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28.08.2016

08:14 Uhr

Migration

Weise rechnet mit maximal 300.000 Flüchtlingen

In diesem Jahr werden wohl deutlich weniger Flüchtlinge als 2015 nach Deutschland kommen. Bamf-Chef Jürgen Weise rechnet mit weniger als 300.000 Menschen. Die Integration in den Arbeitsmarkt gestalte sich aber schwierig.

Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt gestaltet sich laut Weise weiterhin schwierig. dpa

Flüchtlinge in einer Metallbau-Werkstatt

Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt gestaltet sich laut Weise weiterhin schwierig.

BerlinIn diesem Jahr werden nach Einschätzung von Bamf-Chef Frank-Jürgen Weise weniger als 300.000 Flüchtlinge nach Deutschland kommen. „Wir stellen uns auf 250.000 bis 300.000 Flüchtlinge in diesem Jahr ein, darauf richten wir unsere Kapazitäten aus“, sagte der Chef des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (Bamf) der „Bild am Sonntag“.

„Es werden dieses Jahr eher noch etwas weniger als 300.000 Menschen kommen.“ Bis zu dieser Zahl könne seine Behörde einen optimalen Ablauf garantieren, sagte Weise laut Vorabbericht. „Wenn mehr Menschen kommen, kommen wir unter Druck.“ Doch selbst dann seien nicht wieder Zustände wie im vergangenen Jahr zu erwarten. Allerdings würden die Verfahren länger dauern als angestrebt.

Im vergangenen Jahr habe Deutschland weniger Flüchtlinge aufgenommen als gedacht, sagte Weise. Der Grund dafür seien Doppelregistrierungen und Weiterreisen der Menschen. Die exakte Zahl werde demnächst vorgestellt, sagte der Bamf-Chef. „Sicher ist aber, dass im letzten Jahr weniger als eine Million Menschen nach Deutschland gekommen ist.“

Etappen der Flüchtlingskrise

25. August 2015

Deutschland setzt das Dublin-Verfahren für Syrer aus. Es sieht die Rückführung von Flüchtlingen dorthin vor, wo sie zuerst EU-Boden betraten.

31. August 2015

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nennt die Bewältigung des Flüchtlingszustroms eine „große nationale Aufgabe“ und beteuert: „Wir schaffen das.“

5. September 2015

Deutschland und Österreich entscheiden, Tausende Flüchtlinge und Migranten aufzunehmen, die in Ungarn gestrandet sind. Bei der Ankunft in Deutschland werden sie bejubelt. CSU-Chef Horst Seehofer fühlt sich übergangen und warnt vor Überforderung.

23. September 2015

Die EU-Staats- und Regierungschefs beschließen, die Hilfen zu erhöhen und 160.000 Flüchtlinge auf die Mitgliedsländer zu verteilen. Eine große Entlastung für Deutschland bleibt aus.

24. September 2015

Der Bund stockt die Hilfe für Flüchtlinge an Länder und Gemeinden massiv auf.

15. Oktober 2015

Der Bundestag beschließt ein neues Asylrecht. Albanien, Kosovo und Montenegro werden zu sicheren Herkunftsländern. Asylbewerber sollen möglichst nur Sachleistungen erhalten.

5. November 2015

Die Koalition verständigt sich auf besondere Aufnahmeeinrichtungen für Flüchtlinge mit geringen Bleibechancen. Zudem wird eine zweijährige Aussetzung des Familiennachzugs bei Flüchtlingen mit niedrigerem Schutzstatus beschlossen.

20. November 2015

Auf dem CSU-Parteitag in München lehnt Merkel die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für die Zuwanderung strikt ab.

9. März 2016

Nach Slowenien, Kroatien und Serbien schließt auch Mazedonien seine Grenze für Flüchtlinge und andere Migranten. Damit ist die Balkanroute faktisch dicht, über die 2015 mehr als eine Million Menschen nach Deutschland und Österreich gekommen waren.

18. März 2016

Die EU und die Türkei einigen sich darauf, Migranten, die illegal in Griechenland ankommen, in die Türkei zurückzuschicken. Im Gegenzug soll für jeden zurückgenommenen Syrer ein anderer Syrer legal und direkt von der Türkei aus in die EU kommen.

4. April 2016

Die Rückführung von Flüchtlingen und anderen Migranten von Griechenland in die Türkei sowie die Umsiedlung von Syrern aus der Türkei in die EU beginnt.

4. Mai 2016

Die EU-Kommission will Flüchtlinge gerechter verteilen. Wie viele ein Land aufnehmen muss, soll von Größe und Wirtschaftskraft abhängen. EU-Staaten, die bei dem System nicht mitmachen, sollen 250.000 Euro pro Flüchtling zahlen.

12. Mai 2016

Die EU verlängert die Erlaubnis für vorübergehende Grenzkontrollen im eigentlich passkontrollfreien Schengen-Raum.

13. Mai 2016

Der Bundestag erklärt Tunesien, Algerien und Marokko zu sicheren Herkunftsländern. Die notwendige Zustimmung des Bundesrates bleibt zunächst aus.

22. Juni 2016

Die EU einigt sich im Grundsatz auf eine gestärkte gemeinsame Grenzschutzagentur und Küstenwache. Die bestehende EU-Grenzschutzagentur Frontex soll in der neuen Behörde aufgehen.

13. Juli 2016

Die EU-Kommission will schärfer gegen Asylmissbrauch vorgehen. Wer nicht mit den Behörden des Aufnahmestaates zusammenarbeitet, müsse mit einer Ablehnung rechnen.

Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt gestaltet sich Weise zufolge schwierig. „Es wird lange dauern und viel kosten.“ 70 Prozent seien zwar erwerbsfähig, sagte Weise. Dennoch werde ein Großteil von ihnen zunächst in die Grundsicherung fallen, bevor sie in Arbeit gebracht würden. Etwa zehn Prozent der Flüchtlinge seien Akademiker, sagte Weise. Rund 40 Prozent hätten keine Berufsausbildung, aber praktische Arbeitserfahrung. Auch Hilfstätigkeiten seien für die Flüchtlinge besser als gar keine Arbeit. „Wir setzen deshalb alles daran, die Menschen möglichst schnell in die Jobcenter zu bringen.“

Von

rtr

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