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17.03.2017

06:35 Uhr

Michael Frenzel

„Deckelung von Manager-Gehältern führt in die Irre“

VonHeike Anger, Martin Greive, Klaus Stratmann

Martin Schulz ist als Wirtschaftspolitiker bislang nicht in Erscheinung getreten. Damit er wirtschaftspolitisches Profil gewinnt, berät ihn Michael Frenzel – er fordert nun Entlastungen für untere und mittlere Einkommen.

Der Präsident des SPD-Wirtschaftsforums möchte es den Unternehmen überlassen, wie viel sie ihren Führungskräften bezahlen. Eine gesetzliche Obergrenze lehnt er ab. picture alliance/dpa

Michael Frenzel

Der Präsident des SPD-Wirtschaftsforums möchte es den Unternehmen überlassen, wie viel sie ihren Führungskräften bezahlen. Eine gesetzliche Obergrenze lehnt er ab.

BerlinMichael Frenzel war jahrelang Chef des TUI-Konzerns und ist heute Präsident des SPD-Wirtschaftsforums. Gemeinsam mit SPD-Kanzlerkandidat Schulz arbeitet er an den wirtschaftspolitischen Positionen für den Bundestagswahlkampf. Im Interview mit dem Handelsblatt warnt Frenzel vor einer Deckelung von Manager-Gehältern per Gesetz und fordert Entlastungen für untere und mittlere Einkommen.

Herr Frenzel, unter Managern gibt es große Zweifel an der Wirtschaftskompetenz von SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz. Wie wollen Sie diese Zweifel aus der Welt schaffen?
Es entspricht nicht meiner Wahrnehmung, dass es Zweifel an der Wirtschaftskompetenz von Martin Schulz gibt. Außerdem wäre es noch viel zu früh, um über die Wirtschaftskompetenz von Martin Schulz ein Urteil zu fällen. Er wird bald ein konturscharfes Bild seiner wirtschafts-und finanzpolitischen Pläne vorstellen. Genauso wie zu den Themen Einwanderung und innere Sicherheit. Gerade bei diesen beiden wohl wahlentscheidenden Themen gibt es große Verunsicherung und Sorge bei den Menschen. Alle Parteien sind gefordert, klare und zukunftsorientierte Konzepte vorzulegen.

Wie sieht Ihr Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsprofils der SPD im bevorstehenden Wahlkampf aus?
In meiner Funktion als Präsident des Wirtschaftsforums der SPD bin ich beratendes Mitglied im SPD-Parteivorstand. Das Wirtschaftsforum repräsentiert mehr als 250 Unternehmen – vom Mittelständler bis zu DAX- und internationalen Tech-Konzernen. Die SPD steht für Offenheit und Solidarität und ist die Partei des sozialen Ausgleichs, sie ist aber immer auch für soziale Marktwirtschaft und wirtschaftliches Wachstum eingetreten. Namen wie Helmut Schmidt, Karl Schiller oder Gerhard Schröder stehen für die Wirtschaftskompetenz. Als Wirtschaftsforum der SPD ist es unsere Aufgabe, Dialogplattform zu sein und den berechtigten Interessen der deutschen Wirtschaft Gehör zu verschaffen.

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Bis jetzt setzt Schulz aber ganz andere Akzente, etwa indem er eine Abkehr von Teilen der Agenda 2010 fordert.
Es geht darum, die Agenda 2010 auf die heutigen Herausforderungen anzupassen. Die Agenda wurde 2003 entwickelt, als wir rund fünf Millionen Arbeitslose zu beklagen hatten. Wenn Martin Schulz, jetzt, 14 Jahre später das eine oder andere neu bewertet, ist das mehr als legitim. Noch nie waren so viele Menschen sozialversicherungspflichtig beschäftigt wie derzeit. Ursache dafür ist ja gerade die Agenda – das sieht übrigens der größte Teil der Partei genauso, die längst ihren Frieden mit der Agenda 2010 gemacht hat .

Kritiker sehen die Gefahr, dass das von Schulz geforderte „Arbeitslosengeld Q“ am Ende zu einem großen Frühverrentungsprogramm wird. Was halten Sie dem entgegen?
Dass sich die Arbeitswelt dramatisch verändert – und zwar mit steigendem Tempo. Dass wir einen Fachkräftemangel zu beobachten haben. Und dass mir Jeder, der mit dem „Arbeitslosengeld Q“ die Möglichkeit bekommt, einen qualifizierten neuen Job zu finden, lieber ist, als Wahlkampfgetöse.

