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10.12.2015

17:32 Uhr

Migranten ohne Flüchtlingsstatus

Zahl der Abschiebungen gegenüber 2014 beinahe verdoppelt

Mehr Migranten, mehr Abschiebungen: In Deutschland hat sich die Zahl der ausgewiesenen Asylbewerber 2015 nahezu verdoppelt, wie eine Umfrage unter den Bundesländern ergab. Besonders abschiebefreudig war der Süden.

Mit einer Gesetzesänderung im Oktober wollte die Kanzlerin schnellere Abschiebungen erwirken. Ob sich das auf die Zahlen der Umfrage ausgewirkt hat, ist unklar. dpa

„Abgeschoben“

Mit einer Gesetzesänderung im Oktober wollte die Kanzlerin schnellere Abschiebungen erwirken. Ob sich das auf die Zahlen der Umfrage ausgewirkt hat, ist unklar.

BerlinIm laufenden Jahr sind einem Zeitungsbericht zufolge schon fast doppelt so viele Menschen aus Deutschland abgeschoben worden wie im gesamten Jahr 2014. Bis Ende November wurden laut einer Umfrage der Zeitung „Welt“ (Freitagsausgabe) bei den Innenministerien der Bundesländer 18.023 abgelehnte Asylbewerber außer Landes gebracht. Vergangenes Jahr waren es demnach noch 10.347 Menschen. Beim Anstieg der Durchsetzung von Abschiebebescheiden zeigten sich die südlichen Bundesländer den Angaben zufolge deutlich energischer als die weiter nördlich gelegenen.

Im CSU-Land Bayern stieg die Zahl der Abschiebungen laut „Welt“ von 1007 vergangenes Jahr auf bislang 3600 im Jahr 2015 – also auf mehr als dreimal so viele. Im von Grünen und SPD regierten Baden-Württemberg verdoppelte sich der Wert in den ersten elf Monaten von 1080 auf 2058 Abgeschobene. Das schwarz-grün regierte Hessen schickte nach 829 ausgewiesenen Asylbewerbern 2014 dieses Jahr 2352 Menschen zurück in ihr Herkunftsland, was ebenfalls in etwa einer Verdreifachung entspricht.

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Kaum gestiegen war hingegen die Zahl der Abschiebungen in Nordrhein-Westfalen: In dem rot-grün regierten Land kletterte der Wert um 2,4 Prozent von 2929 Abgeschobenen im vergangenen auf gut 3000 in diesem Jahr. In Niedersachsen und Berlin stieg die Zahl der ausgewiesenen Asylbewerber etwas mehr um 6,7 beziehungsweise um 18,8 Prozent, blieb aber weit hinter dem Anstieg im Süden Deutschlands zurück. Gemeinsam hatten die Länder in Nord und Süd allerdings, dass die Zahl der Abschiebungen in der zweiten Jahreshälfte erheblich zunahm.

Eine schnellere Abschiebung abgelehnter Asylbewerber gilt laut Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) als begleitende Maßnahme zur „Willkommenskultur“, die die Kanzlerin Flüchtlingen aus Krisengebieten in Deutschland bieten will. Um die schnellere Ausweisung von Menschen ohne Bleibeperspektive rechtlich abzusichern, wurden im Oktober verschiedene Gesetze geändert. Jedoch blieb laut „Welt“ unklar, ob die Änderungen sich bereits auf die Zahl der Abschiebungen auswirkten.

Von

afp

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