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17.01.2006

14:56 Uhr

Messe-Neubau

Kölner Masterplan ohne Meisterleistung

VonChristoph Nesshöver und Jan Keuchel

Am Montag sind in Köln die neuen Messehallen eingeweiht worden, und anders als sonst üblich glänzte die politische Prominenz durch Abwesenheit. Kein Wunder: Eine Ausschreibung für den Neubau hat es nie gegeben. Für die Stadt könnte das teuer werden – wie Fälle aus Niedersachsen zeigen.

Eine der neuen Nordhallen der Kölner Messe. Foto: dpa

Eine der neuen Nordhallen der Kölner Messe. Foto: dpa

KÖLN/DÜSSELDORF. Der Pianist immerhin war erstklassig. Der junge Virtuose Jakub Cizmarovic bot den mehreren hundert Gästen große Kunst zur Einweihung der neuen Messehallen in Köln. George Gershwin brachte er zum Vortrag: so schnittig und melodiös, dass die schrägen Blue Notes und Dissonanzen, die der Komponist vorgesehen hatte, fast nicht auffielen.

Die Ehrengäste waren indes eher zweitklassig. Nicht der Ministerpräsident kam und auch nicht der Bundeswirtschaftsminister. Die Großen ließen sich vertreten. Auch die, die entscheidend mitkomponierten am neuen Messebau aus Stahl und Glas, waren nicht zu sehen: Matthias Graf von Krockow, Chef von Europas größter Privatbank Sal. Oppenheim, der Troisdorfer Immobilienunternehmer Josef Esch und auch Gustav Adolf Schröder, Chef der Sparkasse Köln/Bonn, fehlten.

So waren sie eben doch zu hören, die Dissonanzen, die dem Bau der neuen Kölner Messehallen hinterherklingen. Ausbaden muss sie Oberbürgermeister Fritz Schramma (CDU). Er saß natürlich auf dem Ehrenplatz und sprach die Ehrenrede, unter ihm die Bühne im stolzesten Roter-Teppich-Rot, über ihm der flammneue Konrad-Adenauer-Saal. Ein „einzigartiges“ Projekt seien die neuen Hallen, das Köln „jünger, frischer und moderner“ mache. „Sehr stolz“ sei er. Und: „Ich freue mich heute Morgen.“

Das ist ein mutiger Satz. Denn wegen der neuen Messehallen hat Schramma ein Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft am Hals wegen des Verdachts auf Untreue – zu Lasten der Kölner Steuerzahler. Kurz vor Weihnachten musste Kölnmessechef Jochen Witt sechs Stunden als Zeuge im Fall Schramma aussagen, bald muss auch der OB selbst dem Staatsanwalt antworten.

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