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12.06.2012

19:45 Uhr

Merkel zur Euro-Krise

„Wir sind am Scheideweg“

VonDietmar Neuerer

Trotz neuer Euro-Brandherde bleibt Merkel ihrem Kurs treu. Beim CDU-Wirtschaftstag wirbt sie für strikte Reformen und warnt Kritiker vor falschen Weichenstellungen. Lob kommt von einem Neuling auf dem Berliner Parkett.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht Europa in der Krise am Scheideweg. Reuters

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht Europa in der Krise am Scheideweg.

BerlinViel Zeit hat Angela Merkel nicht mitgebracht. Der CDU-Wirtschaftsrat hat zu seinem traditionellen Wirtschaftstag in Berlin geladen. Rund 2000 Teilnehmer sind ins Berliner Hotel Intercontinental geströmt, um zu hören, welche Antworten die Kanzlerin auf die neuerliche Zuspitzung der Euro-Krise geben wird. Doch Merkel ist in Eile. Auf sie warte der „Vorhof zur Hölle“, ruft sie den Zuhörern scherzhaft zu. Gemeint ist die Unions-Fraktionssitzung im Bundestag, die wenig später beginnt. Auch dort dürfte es um Euro-Fragen gehen, zumal die Regierung immer noch keine Einigung mit der Opposition über die Ausgestaltung des EU-Fiskalpakts erzielt hat.

Doch jetzt ist Merkel hier. Unter Freunden. Zumindest heute. In der Vergangenheit ist der CDU-Wirtschaftsrat oft genug wenig pfleglich mit der Kanzlerin und ihrer Regierungspolitik umgegangen, hat sie gescholten für falsche oder zögerliche Entscheidungen. Davon ist heute keine Rede. Im Gegenteil. Der Präsident des Wirtschaftsrats, Kurt Lauk, zollt Merkel „höchsten Respekt“ dafür, dass sie in der Krise immer „klare Kante“ gezeigt habe. Gegen jeden Ansturm, Europa endgültig zu einer Schulden- und Transferunion zu machen, habe sie angekämpft, sagt der ehemalige Daimler-Vorstand.

Merkel nimmt die Komplimente gerne an. Trotz Euro-Dauerstress macht sie einen wohlgelaunten Eindruck. Harte Worte, wie sie Lauk, gerne in die Welt setzt, sind nicht ihr Ding. Die Kanzlerin orientiert sich an den trockenen Fakten der Europa-Politik. Nüchtern umschreibt sie die schwierige Lage, um dann in einem Satz kund zu tun, was die Stunde geschlagen hat. „Wir sind am Scheideweg.“

Die Einschätzung Merkels dürfte die Teilnehmer, zu denen auch EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen und Deutsche-Bank-Co-Chef Anshu Jain zählen, kaum überraschen. Spanien ist gerade unter dem Rettungsschirm geschlüpft, in Griechenland steht am Sonntag eine weitere Schicksalswahl an. Doch gerade in dieser Zeit erwarten viele, dass Deutschland wieder Führung in der Krise zeigt.

Jain stellt sich schließlich hinter Merkels Kurs und warnt vor Gefahren in Griechenland. „Defizitfinanzierung ist aus meiner Sicht nicht der richtige Weg für Europa“, sagt er bei seinem ersten öffentlichen Auftritt in der Hauptstadt. „Eine 'Sparpolitik' zu vertreten, bedeutet ganz einfach, der Realität mutig ins Auge zu blicken.“ Zwischen Wachstum und Sparen zu wählen, sei der falsche Ansatz - „und einer, den sich niemand leisten kann“.

Die Eurozone lobt Jain für ihre Spanien-Hilfen. Die am Wochenende eingeleiteten Maßnahmen zur Rettung der Banken des Landes seien ein weiteres Beispiel „für eine gut konzertierte Reaktion auf ein Problem, das uns zuletzt alle alarmiert hat“.

Kommentare (28)

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12.06.2012, 17:12 Uhr

Diese besessene Frau muss endlich gestoppt werden !! Ein für alle mal.

Oeconomicus

12.06.2012, 17:27 Uhr

"Es gehe bei der Bewältigung der Krise darum, ob Europa international marginalisiert werde oder ob Europa auch weiterhin weltweit eine wichtige Rolle spiele."

Die Dame wird wohl nie begreifen, dass die meisten Mitglieder der Euro-Zone im internationalen Konzert ohnehin keine Rolle spielen und die vermeintliche Stärke Europas mit Deutschland steht und fällt.
Es wird Zeit den Euro-Ballast abzuwerfen, damit unser Land sich wieder zu voller Blüte entfalten kann.

RD1

12.06.2012, 17:32 Uhr

"Sie werde keinen Schritt mitmachen, der in eine noch größere Katastrophe führe."

Das heißt im Umkehrschluss, man ist schon in der Katastrophe.
Gut dass sie das erkannt hat.

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