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17.12.2011

10:22 Uhr

Michael Sommer

DGB-Chef erwartet Mindestlohn bis 2014

Der DGB-Vorsitzende Sommer plädiert in einem Interview für deutliche Lohnerhöhungen und einen gesetzlichen Mindestlohn. Der Gewerkschaftschef glaubt, der Mindestlohn werde innerhalb der nächsten zwei Jahre eingeführt.

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB, Michael Sommer, spricht sich deutlich für einen Mindestlohn aus. dpa

Der Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes DGB, Michael Sommer, spricht sich deutlich für einen Mindestlohn aus.

BerlinDer DGB-Vorsitzende Michael Sommer erwartet die Einführung des Mindestlohns innerhalb der nächsten zwei Jahre. „Ich bin mir ganz sicher, dass ich die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes in Deutschland noch erleben werde, bevor ich 2014 als DGB-Vorsitzender in den Ruhestand gehe - spätestens kommt er nach der nächsten Bundestagswahl“, sagte Sommer der Zeitung „Bild am Sonntag“.

Auch die CDU habe sich mit den Beschlüssen ihres Leipziger Parteitags in die richtige Richtung bewegt, „so unzureichend die Beschlüsse auch sein mögen“, sagte der DGB-Chef. Eine Partei, die Volkspartei sein will, tue gut daran, auf die Stimmung im Volk zu hören. „80 bis 90 Prozent der Bundesbürger wollen den Mindestlohn. SPD und Grüne auch - seiner Einführung steht nur noch die FDP im Wege.“

Sommer erklärte außerdem, dass angesichts der Exportstärke Deutschlands es in einer sich abkühlenden Weltwirtschaft darauf ankomme, die Binnennachfrage zu stärken. „Wenn wir endlich den Niedriglohnsektor durch die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro eindämmen, dann könnten wir die Erwerbseinkommen der Arbeitnehmer nach einer Prognos-Studie um über 14 Milliarden Euro pro Jahr steigern und so einen Nachfrageschub auslösen.“

Sommer sicherte eine realistische und verantwortungsbewusste Tarifpolitik im kommenden Jahr zu. „Wir messen unsere Tarifforderungen immer daran, was zu verteilen ist, wie hoch die Produktivität ist, wie die allgemeine wirtschaftliche Situation aussieht“, sagte Sommer.

Kommentare (4)

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Ich

17.12.2011, 11:17 Uhr

Wie soll denn durch einen Mindestlohn ein Nachfrageschub ausgelöst werden? Ein Mindestlohn ist doch nichts weiter als eine Umverteilung des Geldes weg vom Arbeitgeber hin zum Arbeitnehmer. Was der Arbeitnehmer dann mehr hat zum komsumieren, fehlt auf der anderen Seite dem Arbeitgeber zu investieren/konsumieren. Klassisches Nullsummen-Spiel. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass durch den Mindestlohn zumindest ein paar Arbeitsplätze verloren gehen, dürfte die gesamtwirtschaftliche Nachfrage sogar sinken.

Account gelöscht!

17.12.2011, 19:56 Uhr

Welch ein interessanter Vergleich.
Michael Sommer erwartet den Mindestlohn.
Nikita Sergejewitsch Chruschtschow erwartete den Kommunismus.
Im Kontext mit den heutigen scheinbar lethalen Exzessen der Finanzspekulations- und -anlagenbetrugswirtschaft, deren Erträge auschließlich den Mitgliedern unseres Besitzstandsnazistaates zufließen, dürften wir nicht nur den Untergang der "Marktwirtschaft" sehen. Wir werden uns wohl allesamt noch die Augen reiben, welchem neuen Totalitarismus wir da in die Arme laufen werden.

Account gelöscht!

17.12.2011, 19:58 Uhr

Ansprache an Millionäre
von Erich Kästner

Warum wollt ihr so lange warten,
bis sie euren geschminkten Frauen
und euch und den Marmorpuppen im Garten
eins über den Schädel hauen?

Warum wollt ihr euch denn nicht bessern?
Bald werden sie über die Freitreppen drängen
und euch erstechen mit Küchenmessern
und an die Fenster hängen.

Sie werden euch in die Flüsse jagen.
Sinnlos werden dann Schrei und Gebet sein.
Sie werden euch die Köpfe abschlagen.
Dann wird es zu spät sein.

Dann wird sich der Strahl der Springbrunnen röten.
Dann stellen sie euch an die Gartenmauern.
Sie werden kommen und schweigen und töten.
Niemand wird über euch trauern.

Wie lange wollt ihr euch weiter bereichern?
Wie lange wollt ihr aus Gold und Papieren
Rollen und Bündel und Barren speichern?
Ihr werdet alles verlieren.

Ihr seid die Herrn von Maschinen und Ländern.
Ihr habt das Geld und die Macht genommen.
Warum wollt ihr die Welt nicht ändern,
bevor sie kommen?

Ihr sollt ja gar nicht aus Güte handeln!
Ihr seid nicht gut. Und auch sie sind?s nicht.
Nicht euch, aber die Welt zu verwandeln,
ist eure Pflicht!

Der Mensch ist schlecht. Er bleibt es künftig.
Ihr sollt euch keine Flügel anheften.
Ihr sollt nicht gut sein, sondern vernünftig.
Wir sprechen von Geschäften.

Ihr helft, wenn ihr halft, nicht etwa nur ihnen.
Man kann sich, auch wenn man gibt, beschenken.
Die Welt verbessern und dran verdienen -
das lohnt, drüber nachzudenken.

Macht Steppen fruchtbar. Befehlt. Legt Gleise.
Organisiert den Umbau der Welt!
Ach, gäbe es nur ein Dutzend Weise
mit sehr viel Geld…

Ihr seid nicht klug. Ihr wollt noch warten.
Uns tut es leid. ihr werdet?s bereuen.
Schickt aus dem Himmel paar Ansichtskarten!
Es wird uns freuen.

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