Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.04.2012

15:53 Uhr

Metaller-Warnstreiks

Hück erwartet einen der härtesten Arbeitskämpfe aller Zeiten

In der Metallindustrie haben die Warnstreiks begonnen. Uwe Hück erwartet einen der härtesten Arbeitskämpfe aller Zeiten. Der Porsche-Betriebsratschef greift die Arbeitgeber an: Die Jugend fühle sich verraten.

Erste Warnstreiks in der Metallindustrie

Video: Erste Warnstreiks in der Metallindustrie

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Frankfurt/BerlinIm Tarifkonflikt der Metall- und Elektroindustrie haben in der Nacht zum Sonntag erste Warnstreiks begonnen. Unmittelbar nach dem Ablauf der Friedenspflicht legten Metaller die Arbeit nieder, allerdings zunächst nur in einigen wenigen Betrieben. Die
IG Metall in Frankfurt sprach von rund 2500 Teilnehmern, rund die Hälfte davon in Bayern. Richtig anlaufen soll die Warnstreikwelle dann ab Mitte der Woche. Der Arbeitgeberverband Gesamtmetall kritisiert, die Warnstreiks seien „unnötig und schädlich“.

Die Gewerkschaft will mit den Aktionen ihren Forderungen für die rund 3,6 Millionen Beschäftigten der Branche Nachdruck verleihen. Die IG Metall verlangt in einem Paket 6,5 Prozent mehr Geld sowie die unbefristete Übernahme aller Ausgebildeten und mehr Mitsprache beim Einsatz von Leiharbeitern. Die Arbeitgeber bieten bislang drei Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von 14 Monaten und sprechen vom „oberen Rand des wirtschaftlich begründbaren Rahmens“.

Der Betriebsratsvorsitzende des Stuttgarter Autobauers Porsche, Uwe Hück, geht von einem langen und harten Tarifkonflikt aus. „Ich glaube, wir werden einen der härtesten Arbeitskämpfe bekommen, den wir je hatten“, sagte Hück in einem Interview mit dem Nachrichten-Magazin „Der Spiegel“ „Ich bin davon nicht begeistert, aber wir dürfen die Jugend nicht im Stich lassen“, sagte Hück, der für seine wortgewaltigen Reden bekannt ist.

Gesamtmetall-Chef: „Wir provozieren nicht die Eskalation“

Gesamtmetall-Chef

„Wir provozieren nicht die Eskalation“

Der Tarifstreit in der Metall-Branche spitzt sich zu, Warnstreiks sind wahrscheinlich. Martin Kannegiesser, Präsident des Arbeitgeberverbands Gesamtmetall, über Zeitarbeit, Tarifautonomie und die Signale der IG Metall.

Geld sei dabei nicht der große Knackpunkt. „Es geht vielmehr um prekäre Arbeitsverhältnisse und um die Jugend. 40 Prozent aller Beschäftigten unter 25 Jahre haben nach der Lehre befristete Verträge. Daran hat sich Deutschland schon gewöhnt. Die jungen Menschen fühlen sich verraten und verloren.“

Sein Eindruck sei, dass die Arbeitgeber die Situation falsch einschätzten. Sie hätten bereits gedroht, wenn die Gewerkschaft die Forderung nach unbefristeter Übernahme der Auszubildenden nicht zurücknehme, würden sie nicht mehr mit der IG Metall zusammenarbeiten. „Wenn das so weiter geht, befürchte ich das Schlimmste“, sagte Hück.

Der Vorsitzende der IG Metall, Berthold Huber, bezeichnete das Angebot der Arbeitgeber laut Mitteilung als Provokation. „Wir fordern ein Angebot, das die Beschäftigten und ihre Leistung ernst nimmt.“ Huber kündigte ab Mitte der Woche bundesweit massive Warnstreiks an. „Wenn in den nächsten Verhandlungen keine Lösung in Sicht ist, werden wir die Rote Karte ziehen“, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Verhandlungsführer Jörg Hofmann dem Berliner „Tagesspiegel“ (Montagausgabe).

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

29.04.2012, 17:39 Uhr

Die Warnstreiks sind gerechtfertigt. Die deutschen Arbeitnehmer waren in den letzten Jahren sehr zurückhaltend, während die Gewinne explodierten.
Deutschland ist das Schlußlicht bei der Lohnentwicklung.

Fat_Bob_ger

29.04.2012, 18:36 Uhr

Da jammert die Industrie, dass sie keine Facharbeiter bekommt und dann kann man den Azubis nur befristete Verträge geben. Es wäre auch mal klasse, wenn die Azubis am Ende der Befristung nicht verlängern würden und sich einen besseren Job suchen würden. Momentan können Zeitarbeitsfirmen immer weniger halbwegs qualifizierte Mitarbeiter anbieten. In diesem Zusammenhang ist es eine Frechheit, wenn der Zuzug "Hochqualifizierter" mit einem MINDESTLOHN von 35000 pro Jahr (ein Techniker verdient mehr) der Zuzug aus außereuropäischen Ländern erlaubt wird.
Außenpolitisch ist dies ein Schlag ins Gesicht der Krisenländer Gr, Sp, Port., It, Ir....

Gleichzeitig wird am Bildungsetat gespart, d. h. die importierten Arbeitskräfte müssen dann mit ihren Sozialversicherungsbeiträgen und Steuern unsere Dauerarbeitslosen finanzieren, die wir nicht ausbilden und an den Arbeitsmarkt heranführen konnten. Armes Deutschland! Hier fordere ich die Politiker auf, dicke Bretter zu bohren und es sich nicht leicht zu machen. Befristete Arbeitsgenehmigungen für ausl. Angehörige dt. Firmen sehe ich nicht so kritisch. Irgendwo müssen die ja noch ihren "Feinschliff" bekommen.

nanoflo

29.04.2012, 19:14 Uhr

wichtig wäre vor allem die Leiharbeit zu verbieten oder auf max. 2 Monate zu begrenzen!!!!!!!!!DAnach Übernahme in Stammbelegschaft zu gleichen Konditionen!Alles andere ergibt sich dann automatisch

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×