Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.07.2014

16:53 Uhr

Migration

Nur wenige Einwanderer lassen sich einbürgern

Deutschland ist nach den USA das beliebteste Einwanderungsland. Bei den Einbürgerungen von Ausländern gehört es aber zu den Schlusslichtern. Fachleute fordern eine weitere Reform des Staatsangehörigkeitsrechts.

Nur wenige Einwanderer die sich einbürgern lassen könnten, tun es auch: 2013 waren es 112 350 von 4,9 Millionen. dpa

Nur wenige Einwanderer die sich einbürgern lassen könnten, tun es auch: 2013 waren es 112 350 von 4,9 Millionen.

WiesbadenDer deutsche Pass ist nur für wenige Ausländer in der Bundesrepublik attraktiv: Rund 4,9 Millionen Einwanderer hätten sich 2013 einbürgern lassen können - doch nur 112 350 haben es gemacht. Dieser Wert von 2,3 Prozent ist seit zehn Jahren etwa gleich, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden am Donnerstag mitteilte.

Die Zahl der Einbürgerungen im Einwanderungsland Deutschland lag 2013 insgesamt auf dem Niveau des Vorjahres und um rund 1000 unter dem Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre. Damit gehört die Bundesrepublik nach Einschätzung des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration (SVR) international zu den Schlusslichtern. Die SVR-Vorsitzende Christine Langenfeld fordert daher eine weitere Reform des Staatsangehörigkeitsrechts.

Die Einbürgerungen aus den EU-Staaten stiegen 2013 im Vergleich zum Vorjahr um 15,3 Prozent auf rund 23 600. Damit liegen die EU-Ausländer insgesamt aber hinter den Türken, die die Liste der Nationalitäten anführen. Fast 28 000 Türken nahmen die deutsche Staatsbürgerschaft an - das waren allerdings deutlich weniger (minus 15,9) Prozent als 2012.

Auf Platz zwei und drei der am häufigsten eingebürgerten Staatsangehörigkeiten rangieren erneut Polen (5500) und die Ukraine (4500). Das Plus gegenüber dem Vorjahr lag bei diesen beiden Nationalitäten sowie bei den Italienern bei mehr als 20 Prozent. Besonders beliebt ist der deutsche Pass vor allem bei Kamerunern (25,0 Prozent bei rund 1000 Einbürgerungen), Nigerianern (12,4 Prozent bei fast 900) und Afghanen (11,1 Prozent bei knapp 3100).

Bei den Einbürgerungen gibt es große Unterschiede zwischen den Bundesländern. In Hamburg bekamen 7333 Ausländer einen deutschen Pass, 27,8 Prozent mehr als im Vorjahr. Das waren 4,6 Prozent der Ausländer, die die Voraussetzungen erfüllten, der höchste Wert aller Bundesländer. Dies sei eine Folge der Einbürgerungskampagne im Stadtstaat und zeige, dass die Politik die Einbürgerung signifikant steigern könne, sagte Langenfeld vom SVR.

In Hessen lag die Zahl der einbürgerten Ausländer mit 13 540 um 7,1 Prozent unter der des Vorjahres. In Nordrhein-Westfalen gab es einen Rückgang um 2,2 Prozent auf 29 629. Die Zahl der Eingebürgerten mit einem Wohnsitz im Ausland nahm um 33,1 Prozent auf 3208 zu.

Für viele Ausländer sei die Pflicht, die Staatsangehörigkeit ihres Herkunftslandes abgeben zu müssen, der Grund, sich nicht einbürgern zu lassen, sagte Langenfeld. Der SVR plädiere für eine doppelte Staatsbürgerschaft mit Generationenschnitt, bei der eine Anhäufung und Vererbung von Staatsangehörigkeiten vermieden werde.

Die Zuwanderung vor allem aus den neuen EU-Ländern im Osten und aus den von der Finanzkrise besonders getroffenen Ländern in Südeuropa hat Deutschland 2013 im dritten Jahr in Folge ein Bevölkerungsplus beschert. Die Netto-Zuwanderung (abzüglich der Abwanderung) in den drei Jahren betrug insgesamt laut Bundesamt 1,085 Millionen. Knapp 80,8 Millionen Menschen lebten Ende 2013 in Deutschland.

Von

dpa

Kommentare (5)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Hikmet Özdemir

17.07.2014, 18:20 Uhr

Bei andauernden Ausländerfeindlichkeit und Rassismus, Türken- und Türkeifeindlichkeit ist es kein Wunder, daß die Einbürgerungen der türkischen Einwanderer gegenüber 2012 deutlich weniger ist (-16%).

Die wird weiter zurückgehen, da die Anzahl der Rückkehrer die Anzahl der Einwanderungen bei weitem übersteigt.

Warum sollten sich Menschen in einem Land in dem ihnen nur Verachtung und Diskriminierung entgegen gebracht werden, einbürgern lassen, geschweige denn von nicht vorhandenem Chancengleichheit im Beruf und in der Gesellschaft.

Herr andreas freising

17.07.2014, 19:31 Uhr

ganz ihrer meinung herr özdemir
Warum sollten sich Menschen in einem Land in dem ihnen nur Verachtung und Diskriminierung entgegen gebracht werden, einbürgern lassen.
genau da liegt der hase im pfeffer. 5 generationen deutschland und keine bewegung nach vorn. lernen sie doch mal wie ein deutscher zu denken und zu handeln.lassen sie dem mechmeth und die fatma da wo sie hingehören. wir haben auch schöne vor und zunahme. dann hört auch die von ihnen gefühlte diskriminierung auf.es ist schon was anderes wenn man am telefon mit gewöhnlichen deutschen namen umgeht als mit,sie entschuldigen,özdemir´s und güllehülle.noch eins,nich wir deutsche sind zugewandert sondern ihres gleichen.also tun sie was für ihre intergration und jammern sie nicht laufend rum.damit wäre schon ein großteil gewonnen.

Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Wolfgang Trantow

17.07.2014, 20:10 Uhr

Warum sollen sich die Einwanderer einbürgern, wenn Sie mitbekommen, das die eigene Bevölkerung von den Politikern, verachtet, diskriminiert wird? Außerdem kann man ja mehere Pässe haben. Dadurch hat man im Zweifelsfall immer den Rückhalt des deutschen Sozialsystem, auch wenn man es verachtet. Lt. EUGericht soll man sogar nicht deutsch sprechen in Deutschland! Steuern auf den Cayman-Inseln (=Null) zahlen und später die Soziallleistungen von den Deutschen per Gericht erhalten

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×