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07.03.2013

15:00 Uhr

Migration aus Osteuropa

„Wer weg wollte, ist schon weg“

VonJakob Struller

Rund 66.000 Rumänen arbeiten in Deutschland. Cristina Iulia Popescu (27) ist eine von ihnen. Die Angst, die vor einer Migrationswelle geschürt wird, ärgert sie – schließlich hängt Deutschlands Zukunft an Leuten wie ihr.

Cristina Iulia Popescu lebt seit 2010 in Deutschland. Cristina Iulia Popescu

Cristina Iulia Popescu lebt seit 2010 in Deutschland.

DüsseldorfWenn Cristina Iulia Popescu über die Zuwanderungsdebatte spricht, sagt sie das Wort „übertrieben“ ziemlich häufig. Übertrieben findet sie das Angstgefühl, es seien nur verarmte Einwanderer zu erwarten, die vom deutschen Sozialsystem profitieren wollen. Und für übertrieben hält sie auch die Bedeutung des 1. Januar 2014 – dann gilt die uneingeschränkte Arbeitnehmer-Freizügigkeit auch für Rumänen und Bulgaren: „Ich glaube nicht, dass Menschen auf gepackten Koffern sitzen, um dann endlich nach Deutschland zu kommen“, sagt sie. Popescu stammt aus Bukarest in Rumänin, seit 2010 ist die 27-Jährige in Deutschland. Gekommen ist sie, um an der Freien Universität in Berlin ihren Master zu machen. „Wer weg wollte, ist schon weg“, sagt sie über ihre Landsleute.

Für Popescu war Deutschland der Ort, an dem sie ihre beruflichen Ziele erreichen konnte. Nach einem Master-Abschluss in Europa-Studien und Human Ressources in Rumänien arbeitete sie als Beraterin in einem IT-Konzern. Aber sie wollte gerne in den Bildungsbereich, mehr mit Politik zu tun haben. Die Möglichkeit sah sie in Rumänien nicht und bewarb sich für einen Master in Berlin. Heute ist sie eine von 66.000 rumänischen Staatsbürgern, die in Deutschland arbeiten.

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80 Prozent der Zuwanderer aus Rumänien und Bulgarien gehen einer Arbeit nach, berichtet das RWI. 20 Prozent davon seien sogar hochqualifiziert – so wie Cristina Iulia Popescu und einige ihrer Freunde. „Viele sind zum Beispiel Ärzte“, erzählt sie. „Die wurden von Agenturen vermittelt und arbeiten jetzt oft in Kleinstadtkrankenhäusern.“ Für die Rumänen sei das eine erhebliche Verbesserung und in den betreffenden Städten seien Ärzte gesucht.

Auch in anderen Bereichen gibt es nach wie vor offene Stellen. „Deutschland braucht Fachkräfte“, sagt Beate Raabe von der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung der Agentur für Arbeit. „Deswegen sind qualifizierte Arbeiter herzlich willkommen.“ Erst kürzlich habe Bulgarien signalisiert, dass es gerne junge, ausgebildete Menschen dabei unterstützen werde, nach Deutschland zu kommen.

Fakten zum neuen Armuts- und Reichtumsbericht

Schere geht auseinander

Der Graben zwischen Arm und Reich ist tiefer geworden. Auf die vermögensstärksten zehn Prozent der Haushalte entfielen 53 Prozent (Stand: 2008, neuere Zahlen liegen nicht vor) des gesamten Nettovermögens. 1998 lag die Quote bei 45 Prozent. Die untere Hälfte der Haushalte besaß zuletzt lediglich gut ein Prozent des Nettovermögens. 2003 waren es drei Prozent. Von 2007 bis 2012 hat sich das Gesamtvermögen der Haushalte trotz der Finanzkrise um weitere 1,4 Billionen Euro erhöht.

Der Staat ist ärmer geworden

Sein Nettovermögen schrumpfte zwischen Anfang 1992 und Anfang 2012 um über 800 Milliarden Euro, während es sich bei den privaten Haushalten um gut fünf Billionen Euro mehr als verdoppelte. Zu dieser Entwicklung trug die Privatisierungspolitik aller Regierungen in diesem Zeitraum bei. Die Erlöse aus dem Verkauf öffentlichen Tafelsilbers versickerten in den Haushalten.

Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit

Die „Armutsgefährdungsschwelle“ liegt nach Zahlen des Statistischen Bundesamtes bei 952 Euro im Monat. Je nach Datengrundlage gilt dies für 14 bis 16 Prozent der Bevölkerung. Hauptgrund für Armut ist Arbeitslosigkeit. Auch für Alleinerziehende ist das Risiko hoch.

Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro

Der Anteil der Beschäftigten im Niedriglohnsektor stieg und lag zuletzt zwischen 21 und 24 Prozent. Im Jahr 2010 waren 7,9 Millionen Arbeitnehmer betroffen. Die Niedriglohngrenze liegt bei 9,15 Euro pro Stunde.

Grundsicherung im Alter

Nur 2,6 Prozent der über 65-Jährigen sind derzeit auf Grundsicherung im Alter angewiesen.

