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29.03.2006

07:52 Uhr

Metall- und Elektroindustrie

Nach dem Osten streikt der Westen

Um Mitternacht endete in Westdeutschland die Friedenspflicht in der Tarifauseinandersetzung der Metall- und Elektroindustrie. Nur Minuten später begannen die ersten Warnstreiks. Für den Tag hat die IG Metall Arbeitsniederlegungen in gleich mehreren Großunternehmen angekündigt. Zehntausende Beschäftigte beteiligen sich.

Wie hier bei Daimler-Chrysler in Rastatt legten tausende Metaller schon in der Nacht die Arbeit nieder. Foto: dpa

Wie hier bei Daimler-Chrysler in Rastatt legten tausende Metaller schon in der Nacht die Arbeit nieder. Foto: dpa

HB HAMBURG. Allein in Bayern hat die Gewerkschaft 9 500 Beschäftigte in 15 Betrieben aufgerufen, am Mittwoch vorübergehend die Arbeit niederzulegen. Die größten Aktionen sollen bei BMW in Regensburg und beim Hausgerätehersteller Bosch Siemens in Dillingen stattfinden. „Wir wollen nicht nur psychologischen, sondern auch ökonomischen Druck entfalten“, sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte Horst Lischka. Zum Auftakt der bundesweit angelegten Welle von Warnstreiks hatten die Metaller schon am Dienstag kurzfristig die Produktion im neuen BMW-Werk Leipzig gestoppt.

In Niedersachsen sollen die Warnstreiks auf 16 weitere Betriebe ausgedehnt werden, unter anderem Miele in Lehrte, Bosch Blaupunkt in Hildesheim und Siemens in Braunschweig. In Rheinland-Pfalz ist unter anderem ein Warnstreik bei Daimler-Chrysler in Wörth mit mehreren tausend Teilnehmern geplant. In Hamburg wollen bei der Traditionswerft Blohm & Voss die Mitarbeiter am Mittwochmorgen für zwei Stunden die Arbeit niederlegen. Auch in Hessen, Baden- Württemberg und vor allem in Nordrhein-Westfalen sollen die Warnstreiks ausgedehnt werden.

Bereits mit Ende der Friedenspflicht Punkt Mitternacht hatten bundesweit über 10 000 Metaller mit ersten Warnstreiks der Forderung nach 5 Prozent mehr Lohn und Gehalt Nachdruck verliehen. Ganze Nachtschichten legten nach Angaben der IG Metall zeitweise die Arbeit nieder und versammelten sich zu Kundgebungen. Die Gewerkschaft zeigte sich mit der Beteiligung sehr zufrieden. Die insgesamt 3,5 Millionen Beschäftigten erwarteten endlich ein vernünftiges Angebot, hieß es.

Allein vor den Ford-Werken in Saarlouis kamen rund 3 000 Menschen aus etwa 10 Betrieben zu einer zentralen Kundgebung zusammen und ließen die Produktion mehr als eine Stunde lang stillstehen. Unter dem Motto „Feuer und Flamme für 5 Prozent“ forderten sie bei der bundesweit größten Aktion von den Arbeitgebern Bewegung im Streit um mehr Lohn und Gehalt. IG-Metall-Chef Jürgen Peters sagte: „Es geht nicht nur um 5 Prozent, sondern auch um die Frage, ob wir uns wehren gegen einen ungezügelten Kapitalismus.“

Ein weiterer Schwerpunkt der Aktionen war Nordrhein-Westfalen, wo sich nach Angaben der IG Metall 1 900 Metaller in 7 Betrieben an der ersten Warnstreikwelle beteiligten. Auch in Bayern, Hessen, Baden-Württemberg, Niedersachsen, Berlin, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz kam es direkt nach Ablauf der Friedenspflicht zu befristeten Arbeitsniederlegungen.

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