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13.03.2013

11:00 Uhr

Merkel zu Managergehältern

„Maßlosigkeit darf nicht sein“

Die Kanzlerin gibt in der Debatte über Managergehälter ihre Zurückhaltung auf. Noch vor einer Woche wurden Anti-Abzock-Initiativen für unrealistisch gehalten. Jetzt soll bis Sommer eine gesetzliche Regelung her.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). dpa

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

BerlinWie schnell sich der Wind in der Politik drehen kann, zeigt die Diskussion über Managergehälter. Wohl auch befeuert durch die Wahlkampfansage der SPD-Führung um Kanzlerkandidat Peer Steinbrück, der das Thema Soziale Gerechtigkeit in den Mittelpunkt der politischen Auseinandersetzung stellen will, sah sich die CDU-Spitze zu einer Reaktion gezwungen. Ansonsten hätte man den öffentlichen Ärger über die Abzocker in Chefetagen gänzlich den Sozialdemokraten überlassen und hätte damit in Kauf genommen, dass wichtige Wählerstimmen nach links abwandern. Anders lässt sich die plötzliche Kehrtwende von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Koalitionsfraktionen kaum erklären.

Schon die Wortwahl der Kanzlerin beim Thema Managergehälter ist bemerkenswert – und kommt einer Kampfansage gleich. „Maßlosigkeit darf in einer freien und sozialen Gesellschaft nicht sein“, sagte Merkel der Chemnitzer "Freien Presse". Deswegen unterstütze sie etwa Pläne in der EU, zum Teil extrem hohe Bezüge in der Finanzwirtschaft zu begrenzen. Sie verstehe "sehr gut, wenn Menschen über manche Gehälter, die völlig aus dem Rahmen fallen, nur noch den Kopf schütteln können und wollen, dass das aufhört".

Welche Regeln es in Deutschland für Vorstandsgehälter gibt

Vorgaben des Aktienrechts

In Deutschland macht das Aktienrecht börsennotierten Unternehmen eher vage Vorschriften beim Gehalt der Vorstandsmitglieder. Deren Gesamtbezüge müssten zum Beispiel „in einem angemessenen Verhältnis zu den Aufgaben und Leistungen des Vorstandsmitglieds“ sowie zur Lage des Unternehmens stehen, heißt es.

Der Aufsichtsrat

Festgelegt werden die Vorstandsgehälter in Deutschland vom Aufsichtsrat. Die Aktionäre können laut einer Gesetzesänderung 2009 über das Vergütungssystem auf der Hauptversammlung abstimmen, der Beschluss begründet aber „weder Rechte noch Pflichten“.

Corporate Governance Kodex

Etwas umfassender sind die Vorschläge der Regierungskommission zur guten Unternehmensführung im sogenannten „Corporate Governance Kodex“. Die Unternehmen sind gesetzlich verpflichtet, öffentlich zu machen, ob sie diesen Empfehlungen gefolgt sind oder nicht.

Kriterium für die Gehälter sollte demnach auch „die Üblichkeit der Vergütung unter Berücksichtigung des Vergleichsumfelds und der Vergütungsstruktur, die ansonsten in der Gesellschaft gilt“, sein. Falls ein Manager vorzeitig geht, sollen Abfindungszahlungen auf maximal zwei Jahresvergütungen beschränkt werden.



Kodex-Verschärfung

Dieser Kodex soll nun aber verschärft werden, bis hin zur Empfehlung einer Deckelung der Gehälter. Die Höchstgrenzen müsste dann der jeweilige Aufsichtsrat festlegen. Dazu gibt es Änderungsvorschläge, zu denen jeder Bürger per E-Mail an den Vorsitzenden der Regierungskommission, Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller, bis zum 15. März Stellung nehmen kann.



Transparenz

Seit einigen Jahren veröffentlichen große börsennotierte Konzerne gemäß den Empfehlungen des Kodex' die Gehälter des Top-Managements im Geschäftsbericht, früher war dies nicht üblich. Seither wird über die Millionengehälter der Dax-Vorstände auch lebhaft diskutiert. Die Hauptversammlung kann mit einer Dreiviertelmehrheit die Veröffentlichung verhindern.

Das hatte vor einer Woche auch schon Merkels Sprecher, Steffen Seibert, gesagt. Anders als Merkel unterstrich er aber, dass es in der international vernetzten Wirtschaft eher ratsam sei, auf europäische Initiativen statt auf nationale Alleingänge zu setzen. Eine gesetzliche Stärkung der Aktionärsrechte zur Kontrolle von Managergehältern noch vor der Wahl im September sei daher aus Sicht der Bundesregierung unwahrscheinlich.

Was die Seibert-Ansage heute wert ist, sieht man an den neuen Verabredungen in der Koalition. Als die Spitzen der schwarz-gelben Regierungsfraktionen am Dienstagmorgen zusammensaßen, entdeckten sie das Abzocke-Thema für sich: CDU, CSU und FDP wollen nun doch bis zur Sommerpause die Frage der Managergehälter und Boni angehen. In seltener Einigkeit streben sie dabei eine aktienrechtliche Lösung an. Künftig soll die Hauptversammlung über die Vergütung entscheiden.

Gehälter ausgewählter Dax-Chefs 2012

Infineon - Reinhard Ploss / Peter Bauer

Zum Ende des Infineon-Geschäftsjahrs (30. September 2012) wechselte auch der Vorstandschef. Reinhard Ploss übernahm von Peter Bauer den Posten.

