Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

25.01.2010

10:10 Uhr

Milliarden-Defizit

Kassen künden flächendeckende Zusatzbeiträge an

Alle gesetzlich Krankenversicherten müssen sich in diesem Jahr nach Einschätzung des Kassen-Spitzenverbandes auf Zusatzbeiträge einstellen. Die Opposition warf dem Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) vor, dem Ausgabenanstieg im Gesundheitswesen tatenlos zuzuschauen.

Gesundheitsminister Philipp Rösler gerät immer stärker unter Druck. ap

Gesundheitsminister Philipp Rösler gerät immer stärker unter Druck.

HB BERLIN. Die für Montag erwartete Ankündigung einiger Kassen, monatlich acht Euro zusätzlich von den Versicherten zu erheben, werde nicht die einzige Ankündigung dieser Art bleiben, sagte die Chefin des des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), Doris Pfeiffer, im Deutschlandfunk. Sie erwarte eine flächendeckende Erhebung der Zusatzzahlung durch Versicherte in diesem, spätestens aber im kommenden Jahr. Das Defizit in der gesetzlichen Krankenversicherung bezifferte Pfeiffer auf 7,8 Milliarden Euro in diesem Jahr.

Die Verbandspräsidentin forderte für die Beitragszahler eine Befreiung vom vollen Mehrwertsteuersatz auf Medikamente. Würde die Mehrwertsteuer analog zur umstrittenen Absenkung der Steuer in der Hotelbranche gesenkt, brächte dies 2,4 Milliarden Euro, sagte Pfeiffer.

Rund ein Dutzend Krankenkassen wollen offiziellen Angaben zufolge in dieser Woche den gesetzlich erlaubten Zusatzbeitrag ankündigen, darunter auch die drittgrößte Kasse DAK. Von der ersten Welle sind den Angaben zufolge zehn Millionen Versicherte betroffen. Nun wird jedoch erwartet, das im Laufe des Jahres noch weitere Kassen auf diese Möglichkeit zum Stopfen ihrer Finanzlöcher zurückgreifen.

Angesichts der Zusatzbeiträge mahnte Unionsfraktionsvize Johannes Singhammer stärkere Sparanstrengungen im Gesundheitswesen an. "Kostendämpfung ist ein Dauerprojekt", sagte der CSU-Politiker der "Berliner Zeitung" vom Montag. Nötig sei beispielsweise eine effizientere Steuerung des Arzneimittelmarktes, damit auch in Zukunft alle Versicherten vom medizinischen Fortschritt profitieren könnten.

"Es ist doch völlig klar, dass wir die Kosten nicht einfach laufenlassen können", betonte Singhammer. Auch von den Krankenkassen verlangte Singhammer größere Anstrengungen, die Kosten im Griff zu behalten. Er sehe mit Interesse, dass es Kassen gebe, die zunächst ohne Zusatzbeitrag auskämen. "Offenbar gibt es also Möglichkeiten, im geplanten Kostenrahmen zu bleiben", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende.

Die Wohlfahrtsverbände kritisierten die sich abzeichnenden Zusatzbeiträge als unsozial. "Damit verschieben sich die Lasten noch stärker einseitig auf die Arbeitnehmer und Rentner", sagte die Präsidentin des Sozialverbandes VdK, Ulrike Mascher, der "Frankfurter Rundschau". Während Arbeitgeber verschont würden, müssten Menschen mit kleinen Einkommen die Kosten tragen. "Vor allem für viele Rentnerinnen sind acht Euro ein Betrag, der wehtut", meinte Mascher.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Erwin Weiss

25.01.2010, 15:10 Uhr

Kassenpatienten hocken teilweise stundenlang beim Arzt, bis sie an die Reihe kommen. Die Leistungen sinken, die Zuzahlungen steigen. im Laufe des Jahres kommt es zur Entlassungswelle, somit noch weniger beitragszahler. Wer soll das schultern? ich hoffe, das ganze System kracht bald zusammen und die Leute müssen (vorübergehend) den Arzt selber bezahlen. Könnte mir dann gut vorstellen, daß dann plötzlich vieles billiger wird. Es wird nur gequatscht, der beitragszahler geschröpft.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×