verkürzen und dann sofort in die Hauptstadt aufbrechen, hieß es. Das Ministerium ordnete bundesweite Trauerbeflaggung der obersten Bundesbehörden und ihrer Geschäftsbereiche sowie der Behörden des öffentlichen Rechts, die der Aufsicht von Bundesbehörden unterstehen, an. Dies geschehe als Zeichen der Anteilnahme und Solidarität mit dem französischen Volk.

Kommentar: Ein Anschlag auf die Demokratie

Kommentar

Ein Anschlag auf die Demokratie

Die Ereignisse von Paris bergen noch ganz andere Gefahren: Sie könnten den rechtsextremen Front National stärken und die EU schwächen. Ein Kommentar.

Außenminister Frank-Walter Steinmeier bezeichnete die Anschläge am Samstag als „Inferno des Terrors“ und sicherte Frankreich die Solidarität und Anteilnahme Deutschlands zu. „In dieser Stunde des Leidens und der Verzweiflung in Frankreich stehen wir fest an der Seite unserer französischen Freunde“, sagte Steinmeier nach Angaben des Auswärtigen Amtes am Rande der Syrien-Gespräche in Wien.

Die „Dimension des Grauens“ der Anschläge übersteige die Vorstellungskraft eines Jeden, sagte Steinmeier. „Was als Fußballfest, als Freundschaftsspiel der Nationalmannschaften von Deutschland und Frankreich begann, endete als Inferno des Terrors gestern Abend“." Er werde in Wien mit seinem französischen Kollegen Laurent Fabius zusammenkommen und „ihm die Anteilnahme des deutschen Volkes und der Bundesregierung versichern“.

Das 9/11 von Paris?: Terror in Paris erreicht US-Wahlkampf

Das 9/11 von Paris?

Terror in Paris erreicht US-Wahlkampf

Die Nacht der Gewalt in Frankreich ruft in den USA Erinnerungen an die Angriffe auf das World Trade Center in New York wach und heizt die politische Diskussion an.

Bei den fast zeitgleichen Angriffen an mindestens sechs verschiedenen Orten in Paris wurden in der Nacht zum Samstag mindestens 120 Menschen getötet. Die Anschlagsserie begann am Freitagabend während des Fußballspiels Deutschland gegen Frankreich im Pariser Stade de France, bei dem Steinmeier und Frankreichs Präsident François Hollande unter den Zuschauern waren. Das DFB-Team verbrachte die Nacht im Stadion und fuhr am Samstagmorgen direkt zum Flughafen, um nach Frankfurt zurückzufliegen.

Anschlag in Paris

Merkel: „Wir werden mit Ihnen kämpfen“

Anschlag in Paris: Merkel: „Wir werden mit Ihnen kämpfen“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

SPD-Chef Sigmar rief dazu auf, sich auch weiter schützend vor Flüchtlinge zu stellen. „Wir dürfen sie jetzt nicht darunter leiden lassen, dass sie aus Regionen kommen, aus denen der Terror zu uns in die Welt getragen wird“, sagte Gabriel am Samstag in Berlin. „Auch vor ihnen stehen wir schützend.“ Der Vizekanzler verwies darauf, dass im Kanzleramt das Sicherheitskabinett mit Merkel beraten will: „Die Bundesregierung wird heute Mittag die Lage bewerten und mit Entschlossenheit und Augenmaß reagieren und unseren französischen Freunden helfen.“

Deutschland werde alles tun, um den französischen Präsidenten Francois Hollande zu unterstützen, der Täter habhaft zu werden. „Dies schmiedet uns zusammen. Der Anschlag galt uns allen“, sagte Gabriel. „Wir sind als Rechtsstaat, als ein freier Staat immer verwundbar. Trotzdem wollen wir ein offenes Land, eine offene Gesellschaft bleiben.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×