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31.12.2013

09:21 Uhr

Merkels Fiktive Neujahrsansprache

Ja, ich werde wegtreten!

VonDirk Roß

Deutschland blickt auf ein tolles Jahr zurück – ich auch. Dank Ihrer Stimmen darf ich als Kanzlerin weiter Ihr Schicksal spielen. Lesen Sie in meiner (fast ernst gemeinten) Neujahrsansprache, was ich so alles vorhabe.

„Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

ich wünsche Ihnen und Ihren Familien für das neue Jahr 2014 Gesundheit und Zufriedenheit, aber auch das gewisse Maß an Gelassenheit, das man braucht, um den Stillstand in unserem Land zu ertragen.

Gemeinsam können wir auf ein relativ sensationelles Jahr zurückblicken. Für mich lief es zum Beispiel einigermaßen hervorragend. Viele Millionen Bundesbürger haben mir im September ihre Stimme gegeben, mir ein weiteres Mal das Vertrauen ausgesprochen. Sie haben meinem Konkurrenten den Stinkefinger gezeigt. Dafür bin ich ziemlich dankbar. Ich kann dem Volksmund nicht widersprechen, wenn er sagt: Aller guten Dinge sind drei.

Deutschland ging es noch nie so gut wie heute. Und das hängt nicht ausschließlich damit zusammen, dass es keine FDP mehr gibt. Die Älteren unter Ihnen werden sich bestimmt noch an diese Partei erinnern. Über Jahrzehnte hatte der Liberalismus unser Land promiskuitiv im Griff, also mit wahllos wechselnden Partnern.

Jetzt ist eine neue Epoche angebrochen. Passend zur Weihnachtszeit haben wir vor zwei Wochen eine Koalition der Engel gebildet. Die Angela, das bin ich, und der Erzengel Gabriel, das ist der Vollschlanke von der ehemaligen Arbeiterpartei. Gemeinsam werden wir dafür sorgen, dass es Deutschland in den nächsten Jahren besser gehen wird, denn so, wie es in den ersten acht Jahren meiner Kanzlerinnenschaft gelaufen ist, kann es nicht weitergehen. Davon bin ich zutiefst überzeugt.

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Natürlich ist eine Koalition immer auch mit Kompromissen verbunden. Viele Kritiker haben nicht verstanden, warum wir Menschen die Möglichkeit geben wollen, nach 45 Jahren Arbeit in Rente zu gehen. Diesen Kritikern möchte ich das leuchtende Beispiel entgegenhalten, dass uns der deutsche Papst im hinter uns liegenden Jahr gegeben hat. Das erste Pontifikat Interruptus seit 800 Jahren hat uns vor Augen geführt, dass man seinen Arbeitsplatz nicht unbedingt in der Horizontalen verlassen muss.

Der neue Papst Franziskus kann uns allen ebenfalls ein Beispiel sein. Vor allem denjenigen, die 50 Jahre alt oder jünger sind. Wir sollten sehr genau hinschauen, mit welcher Demut Franziskus seine Altersarmut nicht nur predigt, sondern auch vorlebt. Er weist uns den Weg, wohin es mit unserer Gesellschaft gehen wird.

Genauer gesagt weist Franziskus vor allem Ihnen den Weg, liebe Unter- und Mittelschicht. Wir, die politische und wirtschaftliche Elite, orientieren uns selbstverständlich weiterhin am Lebensstil, wie ihn uns Bischof Tebartz-van-Elst vorgelebt hat. Wie sehr wir ihm nacheifern, haben Sie 2013 am Schicksal des irgendwann einmal neuen Berliner Flughafens verfolgen können. Leider konnte er nicht im Jahr des 100. Geburtstags seines Namensgebers, Willy Brandt, eröffnet werden. Aber ich bin mir fast sicher, dass es zum nächsten runden Geburtstag so weit ist. Mit oder ohne Brandt-Schutz.

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