Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.10.2012

16:29 Uhr

Merkel zum Nobelpreis

„EU ist ein Modell für andere Regionen der Welt“

Die Bundeskanzlerin sieht die Auszeichnung als Antrieb, die EU weiterzuentwickeln. Der Staatenbund sei auch ein Modell für andere Regionen der Welt, sagte Merkel.

Angela Merkel sieht den Friedensnobelpreis für die EU als Ansporn, den Staatenbund weiter zu fördern. dpa

Angela Merkel sieht den Friedensnobelpreis für die EU als Ansporn, den Staatenbund weiter zu fördern.

Celle/Berlin/MünchenBundeskanzlerin Angela Merkel sieht den Friedensnobelpreis für die Europäische Union als Ansporn, die EU weiterzuentwickeln. Die Auszeichnung sei eine Triebfeder für alle, die die EU „zu einem Modell machen wollen, wie auch andere Regionen der Welt besser zusammenleben können“, sagte die CDU-Politikerin am Samstag in ihrem wöchentlichen Internet-Podcast. Der Preis erinnere an die Gründerväter der EU, „die nach dem Zweiten Weltkrieg davon beseelt waren, dass nie wieder Krieg zwischen den Völkern in Europa sein darf“.

Für ihre Verdienste um Versöhnung und Integration in Europa erhält die EU in diesem Jahr den Friedensnobelpreis. Das Komitee begründete die Entscheidung am Freitag damit, dass die EU über sechs Jahrzehnte entscheidend zur friedlichen Entwicklung in Europa beigetragen habe.

„Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass wir die Europäische Union brauchen und dass der Euro weit mehr ist als eine Währung – er ist ein Bekenntnis, zusammenzuhalten“, sagte Merkel weiter. Doch ein gemeinsamer Staat nach dem Vorbild der USA würde die EU ihre Meinung nach überfordern. „Wir sind ja doch Länder mit einer sehr eigenen nationalen Geschichte. Jedes hat seine Sprache, seine Kultur.“

Auf dem niedersächsischen Parteitag in Celle versprach die Kanzlerin am Samstag, den Euro auch gegen die Interessen der Akteure auf den internationalen Finanzmärkten zu verteidigen. „Die Kräfte, ... mit denen wir es zu tun haben, die haben kein Interesse am Erfolg Europas, jedenfalls viele nicht“, sagte Merkel in Richtung der Finanzmärkte. „Viele wetten darauf, dass wir die politische Kraft nicht haben.“ Dies sei aber falsch. Die Europäer würden sich nicht mehr auseinanderdividieren lassen. Deutschland sei entschlossen, die Konstruktionsmängel des Euro zu beseitigen. „Ich habe mich gestern unglaublich gefreut, dass die EU gerade in dieser Phase den Friedensnobelpreis bekommen hat“, betonte sie.

Zugleich forderte die CDU-Vorsitzende angesichts der Debatte über neue Hilfen für angeschlagene Euro-Länder wie Spanien ihre Partei dazu auf, mehr Vertrauen für die Euro-Partner aufzubringen. „Wir haben allen Grund, auch anderen Vertrauen entgegenzubringen“, betonte sie. Die USA und Frankreich hätten dies nach dem Zweiten Weltkrieg auch für Deutschland getan. Vertrauen entstehe allerdings nur daraus, dass sich alle an die Abmachungen hielten. „Wir haben zu viel versprochen, zu viel beschlossen und uns nie daran gehalten.“ Das müsse sich ändern.

Auf dem Parteitag sprach sie auch die Demonstrationen in Athen gegen ihren Besuch an. Sie verteidigte die Demonstranten. „Ehrlich gesagt: Ich war erleichtert“, sagte die CDU-Vorsitzende. Sie finde es schön, „dass ich nach Hause fahren konnte, die Leute konnten protestieren, und alle die, die keine Gewalt angewandt haben, sind hinterher nicht ins Gefängnis gekommen“. Gerade die Einhaltung dieser Grundrechte unterscheide die EU-Staaten von vielen anderen Teilen der Welt. „Man kann demonstrieren. Und ich kann damit fertig werden“, betonte sie. Ihr sei das Demonstrationsrecht sehr wichtig, weil sie selbst 34 Jahre in einem Land gelebt habe, in dem man nicht demonstrieren durfte. „Jeder soll seine Meinung sagen, und dann wird darüber geredet. Das ist Demokratie.“

Merkel war am Dienstag erstmals seit Ausbruch der Griechenland-Krise nach Athen gereist. Zehntausende Menschen protestierten gegen den Kurzbesuch. Die von Tausenden Polizisten weiträumig abgeschirmte Kanzlerin wurde auf Plakaten beschimpft und mit Nazi-Vergleich verunglimpft. Die Demonstranten sehen in Merkel die seit Ausbruch der Krise 2010 auf strikte Haushaltsdisziplin pocht, die Hauptschuldige für den wirtschaftlichen Niedergang des Landes.

Kommentare (64)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

13.10.2012, 14:01 Uhr

Der Preis erinnere an die Gründerväter der EU, „die nach dem Zweiten Weltkrieg davon beseelt waren, dass nie wieder Krieg zwischen den Völkern in Europa sein darf“
------------------------------------
Sie kennt die Gründerväter nicht, sie hat auch gar keinen Bezug zu unserer ehemaligen Europäischen Union.
So sagte es auch Schmidt mal und da hat er Recht
Aber immer wieder bezieht sie sich gerne auf die Altvorderen.
Sie stellte sich ja gestern auch sofort in die Medien und tat so als habe sie persönlich den Friedensnobel-Preis erhalten
Bei keinem andren europ. Reg.-Chef habe ich das gesehen.
Es hat mich nur angewidert, diese krankhafte Geltungsdrang
Und Frieden? Meine liebe Frau Merkel, Sie sind gerade dabei, den Frieden in Europa, den wir 40 Jahre lang hatten,zu zerstören.
Wie Sie auch gerade dabei sind, den Frieden und die Demokratie in unserem Land den wir uns nach 45 aufgebaut haben, zu zerstören.
Sie sind eben leider keine lupenreine Demokratin

Account gelöscht!

13.10.2012, 14:04 Uhr

"die die EU „zu einem Modell machen wollen, wie auch andere Regionen der Welt besser zusammenleben können“,"

@Angela Merkel

Sehr geehrte Frau Merkel,
ich denke nicht, dass andere Regionen Interesse haben, sich täglich Massendemonstrationen ihrer eigenen, verarmten Bevölkerung auseinandersetzen zu müssen.
Auch werden die Staaten, die Sie möglicherweise meinen, kein Interesse an Überschuldung haben. Ebensowenig dürften andere Staaten Bedarf haben, ihre Nachbarn endlos zu finanzieren und selbst bankrott zu gehen.
Und wer will schon gerne von seinen "Freunden" als Nazi beschimpft werden ?

Frau Merkel, Sie haben offenbar den Blick für die Realität dieser Welt vollends verloren. Dabei müssten Sie es doch besser wissen, haben Sie doch gerade erst 7.000 Polizisten für Ihr Überleben in Athen benötigt....

Account gelöscht!

13.10.2012, 14:30 Uhr

"Der Preis erinnere an die Gründerväter der EU, „die nach dem Zweiten Weltkrieg davon beseelt waren, dass nie wieder Krieg zwischen den Völkern in Europa sein darf“.

Was war mit dem Jugoslawienkrieg? Fand der nicht auf europäischem Boden statt? Immer dieses Gleichsetzen von EU und Europa ist nur noch widerlich.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×