Bauer hatte 2011/12 insgesamt 2,9 Millionen Euro verdient und damit etwas deutlich weniger als 2011 (3,7 Millionen Euro).

Kurt Bock - BASF

Der Chef des Chemiekonzerns, Kurt Bock, verdiente mit 5,29 Millionen Euro im Jahr 2012 nahezu unverändert im Vergleich zum Vorjahr. Er hatte sein Amt im Mai 2011 angetreten.

Marijn Dekkers - Bayer

Marijn Dekkers, Niederländer an der Spitze des Chemie- und Pharmakonzerns Bayer, hat im Jahr 2012 insgesamt 5,06 Millionen Euro verdient, nach 4,49 Millionen Euro im Vorjahr.

Stefan Heidenreich - Beiersdorf

Ende April hatte Stefan Heidenreich beim Kosmetikkonzern Beiersdorf das Amt des Vorstandschefs übernommen. Im Jahr 2012 verdiente er 2,6 Millionen Euro.

Herbert Hainer - Adidas

Das Adidas-Ergebnis fiel 2012 vor allem wegen eines schwachen Geschäfts der Marke Reebok nicht so rosig aus. Adidas-Chef Herbert Hainer verdiente 2012 insgesamt 4,18 Millionen Euro und damit 28 Prozent weniger als 2011 (5,14 Millionen Euro).

Heinrich Hiesinger - Thyssen-Krupp

Bei Thyssen-Krupp kämpft Vorstandschef Heinrich Hiesinger mit der Aufarbeitung diverser Skandale und Fehlinvestitionen. Im Geschäftsjahr 2011/2012 (bis 30. September) verdiente er 3,85 Millionen Euro.

Karl-Ludwig Kley - Merck

Der Vorstandschef des Pharmakonzern verdiente 2012 insgesamt 5,52 Millionen Euro und damit fast ein Drittel mehr als 2011 (4,2 Millionen Euro).

Peter Löscher - Siemens

Der Österreicher verdiente im Geschäftsjahr 2011/2012 insgesamt 7,87 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es 8,74 Millionen Euro.

René Obermann - Deutsche Telekom

Ende 2013 gibt René Obermann sein Amt an den jetzigen Finanzvorstand Timotheus Höttges weiter. Obermann verdiente 2012 insgesamt 3,78 Millionen Euro und damit nahezu unverändert so viel wie 2011 (3,85 Millionen Euro).

Wolfgang Reitzle - Linde

Der Linde-Chef hat gesagt, kein Interesse an einer Vertragsverlängerung zu haben. Im Jahr 2012 verdiente er bei dem Industriegase-Spezialisten 6,9 Millionen Euro, fast genau so viel wie ein Jahr zuvor.

Kasper Rorsted - Henkel

Der dänische Chef des Konsumgüter- und Klebstoffkonzerns Henkel, Kasper Rorsted, hat im Jahr 2012 insgesamt 6,18 Millionen Euro verdient, ein sattes Plus von fast 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr (4,79 Millionen Euro).

Peter Terium – RWE

Zur Jahresmitte 2012 hatte Peter Terium den Spitzenposten beim Energiekonzern RWE angetreten. Er verdiente im Jahr 3,8 Millionen Euro, ein sinnvoller Vergleich zum Vorjahr ist nicht möglich.

Martin Winterkorn - Volkswagen

Der VW-Chef erhält rund 14,5 Millionen Euro für das abgelaufene Jahr (2012) und damit 5,5 Millionen weniger, als ihm nach den zuletzt gültigen Kriterien zugestanden hätten.

Damit will VW verhindern, erneut ins Zentrum einer Diskussion um hohe Managementbezüge zu geraten wie 2011, als Winterkorn mehr als 17 Millionen Euro verdiente.

Dieter Zetsche - Daimler

Der Daimler-Vorstandschef hat im vergangenen Jahr inklusive Aktienoptionen 8,15 Millionen Euro verdient. Das war etwas weniger als 2011 (8,65 Millionen Euro).

Quelle

Geschäftsberichte / Hostettler, Kramarsch & Partner

SPD-Chef Sigmar Gabriel fordert einen anderen Weg: "Ich bin dafür, die steuerliche Absetzbarkeit von Managerbezügen und Boni als Betriebsausgaben zu deckeln und das auch auf die riesigen Abfindungen und millionenschwere Pensionszusagen auszuweiten", hatte er dem Magazin "Focus" gesagt.

Kommentare (38)

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Account gelöscht!

13.03.2013, 11:16 Uhr

Mittlerweile wechselt diese Frau ihre Meinungen öfter als ihre Blazer... kann mir irgendjemand sagen, wofür sie eigentlich noch steht?

mono

13.03.2013, 11:18 Uhr

Realsatire.

Account gelöscht!

13.03.2013, 11:20 Uhr

Masslosigkeit" darf es nur beim EU-Budget geben, denn damit wird "Politik gekauft" in Europa und damit werden die Politiker und Beamten "reich" gemacht. Das arbeitende steuerzahlende Volk wird immer weiter nach "unten" gedrückt.

Die neuen "Reichen" ja das sind alle, die sich dem EU-Zentralismus anbiedern oder ihm gänzlich dienen.

Das dumpfe Volk verdient immer weniger und zahlt immer mehr "nach oben". Das ist Merkels Taktik im Auftrage von Brüssel. Zum Schämen ist das !!!

Politiker beuten die Völker aus und unterjochen sie.

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