Niedrigste Jugendarbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit sank im Berichtszeitraum auf den niedrigsten Stand seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen reduzierte sich zwischen 2007 und 2012 von 1,73 Millionen auf 1,03 Millionen oder um mehr als 40 Prozent. In der EU weist Deutschland aktuell die niedrigste Jugendarbeitslosigkeit aus - begünstigt von der Hartz-IV-Gesetzgebung: Seit 2005 müssen Langzeitarbeitslose auch schlecht bezahlte Jobs annehmen. Die Ausweitung von Niedriglohnsektor und atypischer Beschäftigung (Zeitarbeit, Teilzeitarbeit, Minijobs) ging laut Bericht nicht zulasten von Normalarbeitsverhältnissen.

Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger schrumpft

Der Anteil der erwerbsfähigen Hartz-IV-Empfänger an der erwerbsfähigen Gesamtbevölkerung schrumpfte von 9,7 auf 8,2 Prozent. Gab es im Jahresdurchschnitt 2007 noch rund 5,3 Millionen Leistungsbezieher, waren es im Jahr 2012 (Januar bis September) nur rund 4,5 Millionen. Die Zahl der Hartz-IV-Kinder unter 15 Jahren sank von 1,89 auf 1,63 Millionen.

Fortschritte beim Bildungsniveau

Beim Bildungsniveau, das für die Chancen im Arbeitsleben mitentscheidet, gab es ebenfalls Fortschritte: Zwischen 2006 und 2010 sank die Zahl der Schüler ohne Abschluss von 8 auf 6,5 Prozent.

„Bedarf gibt es genug“, sagt auch Andreas Röhm, der mit seiner Beratungsagentur Personal aus Osteuropa nach Deutschland vermittelt. Dennoch glaubt er ebenfalls nicht, eine Einwanderungswelle bevorsteht – weder von Arbeitswilligen noch von Arbeitsunwilligen. „Erstens haben einige Deutsche Arbeitgeber Rumänien und Bulgarien gegenüber gewisse Ressentiments“, sagt er. Die müssen sukzessive abgebaut werden. Das größere Problem aber seien die Deutschkenntnisse. „Da müsste Deutschland viel mehr Angebote schaffen“, sagt er. Bisher werde vor allem Englischkurse angeboten. „Deutschland verhält sich da, als ob es die Fachkräfte nicht nötig hätte.“

Kommentare (17)

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Hagbard_Celine

07.03.2013, 15:26 Uhr

Deutschland war und ist ein sehr attraktives Land für hochqualifizierte Zuwanderer aus Osteuropa und soll es auch bleiben.

Gerade deswegen ist es nötig Migration in die soziale Hängematte zu unterbinden denn diese Kosten müssen vom Steuerzahler getragen werden.

Baraber haben wir genug, die müssen wir nicht erst importieren.

VirgilBestea

07.03.2013, 15:33 Uhr

Liebe Cristina-Iulia,

scheint es zu sein, dass die Theorie von Herrn Scheida bei dir noch nicht die Wirkung gezeigt hat. Laut diesem schlauen Redakteur der Welt sollten die Rumänen über ihre Herkunft schämen. Und was machst du? Sogar protzst mit deiner Heimat und beschwerst du dich, weil in Rumänien keine Spezialisten für Leib, Seele oder Technik überhaupt bleiben wollen. Bist du vieleicht nicht ein bisschen zu revolutionär, ein bisschen zu sozialistisch veranlagt,letztendlich wollen wir über die Nachteile reden. Ach, vieleicht hast du gedacht, dass Herr Treichl ziemlich zu schlecht bei seiner Bilanz abgeschnitten hat, dass die OMV nicht genug Rendite bekommen hat und Herr Dr. Mobius sich schämt, weil er über Rumänien nicht reden kann, als Herr Treichl gesagt hat, dass Rumänen bruten sein sollen, weil die solche unglaublichen Sparmaßnahmen gebilligt haben. Auf jeden Fall wir haben eine Lösung: Die Flaminia,das havarierte Containerschiff kommt nach Rumänien. Ich hoffe, dass die Zöllner rechtzeitig mit Blumen und Schokolade auf dem Kai sich vorstellen und zügig mit der Reparatur anfängt. Sollte es aus Versehen zum Schadstoffleck vorkommen, sollten die Rumänen beruhigt werden. Im schlimmsten Fall werden die Tore vor dem rumänischen Gebiet einfach dicht gemacht. Und jetzt eine schöne Aussage von meinem Freund Cicero : Es gibt keine Festung , die mit Geld nicht übernommen werden kann :-)

Account gelöscht!

07.03.2013, 15:36 Uhr

Ich hab nichts gegen den Zuzug von gut Qualifizierten wie dieser Frau aus Rumänien. Aber:

1. Lassen wir nun mal auch viele Menschen ins Land, die wir mit Sicherheit nicht brauchen

2. Ist es einfach falsch, zu behaupten wir BRÄUCHTEN, im Sinne von es ist ALTERNATIVLOS, den Zuzug von Fachkräften. Wir könnten genausogut auch einfach Fachkräfte ausbilden. Gewiss, das geht nicht von heute auf Morgen und da ist viel verschlafen worden die letzten Jahre. Aber es kann doch nicht sein das wir nun so tun als ginge uns die Ausbildung von eigenen guten Leuten nichts mehr an und wie holen uns einfach die Fachkräfte im Ausland - wie krank ist so eine Denke bitteschön???

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