Neben Arbeitslosen will die SPD auch mehr für Geringverdiener tun und diese bei den Sozialbeiträgen entlasten. Kommt die Mitte da mal wieder zu kurz?
Niemand kann ohne die Mitte Kanzler werden. In der Mitte gibt es derzeit ein weit verbreitetes Unbehagen, immer höhere Abgaben leisten zu müssen. Unter dem Stichwort „Leistungsgerechtigkeit“ wäre es deshalb wünschenswert, wenn untere und mittlere Einkommen entlastet würden. Allerdings müssen Steuersenkungen auch spürbar ausfallen. Wenn eine Familie am Ende nur 100 Euro im Jahr mehr in der Tasche hat, hat sie kaum etwas gewonnen. Dann kann es mehr Sinn machen, gezielt in Infrastruktur und Bildung zu investieren und darüber Familien zu entlasten, anstatt kaum wahrnehmbare Steuersenkungen übers Land zu schütten, die in Summe Milliarden kosten.

Der Spitzensteuersatz greift derzeit schon bei 54.000 Euro Jahreseinkommen. Finden Sie das gerecht?
Nein, denn mit diesem Einkommen ist man kein Spitzen-, sondern Normalverdiener. Auch diese niedrige Schwelle trägt zu dem Unbehagen in der Mitte bei. Der Spitzensteuersatz sollte daher erst ab einem deutlich höheren Einkommen greifen.

 

Kommentare (5)

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Herr Alessandro Grande

17.03.2017, 09:28 Uhr

Exakt, denn hier haben wir eine typisch deutsche, kranke Neiddebatte und die involvierten Politikerschwachköpfe von SPD, Grünen und Linken sollten sich vor allem fragen, warum Deutschland Exportweltmeister ist und es uns trotz beschissendster, politischer Fehlentscheidungen unter Merkel immer noch recht gut geht, noch eben.
Richtig, weil wir super erfolgreiche Unternehmen haben, welche vollkommen unsexy für die richtigen Manager wären, hätten sie Limite bzgl. der Gehälter.
Zudem regeln Unternehmen Auswüchse mittlerweile längst durch Corporate Gouvernance Regeln und brauchen dazu keine roten Idioten aus der deutschen Politik!

Herr Clemens Keil

17.03.2017, 09:53 Uhr

Gier läßt sich nicht auf freiwilliger Basis zähmen. Gier führt in die Irre!
Im Anbetracht der wachsenden sozialen Ungleichheit bei Einkommen und Vermögen (vgl. hierzu auch https://www.freitag.de/autoren/sigismundruestig/die-ungleichheits-luege-geht-um ) ist es unabdingbar, auch die Exzesse bei Gehältern, Boni und Abfindungen endlich wieder einzudämmen. Nicht zuletzt auch in Anbetracht der "Leistungen" unserer Wirtschaftsführer (Deutsche Bank, VW, Linde, ...). Der von der SPD präferierte Weg, dies über Begrenzung der steuerlichen Absetzungsmöglichkeiten anzugehen, ist ein gangbarer Weg.
Wenn der Bundesfinanzminister Schäuble bisher gegen eine gesetzliche Regulierung argumentiert hat und stattdessen für "Anstand" (ausgerechnet Schäuble!) und eine "freiwillige Selbstverpflichtung" der betroffenen Manager wirbt, war das wenig glaubwürdig:
Erstens hatte Schäuble noch 2012 aus guten Gründen für eine gesetzliche Regulierung dieser Exzesse plädiert.
Zweitens hat sich ja erst im Finanzsektor gezeigt, dass die Betroffenen entsprechende - offensichtlich unzureichende - Regulierungsversuche (hier: "Deckelung der Boni" auf EU-Ebene) ohne Scham trickreich umgehen: bei der Deutschen Bank (ausgerechnet dort!) hat man mal als Ausgleich locker die Jahres-Gehälter von 1100 Mitarbeitern um durchschnittlich 270.000 Euro aufgestockt! Das ist also der Schäuble-Weg!
Offensichtlich wollte Schäuble nur mal wieder Gabriel und der SPD einen reinwürgen. So ist dieser alte, verbitterte Mann eben gestrickt!
Aber wer hört schon noch auf diesen "falschen Fuffziger"! Vielleicht die Kanzlerin, wenn er gerade mal nicht an Putschplänen arbeitet?
Nicht einmal mehr die CDU, die jetzt einen eigenen Vorschlag präsentierte. Dieser liest sich allerdings wie eine Mogelpackung!

Mein Tip:
http://youtu.be/0zSclA_zqK4
http://youtu.be/-5X2P5J6MiA
http://youtu.be/QqoSPmtOYc8
Was sagt der Bundestag?
http://youtu.be/QGOx8I0COYg
Viel Spaß!

PS: Übrigens, nach dem antiken, griechischen Philosophen Platon ...

Herr Clemens Keil

17.03.2017, 09:54 Uhr

...
nach dem antiken, griechischen Philosophen Platon sollte "niemand mehr als das 4-fache des Vermögens eines anderen besitzen". Gar nicht so dumm!

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